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Fast eine Viertelmillion Euro für den Stadthaushalt

Beteiligungsbericht von Wittichenau für 2019 bescheinigt solides Wirtschaften und gibt vorsichtig positive Prognosen ab.

© Symbolfoto: Uwe Schulz

Wittichenau. Vierzig Seiten umfasst der Beteiligungsbericht der Stadt Wittichenau in seinem öffentlichen Teil. Er listet mit Stand 31. Dezember 2019 auf, an welchen Unternehmungen die Kommune beteiligt ist, welche Ertragslage zu verzeichnen ist und welche Aussichten für Künftiges bestehen. In ihrer jüngsten Sitzung nahmen ihn die Stadträte offiziell zur Kenntnis – sie hatten ihn ja vorab per Mail zum „Selbststudium“ bekommen. Wesentlichste Änderung zum Vorjahr (2018) ist laut Kämmerer Thomas Woelke die Aussage zur Liquidität (sprich: im Eigenbetrieb Abwasser). Das Wichtigste in Kürze zu den jeweiligen Unternehmen:

Eigenbetrieb Abwasser

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An diesem Unternehmen hält Wittichenau 100 % der Anteile. Es wies nach guten Jahren 2018 einen Fehlbetrag von 116.000 Euro aus: „Zum einen wurden Wertberichtigungen in Höhe von 113 T€ auf seit Jahren uneinbringliche offene Forderungen gemacht. Neben den seit 2017 ausbleibenden Einnahmen aus dem Abwassereinleitvertrag mit Lohsa in Höhe von ca. 60 T€/Jahr wirkte sich vor allem eine Rückstellung in Höhe von 100 T€ aus, die für den Fall gedacht war, dass die Gemeinde Lohsa im Rechtsstreit wegen der Kündigung des Abwassereinleitvertrags in II. Instanz obsiegen sollte.“ (So kam es ja dann auch am 25. Februar 2020 mit nicht anfechtbarem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Bautzen, d. Red.). Unterm Strich blieb für 2019: „Damit waren in 2018 alle nötigen Korrekturen, die sich negativ auf das Betriebsergebnis auswirken konnten, erledigt worden, so dass für 2019 wieder mit einem positiven Ergebnis gerechnet werden konnte. Zu diesem positiven Ergebnis in 2019 trug u.a. bei, dass sich die Umsatzerlöse von 933 T€ in 2018 auf 987 T€ erhöhten und dass die Stadt dem Eigenbetrieb zur Verbesserung seiner Liquidität mit einer Umlage von 75 T€ unter die Arme griff.“

Wohnungsbaugesellschaft Wittichenau mbH (WGW)

Hier hält Wittichenau wie auch beim Eigenbetrieb Abwasser 100 % der Anteile. Das Stammkapital der Gesellschaft beläuft sich auf 25.564,59 Euro. Die WGW schloss 2018 mit einem Jahresüberschuss von 128.000 Euro ab (2018: 181.000 Euro, 2017: 93.000 Euro). Die Wohnungsleerstandsquote konnte weiter gesenkt werden – auf 3,9 % (2018, 4,33 %, 2017: 5,72 %). „Da bei Neuvermietungen der sanierten Wohnungen durch die Modernisierungsumlage nun bis zu 5,50 €/m² Kaltmiete erzielt werden können, ist das durchschnittliche Mietniveau leicht auf 4,71 €/m² (2018: 4,66 €/m²) gestiegen, liegt aber im regionalen Vergleich immer noch im mittleren Durchschnitt.“ Prognose für 2020: ein Jahresüberschuss von etwa 100.000 Euro.

