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Fundus für künftige Generationen erhalten

Das Trachtenhaus Jatzwauk erinnert an den 100. Geburtstag von Anna Böhme, die es zur DDR-Zeit geprägt hat.

Rosemarie Fröhlich in ihrem Elternhaus in der Senftenberger Straße 19 in Hoyerswerda, in dem sich heute wie damals der Trachtenladen befindet.
Rosemarie Fröhlich in ihrem Elternhaus in der Senftenberger Straße 19 in Hoyerswerda, in dem sich heute wie damals der Trachtenladen befindet. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Kaum ein Gebäude in Hoyerswerda verbindet die Geschichte der Stadt so eng mit der Historie einer Familie wie das Trachtenhaus Jatzwauk in der Senftenberger Straße 19. Seit den 1920er-Jahren ist dessen Entwicklung zuerst vom Schneidermeister und sorbischen Hochzeitsbitter Johann Jatzwauk (1897-1964) geprägt worden und dann von seiner Tochter, der Schneidermeisterin und sorbischen Ankleidefrau Anna Böhme (1920-1993).

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„Den 100. Geburtstag hätte Anna Böhme dieses Jahr am 9. November feiern können“, sagt ihre Enkelin Kirsten Böhme, die heutige Inhaberin des Trachtenhauses. In diesem ist jetzt der Verein zur Pflege der Regionalkultur der Mittleren Lausitz e.V. ansässig, der wertvolles Wissen über sorbische Trachten der Region sowie die Handwerkskünste zu ihrer Herstellung sammelt, bewahrt und weitergibt.

Rosemarie Fröhlich ist eine von Anna Böhmes Töchtern. Ihr Leben begann wie das ihrer vier Geschwister in dem alten Haus nahe dem Hoyerswerdaer Markt. „Wir wurden dort geboren und wuchsen zwischen dem Laden im Erdgeschoss und der Nähstube im Dachgeschoss auf“, erzählt die 77-Jährige. Infolge die Kriegshandlungen im April 1945 war das Geschäft ausgebrannt. Anna Böhme hat es mit ihren Eltern wieder aufgebaut.

Bis zur Errichtung des Gaskombinates Schwarze Pumpe und der Neustadt Ende der 1950er-Jahre haben viele Kundinnen sorbisch gesprochen. Sie ließen Hauben, Jacken, Schürzen oder Röcke ihrer Trachten reparieren und neu anfertigen, weil sie diese Kleidung im Alltag, zum Kirchgang und zu Festen getragen haben. Noch in dieser Zeit hat Rosemarie Fröhlich bei ihrem Großvater Johann Jatzwauk den Beruf der Damenmaßschneiderin gelernt. Danach erfüllte sie mit ihrer Mutter Anna Böhme und einigen Näherinnen die Wünsche der Kundinnen. Diese bestellten ab den 1960er-Jahren immer mehr moderne Kleider, Blusen oder Kostüme und passten sich dem allgemeinen Modetrend in der Lausitz an. Vor allem von sorbischen Tanzgruppen wurden aber weiter verschiedenste originalgetreu gearbeitete Trachtenmodelle bestellt.

Jeder Auftrag sollte immer termingerecht ausgeliefert werden, doch manchmal fehlte einfach grüner oder roter Wollstoff für die Röcke der Tanztrachten, erzählt Rosemarie Fröhlich. Auch Seidenstoffe für die Schürzen war nicht immer leicht zu beschaffen. Hakte es an dieser Stelle, hat Anna Böhme mit viel Geschick und Akribie Hauben bestickt oder die weißen Tücher, die zum Beispiel zu den großen Festtrachten des Hochzeitszuges gehören.

Ihre vielen, in jedem Detail exakt angekleideten Trachtenpuppen waren zur DDR-Zeit beliebte Touristensouvenirs und haben die sorbische Kultur auch im Ausland bekannt gemacht, berichtet Rosemarie Fröhlich. Für Ihr Engagement wurde ihre Mutter 1968 mit der Ehrennadel der Domowina ausgezeichnet. 1991 erhielt sie für ihre Verdienste den Domowina-Preis.

Im Zeitraum 1990/91 hat Kirsten Böhme versucht, das Geschäft unter den Bedingungen der Marktwirtschaft weiterzuführen, aber der kulturelle Aspekt stand immer im Vordergrund. 1992 wurde eine ständige Trachtenausstellung eingerichtet. Der Träger ist der Verein zur Pflege der Regionalkultur der Mittleren Lausitz, dessen Vorsitzender seit 2013 Werner Böhme, der Enkel von Schneidermeister Jatzwauk ist. Dieser sagt über seine Mutter Anna Böhme, sie sei froh gewesen, dass auf diese Weise das Wissen ihrer Familie über sorbische Trachten und der Fundus von vielen gesammelten Originalteilen für künftige Generationen erhalten wird.

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