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Für den Ernstfall vorsorgen

Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung sind in jedem Alter wichtige Instrumente, um sich abzusichern.

Auch der Standort in Hoyerswerda des Landratsamtes ist für den Besucherverkehr geschlossen.
Auch der Standort in Hoyerswerda des Landratsamtes ist für den Besucherverkehr geschlossen. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Wer handelt für mich, wenn ich es selbst nicht kann? Das Thema rechtliche Vorsorge kommt meist erst auf, wenn schon ein dringender Handlungsbedarf besteht. Dann ist es meist schon zu spät, um noch präventiv zu handeln. Dass jeder Mensch jederzeit in die Lage kommen kann, sich nicht mehr selbst, um seine Angelegenheiten zu kümmern, sollte vermehrt in die Wahrnehmung rücken. 

Das hat wenig mit dem Alter oder einer Krankheit zu tun, denn Unfälle passieren unvorhergesehen. Niemand ist davor gefeit. Daher ist es wichtig, sich frühzeitig mit den Möglichkeiten zu befassen. Denn was passiert, wenn die Hilfe anderer notwendig wird? Sind Zuständigkeiten und Befugnisse geklärt?

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Viele Angelegenheiten lassen sich klären und das ist für jeden ab dem 18. Lebensjahr wichtig: Eine Vorsorgevollmacht kann Abhilfe schaffen und aus einer unsicheren Ausgangslage eine festgeschriebene Vorstellung machen. So werden Angehörige davor bewahrt, für nahestehende Personen Entscheidungen treffen zu müssen, die vielleicht nicht ihrem Willen entsprechen.

Zur Entlastung der Angehörigen

Mit einer rechtsgeschäftlichen Vollmacht können Angehörige für einen Volljährgen entscheiden, wenn er selbst dazu nicht in der Lage ist. Das Thema ist kein leichtes und eine Entscheidung verlangt einen – wenn möglich gemeinsamen – Abwägungsprozess. Die Betreuungsbehörde des Landratsamtes Bautzen bietet dazu Beratungen an. Die Mitarbeiter vor Ort bieten dabei die Aufklärung über das Betreuungsrecht an, die dort von Bürgern wahrgenommen werden kann. Weiterhin besteht auch die Möglichkeit, eine Vorsorgevollmacht beglaubigen zu lassen. Eine Gebühr von 10 Euro wird dabei erhoben. Künftige Vertragspartner können so sichergehen, dass die Vollmacht durch die genannte Person erteilt wurde.

Eine oder mehrere Vertrauenspersonen können benannt werden. Die Bevollmächtigten können dann zum Beispiel Verträge unterschreiben. Weiterhin sind auch Entscheidungen über medizinische Behandlungen möglich und die Befugnisse können sich genauso auf andere wichtige Geschäfts- und Lebensbereiche wie Bankgeschäfte oder die Bestimmung des Wohnortes beziehen. Dennoch ist es sinnvoll, die von Banken und Sparkassen ausgefertigten Vordrucke ergänzend ebenfalls zu nutzen.

Doch damit sind nicht alle möglichen Fälle abgedeckt. Denn beispielsweise kann die bevollmächtigte Person nicht stellvertretend in eine Organspende einwilligen – außer das ist ausdrücklich erwähnt und findet Berücksichtigung in der Vorsorgevollmacht.

Entsprechende Formulare gibt es im Internet viele – zu viele. Das Landratsamt rät daher dazu, das Formular zu nutzen, das vom Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz herausgegeben wurde. Informationsbroschüren samt Formularen sind bei Mitarbeitern der Betreuungsbehörde erhältlich oder online abrufbar.

Sollte nun im Ernstfall doch keine Vorsorgevollmacht erteilt worden sein, dann kann unter Umständen ein gesetzlicher Vertreter bestellt werden. Liegt jedoch eine Betreuungsverfügung vor, dann kann bereits eine nahestehende Person mit der Betreuung betraut worden sein. Wobei „Betreuung“ in diesem Sinne nicht die sozialen Aspekte meint, wie Hilfe im Alltag. Sondern es sind vielmehr die rechtlichen Angelegenheiten gemeint. Ebenso werden Wünsche festgehalten, die der Betreuer berücksichtigen muss. Dabei kann es auch darum gehen, ob im Pflegefall die Versorgung zu Hause oder in einem Pflegeheim vorgenommen werden soll.

