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Flüssiggas ist ein Teufelszeug

Bernsdorfer Feuerwehrleute erhalten Praxis-Unterricht von einem Fachlehrer der Landesfeuerwehrschule Nardt.

Explosionsartig entzündete sich ausgelaufenes Flüssiggas. Augenblicke später ist das Gas verbrannt, erlöschen die Flammen.
Explosionsartig entzündete sich ausgelaufenes Flüssiggas. Augenblicke später ist das Gas verbrannt, erlöschen die Flammen. © Foto: Ralf Grunert

Straßgräbchen. Flammen, Qualm und Löschschaum sind Dinge, mit denen es Feuerwehrleute zu tun bekommen können, wenn sie zu Verkehrsunfällen gerufen werden. Beim gemeinsamen Dienst der Bernsdorfer Ortsfeuerwehren, zu dem Gemeindewehrleiter Ingolf Höntsch jetzt nach Straßgräbchen eingeladen hatte, begleiteten sie die Erläuterungen von Günter Polling. 

Der Fachlehrer an der Landesfeuerwehrschule Nardt sprach vor rund 60 Feuerwehrleuten, darunter auch Kameraden von der Ortsfeuerwehr Oßling-Skaska, über „zwei, drei Sachen, die für die Praxis wichtig sind“.

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Grundsätzlich Neues bekamen die teilweise seit Jahrzehnten im Einsatz befindlichen Feuerwehrleute aus Bernsdorf, Großgrabe, Straßgräbchen, Wiednitz, Zeißholz und eben Oßling-Skaska zwar nicht zu hören. Bestehende Kenntnisse aufzufrischen, kann aber nie schaden – und dabei half mal ernsthaft, mal scherzend Günter Polling.

Gefährliche Benzin-Dämpfe

Auslaufendes Benzin ist etwas, worauf sich die Feuerwehrleute bei jedem Verkehrsunfall einstellen müssen. „Wenn das Auto auf der Seite des Tankstutzens liegt, ist so gut wie sicher, dass Benzin ausläuft.“ Eine offene Flamme oder ein elektrischer Funke reichen, die sich bildenden Dämpfe zu entzünden. „Wie können wir das zündfähige Gemisch in der Luft verhindern, wenn alles voller Benzin ist?“, fragte Günter Polling in die Runde. Schaum sei jedenfalls keine gute Lösung, meinte er und ließ einen Kameraden – wie in einem realen Einsatz – durch den auf einer Benzin-Lache verteilten Schaumteppich laufen. Dabei wurde der Teppich zerstört, Dämpfe traten aus und ließen sich entzünden. Ölbindemittel ist da die bessere Wahl, erklärte der Fachlehrer. Zwar dringen auch durch die Bindemittelschicht Dämpfe hindurch, aber deutlich weniger als bei einem Schaumteppich, wie er auch gleich an einer zweiten Benzin-Lache vorführte. Es züngelte nur ein paar kleine Flammen. „Bindemittel reduziert die Gefährlichkeit der Dämpfe.“

Als „extrem gefährlich“ bezeichnete der Fachlehrer Flüssiggas. Wenn es austritt, breitet es sich am Boden aus. „Wenn Nebel wabern, dann ist das so etwas.“ Da hilft nur Abstand halten. Zum Entzünden, was explosionsartig geschieht, reichen wie bei Benzin eine Flamme oder ein elektrischer Funke. Bei Flüssiggas, so ergänzte der Gemeindewehrleiter, könne man nur warten, bis sich der Behälter geleert hat und das Gas vom Wind verteilt wurde. Um diesen Vorgang zu beschleunigen, kann mit Ventilatoren nachgeholfen werden.

Wenn ausströmendes Gas aber erst einmal brennt, dann stellt es kein Problem mehr dar, wie Günter Polling anmerkte. „Da kann nichts weiter passieren.“ Auch Funken eines Trennschleifers, wie er bei der Befreiung von Personen aus einem Unfallfahrzeug zum Einsatz kommen kann, sind weniger gefährlich. „So schnell zündet man Benzin nicht an. Das gilt ebenso für Erdgas und Flüssiggas“, ließ Günter Polling wissen. „Bei Wasserstoff wiederum würde ein solcher Flex-Funke ausreichen.“

Um Fahrzeuge mit Elektro-Antrieb ging es nur am Rande. Wenn diese in Brand geraten, ist gewöhnlich nichts mehr zu retten. Im Normalfall passiert das aber nicht, hieß es. „Viele Dinge werden schwärzer gesehen, als sie sind“, merkte Ingolf Höntsch an. Allerdings sollten die Feuerwehrleute, wenn sie mit Rettungsgerät hantieren, die Finger von den Akkus lassen. Und es gibt auch verbreitete Irrtümer, wie Günter Polling ergänzte. So könne ein Katalysator definitiv kein Benzin entzünden. Wenn durch einen Kat ein Auto-Brand verursacht wird, dann deshalb, weil vom Kat das Gras unter dem Fahrzeug entzündet wird.

Nur ein gemeinsamer Dienst

Die anderhalbstündigen Erläuterungen und Vorführungen vergingen fast wie im Fluge. Ein solcher gemeinsame Dienst findet gewöhnlich zweimal im Jahr statt, wegen Corona wird es in diesem Jahr bei einem Dienst bleiben. Die Dienste bei den einzelnen Ortsfeuerwehren summieren sich im Jahresverlauf auf 25 bis 30, war noch vom Gemeindewehrleiter zu erfahren. „Außer Flüssiggas ist alles andere kein Teufelszeug“, lautete die Zusammenfassung von Günter Polling, während im Feuerwehrgerätehaus bereits ein kleiner Imbiss auf die Feuerwehrleute wartete.

Von „brennendem Schnee“ sprach Günter Polling (vorn) bei diesem Anblick. Es handelt sich um eine mit Löschschaum bedeckte Benzin-Lache. Durch Lücken im Löschschaum-Teppich stiegen jedoch Benzin-Dämpfe auf, die sich leicht entzünden ließen.
Von „brennendem Schnee“ sprach Günter Polling (vorn) bei diesem Anblick. Es handelt sich um eine mit Löschschaum bedeckte Benzin-Lache. Durch Lücken im Löschschaum-Teppich stiegen jedoch Benzin-Dämpfe auf, die sich leicht entzünden ließen. © Foto: Ralf Grunert

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