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Gemeinsame Wege übers Land sind die besten

In Terpe hat man sich alter Ideale der dörflichen Gemeinsamkeit besonnen und eine Bürgergenossenschaft gegründet.

Das HühnerMobil mit eingezäuntem Auslauf. Die Böcke sollen die Hühner gegen „Angriffe aus der Luft“ verteidigen.
Das HühnerMobil mit eingezäuntem Auslauf. Die Böcke sollen die Hühner gegen „Angriffe aus der Luft“ verteidigen. © Foto: Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Terpe. Eine Bürgergenossenschaft, was ist das? Ältere Leser, vor allem in den Dörfern, werden noch wissen, dass es einmal die „Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe“ (VdgB) gab. Damals war es das Hauptanliegen, in der Nachkriegszeit durch Gemeinsamkeit die Not im ländlichen Raum zu mindern. In Terpe leidet heute niemand mehr unter Not. Und dennoch gibt es viele Probleme.

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Der alte „VdgB“-Gedanke wurde da wieder wach: Können wir nicht selbst für uns zuständig sein und unsere Probleme lösen, für die sich keiner so recht interessiert? Mit neuen Gemeinsamkeiten in ihrer heutigen ganzen ländlichen Vielfalt? Wir sprachen mit dem Vorsitzenden der Terp’schen Bürgergenossenschaft e. G. (TBG e.G.), Hans-Joachim Klammer.

Herr Klammer, was hat Terpe bewogen, eine Bürgergenossenschaft zu gründen?

Wir haben in unserem Dorf genügend Probleme, die einer Lösung bedürfen, für die sich aber keiner zuständig fühlt. Da haben wir gesagt, wir können doch einfach für uns selbst zuständig sein. Die Folge war, dass wir am 24. März 2019 die Genossenschaft gründeten. Dreizehn Gründungsmitglieder waren dabei, alles Leute aus dem Ort und dem Umland, unter ihnen der Ortsvorsteher mit seiner Frau, führende Persönlichkeiten aus Unternehmen, Archäologen, Bergbaubeschäftigte, ein Unternehmensberater und Rentner, die zukunftsorientiert denken und sich mit ihrem Heimatdorf identifizieren.

Wie waren die Reaktionen von außen?

Beifall klatscht niemand in den Behörden. Weil Schreibtischleute von sonstwoher, die bislang gar nicht wussten, wo Terpe auf der Landkarte zu finden ist, bei uns als Berater nicht mehr gefragt sind. Wir finden unsere Lösungen zum Nutzen aller selbst.

Was umfasst Ihr Geschäftsspektrum?

Unsere Aufgaben reichen von der Förderung des Erwerbs und der Wirtschaft der Mitglieder durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb bis hin zur Entwicklung des Dorflebens und zur Vermarktung erzeugter landwirtschaftlicher Produkte. Im Fokus haben wir auch das Lausitzer Seenland und die Förderung des wendischen Brauchtums und der Zweisprachigkeit. Also alles, was unser Dorf zu bieten hat.

Was zählt dazu im Einzelnen?

Eben alles. Beispielsweise übernimmt die Genossenschaft Aufgaben, die das ländliche Wohnen und Wirtschaften in Terpe attraktiv und lebenswert machen. Wir helfen älteren Dorfbewohnern mit Dienstleistungen für die Bewirtschaftung von Wald-, Wiesen- und Ackerflächen. Wir möchten alte Sorten Obst, Gemüse und Feldfrüchte anbauen und Produkte mit lebenswichtigen Inhaltsstoffen produzieren, so Honig, Eier, Äpfel, Gemüse, Getreide, Leinen, Kartoffeln, Fleisch und Wurst als gesunde Erzeugnisse vom Lande. Auch dem Tourismus wollen wir uns öffnen.

Die TBG e. G. hat ein HühnerMobil angeschafft. Was hat es damit auf sich?

223 Hühner und zwei „betreuende“ Hähne, die für Ordnung sorgen, haben in unserem HühnerMobil ein schönes Zuhause. In einem benachbarten Stall haben zudem drei Ziegen Unterkunft bezogen. Die Böcke schützen die Hühner, wenn sie im Freien sind, von „Angriffen aus der Luft“, also vor Habichten, Falken und Rotmilanen.

Welche Vorteile hat das HühnerMobil?

Die Legehennenhaltung im Stall funktioniert nicht mehr. Die Hühner brauchen Auslauf und Sauberkeit. Diese erhalten sie durch die Fahrbarkeit des Mobils: Dadurch bleiben sie im ständigen grünen Auslauf. Was die Hühner dort wegfressen, wächst in acht Wochen wieder nach. Ob Obstwiese, ob Kleegras – das regelmäßige Umsetzen des HühnerMobils sichert eine konstante Futterqualität. Die Flächen dazu haben wir in Terpe: unbewirtschaftete Kleinflächen, bewirtschaftetes Acker- und Weideland, aber auch gepachtete Flächen – immer mit dem Ziel der Nachhaltigkeit, Artgerechtigkeit und ökologischen Bewirtschaftung. Für unsere Hühner ideal in und um Terpe!

Können Sie sich vorstellen, dass damit auch Touristen angelockt werden?

Natürlich! Vor allem Radwanderer fahren vom Frühjahr bis zum Herbst jeden Tag durch unser Dorf. Da dürfte sich unsere neue Errungenschaft schnell herumsprechen. Damit wird gleichzeitig der Verkauf und die Vermarktung unserer Produkte angekurbelt. Zumal wir uns auch eine Raststätte mit integrierter Gastronomie für Touristen im Dorf vorstellen können.

Von wem versprechen Sie sich Unterstützung bei Ihren Vorhaben?

Von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Spree-Neiße, von der Euroregion Spree-Neiße-Bober, als Spremberger Ortsteil auch von der ASG GmbH (Altstadtsanierungsgesellschaft) und wenn es uns gelingt, wieder eine Domowina-Ortsgruppe zu gründen, auch von der Domowina.

Detaillierte Informationen zur Terp’schen Bürgergenossenschaft e. G. können über Hans-Joachim Klammer, Tel. 0152 22833729 erfragt werden – oder über www.terpe-bg.de

Hans-Joachim Klammer
Hans-Joachim Klammer © Foto: Jost Schmidtchen

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