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Für besseres Miteinander in Firmen

Eine kleine Firma beschäftigt sich mit Unternehmenskulturen und will diese verbessern.

Anne Wilhelm, Reno Rössel und Juliane Wünsche von der Working Evolutions GmbH und der Bäckermeister Stefan Richter (3. v.l.) beschäftigen sich damit, wie der Arbeitsalltag für Menschen in der Oberlausitz angenehmer wird.
Anne Wilhelm, Reno Rössel und Juliane Wünsche von der Working Evolutions GmbH und der Bäckermeister Stefan Richter (3. v.l.) beschäftigen sich damit, wie der Arbeitsalltag für Menschen in der Oberlausitz angenehmer wird. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda/Hochkirch. Die Arbeitswelt verändert sich seit einigen Jahren spürbar, was unter anderem durch neue Technologien, fortschreitende Digitalisierung, Globalisierung und die Arbeitskräfteknappheit ausgelöst wird. Dieser Wandel berührt alle arbeitenden Menschen vom Handwerker mit wenigen Mitarbeitern über mittelständische Firmen bis zu Stadtverwaltungen und öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, erklärt Reno Rössel. 

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Er ist einer von fünf Kollegen der Working Evolutions GmbH, die im Auftrag von Heinrich Kronbichler, dem Besitzer des LebensGutes Pommritz in der Gemeinde Hochkirch, das Projekt „New Work Oberlausitz“ bearbeiten. Reno Rössel erklärt: „Wir wollen nicht wissen, was eine Firma produziert, sondern wie dort gearbeitet wird.“ Wie funktioniert die Kommunikation zwischen dem Chef und den Mitarbeitern? Wer ist wie an Entscheidungsprozessen in der Firma (Organisation) beteiligt? Können die Mitarbeiter ihre Arbeitszeit flexibel gestalten? Welche Partner hat das Unternehmen in der Region? Letztlich soll eine perfekt passende, wertebasierte Struktur entstehen, in der alle Beschäftigten gern und effizient zusammen arbeiten, sagt Reno Rössel.

Leute nicht zusätzlich frustrieren

Die Working Evolutions GmbH spricht seit einigen Monaten mit Organisationen in der Oberlausitz über das Thema und stellt fest, dass es hier durchaus Arbeitsweisen des New Work gibt. Bäckermeister Stefan Richter aus Kubschütz ist einer dieser Arbeitgeber, dem neben seiner Firma auch das Wohl der Mitarbeiter am Herzen liegt. Da er seine Brötchen und Brote nur im eigenen Geschäft verkauft und nicht an Filialen ausliefert, beginnt bei ihm die Arbeitszeit erst morgens um 4 Uhr. Das entspricht dem Biorhythmus eher, als ein Arbeitsbeginn um 23 Uhr, wie das in größeren Bäckereien üblich ist, erläutert Stefan Richter.

Er hat viele Stammkunden und weiß ziemlich genau, welche Produkte diese in welcher Menge kaufen. Daran orientiert er seine Produktionsmenge. Wenn im heißen Sommer am Nachmittag noch zwei Körbe Semmeln und Weißbrote vorrätig sind, dann überlegt er mitunter mit seinen Mitarbeitern, ob sie noch mal Brötchen backen. „Die bringen etwas mehr Gewinn, aber ich muss doch meine Leute bei der Hitze nicht extra frustrieren“, sagt der Bäckermeister. Da er selbstständig ist, hat er solche Entscheidungsmöglichkeiten. Stefan Richter pflegt mit seinen sieben Mitarbeitern auch eine offene Kommunikation, weil er meint. „Keiner macht mit Absicht etwas falsch, und auch mir muss jemand meine Fehler sagen.“ Das ist ihm genauso wichtig wie seine Beteiligung an einem nachhaltigen regionalen Wirtschaftskreislauf. Er bäckt zum Beispiel ein Spezialbrot aus Champagnerroggen. Diese alte Getreidesorte bauen Bauern aus der Region an und im Hofladen Zockau werden die Brote dann verkauft.

„Die Gespräche mit den Mitarbeitern der Working Evolutions GmbH erweitern seinen Horizont gleich im doppelten Sinn“, sagt Stefan Richter. Er bekommt die Organisationsstruktur seines Unternehmens von außen gespiegelt und lernt Firmen anderer Branchen kennen, die auch Arbeitsweisen des New Work anwenden. Diese Kontakte entstehen über die Website www.new-work-oberlausitz.de, auf der alle mit Firmen, Vereinen, Stadtverwaltungen und öffentlichen Einrichtungen geführten Interviews eingestellt sind, erklärt die Mitarbeiterin der GmbH Juliane Wünsche. Sie und ihre Kollegen suchen weitere Organisationen, die zum Vorteil ihrer Beschäftigten menschlicher, flexibler und effektiver arbeiten wollen. Das gelte besonders für die Region um Hoyerswerda.

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