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Gegen die Angst auf dem Behandlungsstuhl

Zahnärztin Andrea Göbbels aus Hoyerswerda schwört auf Methoden zu Sanfter Zahnmedizin.

© Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Seit Ende des vergangenen Jahres gibt es an einer Tür in der Spremberger Straße in Hoyerswerdas Altstadt diese Aufschrift: „M + A Göbbels – Praxis für Zahnerhaltung und Sanfte Zahnmedizin“. Mitnichten jedoch hat das Zahnarzt-Ehepaar Andrea Göbbels und Dr. Maik Göbbels seine Praxis aus der Villa „Am Schloss“ in der Fischerstraße in Richtung Marktplatz verlegt. Hinter der Tür findet man – aktuell – das Büro von Susann Hegemann. Sie koordiniert von hier aus unter anderem Aktivitäten, um über die in besagter Aufschrift erwähnte Sanfte Zahnmedizin zu informieren.

„Verschiedene Kolleginnen und Kollegen unterbreiten verschiedene Angebote“, erklärt Andrea Göbbels. Das reicht von etwas, das Biologische Zahnmedizin genannt wird, über Homöopathie in der stomatologischen Behandlung bis hin zu Zahnärzten, die sich auf die Beseitigung von Amalgam-Füllungen spezialisiert haben. Andrea Göbbels widmet sich schon einige Jahre lang einem Thema, zu dem man seitenlange Abhandlungen in Fachzeitschriften finden kann: Die Furcht, sich auf einen Zahnarztstuhl zu setzen, ist sprichwörtlich.

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Die Hoyerswerdaerin kennt das aus ihrem Privatleben. Wenn sie irgendwo erwähnt, welchen Beruf sie ausübt, erzählt sie, sei die erste Reaktion oft „O Gott!“. Und in der Praxis fangen Patienten-Sätze schon einmal so an: „Ich habe ja nichts gegen Sie persönlich, aber ...“ Das Unbehagen, zum Zahnarzt zu gehen, reicht allgemein von relativ unspezifischer Besorgnis bis hin zu schierer Panik. Das Zahnärzteblatt hat Angstphänomenen, dem Umgang damit und möglicher Vorbeugung eine ganze Serie gewidmet. In der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten hat die Dentalphobie sogar einen eigenen Verschlüsselungs-Code. „Mein Gedanke ist, Wege zu finden, um zu zeigen, wie man die Angst selbst überwinden kann“, sagt Andrea Göbbels. Sie bietet neuerdings separate Beratungen dazu an. Das bedeutet, man muss nicht sofort unter der Behandlungsleuchte Platz nehmen und den Mund öffnen. Sondern erst einmal stehen bei einem Gespräch jene Methoden im Mittelpunkt, mit denen die Hoyerswerdaer Zahnärztin auf das gestellte Ziel hinarbeitet.

Sie beginnen bei dem Autogenem Training ähnlichen Atemübungen und führen über Akupunktur bis hin zu beruhigenden Worten beziehungsweise einer ablenkenden Gesprächstechnik. „Ich versuche damit, den Patienten gedanklich aus der Praxis wegzuführen“, umschreibt Andrea Göbbels ihr Vorgehen dabei. Unterstützend kommt auch niedrigenergetisches Laserlicht zur Anwendung, das zum Beispiel die Wundheilung fördern soll. Freilich sind all das keine Kassenleistungen. Aber nach Andrea Göbbels Beurteilung ist der Bedarf doch recht hoch. Mehr als die Hälfte der Patienten in der Praxis, die sie gemeinsam mit ihrem Mann führt, könnten ihrer Schätzung nach von den weicheren Verfahrensweisen profitieren.

Das Problem hinter zu großen Befürchtungen bei Patienten heißt Behandlungsvermeidung. Und bei vielen Menschen, die aus Angst darauf verzichten, zum Zahnarzt zu gehen, rächt sich irgendwann das Gebiss. Andrea Göbbels sagt, das löse nicht nur Schwierigkeiten beim Kauen aus: „Es kann auch zu Folgeerkrankungen führen.“ In der einschlägigen Literatur erwähnt sind zum Beispiel allgemeine Entzündungen, Gefäßerkrankungen und Diabetes, aber auch Herzinfarkte, Schlaganfälle und sogar Rückenschmerzen. Und, ergänzt die Zahnärztin, man müsse in diesem Zusammenhang auch Scham einkalkulieren. Denn eine ganze Reihe von Leuten, die Angst vor dem Zahnarzt haben, geniert das durchaus.

„Ich gebe letztlich eine Hilfestellung“, schildert Andrea Göbbels das Wesen der Sanften Zahnmedizin. Und in Bälde kann die Information dazu sogar räumlich in unmittelbare Nähe zur Praxis geholt werden. War zuletzt in der Villa „Am Schloss“ kein Platz, hat sich nun kurzfristig doch eine verfügbare Fläche ergeben. Im März soll Susann Hegemann mit ihrem Büro in die Fischerstraße umziehen können.

Zum Beispiel bei Schmerzen, Verspannungen oder Allergien soll der Einsatz von Akupunktur die dem menschlichen Körper eigenen Abwehrkräfte anregen. Ein Piks an der richtigen Stelle soll Stress mindern.
Zum Beispiel bei Schmerzen, Verspannungen oder Allergien soll der Einsatz von Akupunktur die dem menschlichen Körper eigenen Abwehrkräfte anregen. Ein Piks an der richtigen Stelle soll Stress mindern. © Foto: Mirko Kolodziej

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