Doch damit sind noch nicht alle Belange erledigt, denn bestenfalls wird auch eine Patientenverfügung aufgesetzt. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass hierbei medizinische Belange abgeklärt werden: In welche Maßnahmen wird eingewilligt und welche werden untersagt.

Allerdings gibt es mittlerweile auch andere Bereiche, die davon betroffen sind, wenn ein Mensch nicht mehr eigenständig handeln kann oder verstirbt.

Digitalen Nachlass klären

Laut einer Studie des Fraunhofer-Institutes für Sichere Informationstechnologie gemeinsam mit der Universität Bremen und der Universität Regensburg „ist vielen Menschen nicht bewusst, dass und wie sie über ihren digitalen Nachlass verfügen können.“ Auch das ist eine Thematik, die in den letzten Jahren immer wichtiger geworden ist, aber noch nicht die entsprechende Beachtung gefunden hat.

Unter den digitalen Nachlass fallen finanzielle Werte und ideelle Werte. Noch konkreter ist damit alles gemeint, was ein Mensch nach seinem Tod an Datenspuren zurücklässt. Damit wird ein großer Bereich eröffnet, der sich kaum auf den ersten Blick überschauen lässt. Unter anderem die Verbraucherzentrale Sachsen informiert zu diesem Thema und hält online Informationsmaterial und Muster bereit, um sich mit dieser Vorsorge auseinanderzusetzen.

Der digitale Nachlass ist so vielfältig wie die Aktivitäten, die heutzutage ganz selbstverständlich online stattfinden. Dazugehören zuallererst E-Mail-Adressen und -postfächer, Profile bei Sozialen Netzwerken, Konten bei Online-Shops. Weiterhin dürfen auch Mitgliedschaften in Foren, Spielkonten, Blogs und eigene Websites nicht vergessen werden. Auch sogenannte digitale Rechte gehören in diesen Bereich. Damit sind beispielsweise Musiksammlungen, kostenpflichtige Apps, eBooks, Streamingdienste und Guthaben gemeint. Auch Prämiensysteme, Kryptowährungen und Aktiendepots sind gemeint. Abschließend zählen ebenfalls Smart-Home-Systeme und tragbare Geräte – Wearables – dazu. Eine ganze Menge kommt bei dieser Betrachtung zusammen.

Daher ist es wichtig, sich einen Überblick über Accounts und Konten zu verschaffen. Eine detaillierte Liste kann dabei helfen – auch, um einer Vertrauensperson im Notfall Zugang zu verschaffen. Genauer ist zu klären, was damit im Fall von Handlungsunfähigkeit oder Tod passieren soll. Also heißt es Zugangsdaten hinterlegen und die Verfahrensweise besprechen.

Verträge enden nicht automatisch mit dem Tod, sondern gehen auf die Erben über. Daher empfiehlt sich, einen Überblick zu ermöglichen, bevor Angehörige dies ermitteln müssen. Eine Auflistung kann auf Papier oder einem externen Speichermedium festgehalten werden. Über die Aufbewahrung in einem Bankschließfach sollte unter Umständen nachgedacht werden, was auch für Passwörter gilt.

Es ist viel erreicht, wenn neben einer Datenübersicht auch eine Datensparsamkeit gilt und die Datensicherheit gegeben ist. Dann kann schnell gehandelt werden.https://www.sit.fraunhofer.de/de/digitalernachlass/https://www.bmjv.de/
SharedDocs/Downloads/DE/Service/Formulare/Vorsorgevollmacht.html

Gemeinsam mit Familienangehörigen sollten Bedürfnisse und Vorstellungen besprochen und festgehalten werden. Die Vorsorgevollmacht ist dabei nur ein Baustein, um sich abzusichern.
Gemeinsam mit Familienangehörigen sollten Bedürfnisse und Vorstellungen besprochen und festgehalten werden. Die Vorsorgevollmacht ist dabei nur ein Baustein, um sich abzusichern. © Foto: Uwe Schulz

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