Energieversorgung Schwarze Elster GmbH (EVSE)

Die EVSE ist zu 50 % in Wittichenauer Eigentum. Der Jahresüberschuss sank von 544.000 Euro anno 2018 (2017: 653.000 Euro) auf 403.000 Euro. Der fortgesetzte Verbrauchsrückgang (Gas-Absatz), geschuldet der wiederum extrem warmen Witterung, war ebenso am Schrumpfen des Überschusses schuld wie das Abwandern von Kunden zu anderen Anbietern (2019: 3 % „Wechselrate“); „den größten Anteil an der Verringerung des Jahresgewinns gegenüber dem Vorjahr hatten jedoch die drastisch gestiegenen Gasbezugskosten.“ Unterm Strich aber blieb dennoch: „Aus dem Gewinn 2018 wurden in 2019 400 T€ brutto an alle Gesellschafter ausgeschüttet (Anteil Wittichenau: 168,4 T€ netto). In der gleichen Höhe erfolgte in 2020 die Ausschüttung aus dem Gewinn 2019. Generell wird für die Zukunft zwar mit einem geringeren Ergebnis, aber einem stabilen Fortgang des Unternehmens gerechnet.“

Keine Kapital- sondern nur Stimm-Anteile (7,89 %) hat die Stadt Wittichenau am

Trinkwasserzweckverband (TZV) Kamenz

Der wiederum hat 63,34 % der Anteile an der ewag.kamenz (Energie und Wasserversorgung AG), deren Stammkapital sich auf 11.157.959,00 Euro beläuft. Die ewag besitzt 31,95 % der Anteile an der MSE (Mobile Schlammentwässerungs- und Entsorgungsgesellschaft mbH -Zwickau-), die auf 840.000 Euro Stammkapital blicken kann. Jene MSE schloss bei einer „betrieblichen Gesamtleistung“ von 7.488.000 Euro das Geschäftsjahr mit einem Ergebnis (Überschuss) von 94.000 Euro ab.

Die ewag Kamenz schloss das Geschäftsjahr 2019 mit Jahresüberschuss von 1.143.000 Euro ab (2018 waren es 984.000 Euro, 2017 1.209.000 Euro). Der Ausblick: „Für das Geschäftsjahr 2020 ist ... von einer positiven Entwicklung auszugehen.“

Auf den ersten Blick winzig mutet die Beteiligung der Stadt Wittichenau an der

Kommunalen Beteiligungsgesellschaft mbH an der envia (KBE)

an: 0,2167 %. Aber die KBE mit einem Stammkapital von 53.304.829 Euro ist ein Zusammenschluss von 336 Kommunen der neuen Bundesländer (mit Ausnahme von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern) und ihrerseits wiederum mit 22,18 % an der Mitteldeutschen Energie AG (enviaM) beteiligt, deren Stammkapital sich auf 635.187.200,00 Euro beläuft und die 63 Beteiligungsgesellschaften hat.

Der absolute Wert der Wittichenauer Beteiligung ist freilich alles andere als marginal: „Die Stadt Wittichenau ist durch ihre enviaM-Aktien mit 0,2167 % an den Gesellschafter-Aktien an der KBE beteiligt und damit mittelbar mit 0,048 % an der enviaM. Der Werthaltigkeit der Beteiligung an der enviaM wird in regelmäßigen Abständen vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst & Young überprüft und wurde zuletzt in 2016 bestätigt. Aktuell bewertet die KBE den Wert einer Aktie mit 5 Euro und einen möglichen Veräußerungserlös der 113.771 Aktien der Stadt Wittichenau mit 568.857,14 Euro.“ Das sind durchaus keine theoretischen Werte: „In 2019 erhielt die Stadt Wittichenau in zwei Teilzahlungen insgesamt 67,3 T€ aus der Gewinnausschüttung, in 2020 ist die erste Teilzahlung mit 60,3 T€ bereits eingegangen.“ Und das sollte nach menschlichem Ermessen so bleiben: „Die Vermögens- und Finanzlage ist geordnet. Mittelfristig wird daher Dividendenkontinuität prognostiziert.“

Es herrschen geordnete Verhältnisse in Wittichenaus Beteiligungen. Das 2019er Plus für den Stadthaushalt aus den Ausschüttungen der EVSE (168.400 Euro) und der enviaM/KBE (67.300 Euro) summiert sich auf 235.700 Euro.

Beteiligungsbericht der Stadt Wittichenau: einsehbar dauerhaft/ohne Befristung (coronabedingt derzeit nur nach Voranmeldung) im Rathaus (Markt 1) in Zimmer 7 (bei Simone Künze) Mo-Fr 7-12 Uhr, Mo-Mi zusätzlich 12.45-16 Uhr, Do zusätzlich 12.45-18 Uhr

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