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„Glücklich, wenn andere es sind“

Angelika Schernikowski hat mit Ende 50 noch mal die Schulbank gedrückt, eine Ausbildung zur Pflegehelferin absolviert. Nun geht sie in den Ruhestand.

Ein letztes Bild unter Kollegen: Annett Schön, Angelika Schernikowski, Mandy Jahndel und Sabine Dwarsuk (v.l.n.r.) blicken auf ein schönes, gemeinsames Berufsleben zurück, dass für Angelika Schernikowski zumindest hauptberuflich endet.
Ein letztes Bild unter Kollegen: Annett Schön, Angelika Schernikowski, Mandy Jahndel und Sabine Dwarsuk (v.l.n.r.) blicken auf ein schönes, gemeinsames Berufsleben zurück, dass für Angelika Schernikowski zumindest hauptberuflich endet. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Burg. Es duftet nach frischen Blumen. Auf dem Tisch liegt gleich neben dem Computer von Pflegedienstleiterin Mandy Jahndel ein Prachtexemplar von grüner Gurke. Die Frucht bringt 1,6 Kilogramm auf die Waage und misst stattliche 40 cm. Frisches Obst und Gemüse steht in der Seniorenwohnanlage Herbstsonne auf der Tagesordnung. Wenn die Jahreszeit es hergibt, stammen die Früchte oftmals von Angelika Schernikowski.

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Die Mitarbeiterin wohnt nur einen Katzensprung entfernt. Ihr hauseigener Garten und die Wohnanlage trennt nur ein Zaun. Die unmittelbare Nachbarschaft bringt noch mehr Vorteile: kurzer Arbeitsweg, schnelle Verfügbarkeit und Hilfeleistung in Notfällen. So war es für Angelika Schernikowski 2019 auch selbstverständlich, kurzfristig zu ihrer Arbeitsstelle zu eilen, als der Alarm ertönte. Zum Glück war das Ganze nur eine Übung. Aber eine wichtige Schulung, um in Gefahrensituationen korrekt und umsichtig handeln zu können.

Der späte Entschluss

Angelika Schernikowski wird nicht selten die gute Seele in der Herbstsonne genannt. Die 64-Jährige wohnt seit 35 Jahren in Burg. Ihre Entscheidung in der Pflege arbeiten zu wollen, fiel aber relativ spät. Hatte sie doch bereits ein Alter erreicht, in dem sich nur noch wenige Menschen zu solch einer gravierenden Veränderung im Berufsleben entscheiden. Bevor sie vor drei Jahren in der Seniorenwohnlage Herbstsonne zu arbeiten begann, drückte sie mit Ende 50 noch einmal die Schulbank und absolvierte eine Ausbildung zur Pflegehelferin.

„Ich wollte nicht vom Staat abhängig sein. Zudem brauchte ich auch weiterhin eine sinnvolle Aufgabe. Ich kann nicht nur zu Hause rumsitzen“, erklärt die gelernte Wirtschaftskauffrau. Der Umgang mit Menschen und ihnen im Alltag professionell helfen zu können, ist für die 64-Jährige zu einem Traumberuf geworden, der jedoch nun endet.

Mit Abschluss des Monats Juli endet das Berufsleben von Angelika Schernikowski. Ihr letzter Arbeitstag ist dabei von einem lachenden und einem weinenden Auge begleitet. Die Arbeit in der Seniorenwohnanlage habe sie noch einmal richtig aufblühen lassen. Wer das Alter von Angelika Schernikowski nicht kennt, mag wohl auch kaum glauben, dass sie schon fast Mitte 60 ist.

Einarbeitung vor dem Ruhestand

Pflegedienstleiterin Mandy Jahndel, Firmenchef Karsten Rudolph und die anderen Kollegen sowie Bewohner und deren Angehörige schätzen das Engagement und die Umgangsweise „ihrer“ Angelika sehr. „Sie ist sehr empathisch, das ist eine Grundvoraussetzung für diesen verantwortungsvollen Job. Zudem hat sie auch sehr viel Geduld, ist liebevoll, hat stets ein offenes Ohr für andere, ist zuverlässig und wird von allen sehr geschätzt. Wir werden sie vermissen“, meint Mandy Jahndel, die aber auch sehr froh darüber ist, eine Nachfolgerin gefunden zu haben. In Zeiten von Nachwuchsmangel, besonders in Pflegeberufen, ist das dato wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Angelika Schernikowski hat die neue Kollegin intensiv eingearbeitet, bevor sie sich in den Ruhestand verabschiedet hat. Obwohl es keine endgültige Sache ist. Denn wer die Frau aus Burg näher kennt, weiß, dass Müßiggang auch weiterhin ein Fremdwort für sie sein wird. Daran wird sich auch nach 45 Arbeitsjahren erst einmal nichts ändern.

Denn Angelika Schernikowsi hat sich entschieden, bei Bedarf die Seniorenwohnanlage zu unterstützen und ihren ehemaligen Kollegen vor allem bei Feierlichkeiten hilfreich zur Seite zu stehen. Und dann warten ja auch noch ihre Familie und Enkelkinder, die sich sehr darauf freuen, mehr Zeit mit Oma Angelika verbringen zu können. Auch eine Traumreise nach Italien steht zu gegebener Zeit auf der Liste. Aber jetzt heißt es erst einmal: Zurücklehnen und im Ruhestand ankommen – wenigstens für einen Moment. Denn ihrem Lebensmotto „Ich bin glücklich, wenn andere glücklich sind“, bleibt Angelika Schernikowski treu und hilft gerne dabei.

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