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Extremereignisse werden bleiben

Ökologischer Stadtrundgang zeigt, wie urbane Lebensräume auf Klimaveränderungen und den Eingriff des Menschen reagieren.

Die Teilnehmer des Ökologischen Stadtrundganges folgen den Worten von Thomas Sobczyk, wollen einige Aspekte in ihr eigenes Tun einfließen lassen.
Die Teilnehmer des Ökologischen Stadtrundganges folgen den Worten von Thomas Sobczyk, wollen einige Aspekte in ihr eigenes Tun einfließen lassen. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Dass sich der Klimawandel auf die Natur auswirkt, steht außer Frage. Auch der anderweitige menschliche Eingriff in die Natur hat einen Einfluss auf die Artenvielfalt. Pflanzen und Tiere sind den Handlungen des Menschen quasi ausgeliefert. Doch wie zeigt sich so etwas in dem urbanen Lebensumfeld? Auch hier sind Veränderungen festzustellen, wie Forstingenieur Thomas Sobczyk während eines ökologischen Stadtrundganges erklärt und vor Ort an Beispielen aufzeigt.

Eingeladen hat dazu die Volkshochschule Hoyerswerda. Eine gleichgeartete Veranstaltung wird es am 7. Oktober auch in Lauta geben, was sich selbst als das „Grüne Tor zum Lausitzer Seenland“ bezeichnet.

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An den Wappenbäumen in der Fischerstraße wird erklärt, dass an diesen Stieleichen allein etwa 380 Schmetterlingsarten leben – zum Vergleich: 50 an der Roteiche. Mit der Entscheidung für oder gegen die eine oder die andere Baumart wird ebenso bestimmt, welche Artenvielfalt künftig in diesem Umfeld vorkommen kann oder ob es nur ein Bruchteil ist. Thomas Sobczyk, der in der Unteren Forstbehörde des Landkreises arbeitet, erklärt, dass beispielsweise die Pflaumeneiche im Zuge des Klimawandels beliebter wurde. Sie hält zwar Hitze aus, verträgt allerdings keinen Frost, wird kurz umrissen.

Das gute Dutzend interessierter Menschen bringt ein gewisses Vorwissen mit, möchte sich weiterbilden und Erkenntnisse dieses Abends mitnehmen.

An anderer Stelle geht es um den Unterschied zwischen einer Wiese und Rasen. Unberührte Natur gibt es in Mitteleuropa kaum noch – im Moor lassen sich noch naturnahe Wiesen finden, erklärt Thomas Sobczyk. Ein Blick auf die Fläche genügt und er vermutet, dass sich bis zu 70 Arten finden lassen. Dazu trägt auch bei, zur richtigen Zeit zu mähen. „Früher wurde nach der Blüte gemäht“, dann haben die Pflanzen die Chance, schon Samen gestreut zu haben. Überhaupt nicht mähen, sei genauso falsch, heißt es weiter. „Die optimale Wiesenbewirtschaftung ist ein Garant für die Artenvielfalt. Auch Insekten und Vögel hängen direkt davon ab“, verdeutlicht er.

Eine ganze Reihe Maulbeerbäume am Johanneum wird als nicht-heimisch ausgemacht. Thomas Sobczyk zeigt hieran auf, dass es einst eine Seidenraupenzucht in der Stadt gab. Allerdings ist daraus keine freilebende Population hervorgegangen, da die Tiere den Winter nicht überstehen.

Der Region fremde Pflanzen und Bäume wurden meist aus bestimmten Gründen eingeführt, wenn sie das hiesige Klima vertragen. Allerdings hat das auch zum Nachteil, dass sich ebenso Tiere ansiedeln. Mit der Falschen Akazie haben es auch zwei Motten aus Nordamerika hierher geschafft, erklärt der Forstingenieur. Dieser Import führt dazu, dass einige Arten keine natürlichen Feinde haben, sich somit frei entwickeln können und für heimische Arten eine Bedrohung darstellen. Alles wirkt aufeinander ein, ist eine Erkenntnis dieses Stadtrundganges.

Die Schwarze Elster hält ebenso als gutes Beispiel für das Wirken des Menschen auf die Natur her. „Bis 1850 war das der fischreichste Fluss Mitteleuropas“, wird ausgeführt, dann kam die Kanalisierung im Stadtgebiet. Die Verschmutzung stieg stark an, bis das Gewässer fast fischfrei war. Für Mitte der 1990er-Jahre nennt Thomas Sobczyk 15 Arten und heute mittlerweile 26, die wieder in dem Fluss leben. Doch sowohl die Trockenheit, als auch die Erwärmung machen Tieren Probleme, bedrohen die Populationen. Mit Blick auf das Mahdregime an den Ufern wird auch schnell Verbesserungspotenzial ausgemacht. Insekten können möglicherweise nicht schnell genug fliehen und können auch dadurch ausgerottet werden. „Dieses Gebiet hat das meiste Potenzial, besser entwickelt zu werden“, so das Fazit des Forstingenieurs.

Die Insektenarten in der Oberlausitz werden vom Experten mit bis zu 25.000 angegeben. Vielerorts wird bei dem Rundgang entdeckt, dass Stadtplaner oft nicht auf heimische Arten bei Anpflanzungen zurückgreifen. Dass „Extremereignisse uns begleiten werden“, wird ebenso herausgestellt. „Jeder hat ein Gefühl dafür, dass es so ökologisch nicht weitergehen kann“, stellt Thomas Sobczyk heraus, aber vermisst, dass die „kleinen Dinge, die man machen kann“, nicht immer berücksichtigt werden – im privaten, wie öffentlichen Bereich.

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