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Gottvertrauen in schwierigen Zeiten bewahren

Seit 100 Jahren besteht die Evangelische Kirchengemeinde Laubusch als eigenständige Kirchengemeinde.

Die Evangelische Kirchengemeinde Laubusch durchlebt schwierige Zeiten. Pfarrer Gerd Simmank, seit 1986 vor Ort Gemeindepfarrer, sieht dennoch Zeichen neuer Hoffnung.
Die Evangelische Kirchengemeinde Laubusch durchlebt schwierige Zeiten. Pfarrer Gerd Simmank, seit 1986 vor Ort Gemeindepfarrer, sieht dennoch Zeichen neuer Hoffnung. © Foto: Andreas Kirschke

Laubusch. Die Worte „Friede sei mit euch“ stehen über dem Haupteingang der Laubuscher Barbarakirche. „Das Motiv darüber ist das Tympanon. Es erzählt die Geschichte vom Ort Laubusch und der Braunkohlen-Grube Erika“, sagt Gerd Simmank, seit 1986 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Laubusch. „Links vom thronenden Christus kniet das sorbische Bauernpaar. Rechts von Christus kniet der Bergmann, der eine Sorbin geheiratet hat. Rund um die Eingangstür sind immer wieder Erika-Töpfe und Erika-Blumen in die Ilsekeramik eingearbeitet. Sie deuten auf die frühere Braunkohlen-Grube Erika hin.“

Am 3. Mai 1915 hatte die Ilse Bergbau AG vor Ort die Genehmigung zur Ansiedlung erhalten. 1918 errichtete sie das erste Haus. Daraufhin entstand eine große Bergarbeiter-Gemeinde mit 4.200 Einwohnern. Sie sollte das nur zwei Kilometer entfernt liegende Dorf Laubusch, das dem Bergbau weichen musste, ersetzen. Der neue Ort hieß fortan „Grube Erika“. „3.800 Einwohner waren evangelisch, 400 katholisch“, sagt Gerd Simmank.

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Verlust der Einwohner

Zunächst gab es für die evangelischen Christen nur eine Notkirche – eingeweiht vor über hundert Jahren am 13. Januar 1921. Sie war eine lange Baracke mit kleinem Glockenturm auf dem Dach und Orgel. Erster Pfarrer vor Ort war August Goldmann. 1932 bekam die Gemeinde ein Pfarrhaus. 1936 bis 1938 entstand die heutige Barbarakirche. „Sie gehörte wie das Pfarrhaus der Ilse Bergbau AG“, sagt Gerd Simmank. Die Laubuscher Kirchengemeinde war lediglich der Nutzer. Insgesamt 280.000 Reichsmark wurden für die Kirche verbaut. Innen prägt der neubarocke Stil die Kirche. Die Weihe 1938 war ein mutiger Schritt. Pfarrer Herbert Unfug (später Sander) setzte sich dafür ein. „Er hat viel bewirkt. Das wird oft verkannt“, sagt Gerd Simmank. „Bis ins hohe Alter feierte er noch Gottesdienste mit der Gemeinde.“

Diese zählte in besten Zeiten in den 1950er Jahren 3.800 Gemeindeglieder. Bei Gerd Simmanks Ankunft 1986 in Laubusch waren es 416. Heute sind es noch 110. Die meisten sind über 70 Jahre alt. Seit Ende der Brikettfabrik 1993 verlor der Ort massiv Einwohner. Viel Leerstand prägt heute den Ort. Viele Wohnungen in der Gartenstadt wurden bereits abgerissen. Seit der Wende verlor der Ort Laubusch 75 Prozent seiner Bevölkerung. Darunter leidet auch das Leben der Kirchengemeinde. „Wir erhalten es aufrecht. Es sind schwierige Zeiten“, sagt der Pfarrer nachdenklich. Dennoch, zumindest jeden Monat findet für die Senioren ein Gemeinde-Nachmittag statt. Wöchentlich trifft sich der Kirchenchor. Stützen kann sich der Pfarrer auf den fünfköpfigen Gemeindekirchenrat. Zu ihm gehören Gisela Klonz (Schwarzkollm), Monika Rosenthal (Hoyerswerda), Katrin Strecker (Lauta), Peter Schalck (Geierswalde) und Monika Simmank (Hosena). „Es sind alles ehemalige Laubuscher, die der Gemeinde treu bleiben. Sie wollen sich weiterhin engagieren“, sagt der Pfarrer dankbar.

Mit Grundschule kommt Hoffnung

Seine Frau Monika leitet die Grundschule in Laubusch. Diese zieht jetzt vom Ortsrand auf den Laubuscher Marktplatz nahe der Kirche ins modernisierte Gebäude der früheren Mittelschule. Die moderne Grundschule im Ortskern und der Zuzug junger Familien lassen den Pfarrer wieder hoffen für die Zukunft. „Auf den Abrissflächen der ehemaligen Wohnhäuser kann neu gebaut werden. So kann wieder Bewegung in den Ort kommen“, erzählt er. „Das ist auch gut für uns als Kirchengemeinde.“ Schüler der Grundschule können die Kirche gleich nebenan besichtigen und die Geschichte ergründen. „Vorstellbar ist, dass sie hier Andachten oder andere Anlässe feiern“, hofft Schulleiterin Monika Simmank. Ihr Mann findet die Kirche auch für Touristen interesant. Gerade die Barbarakirche hat eine bewegende Geschichte, die eng mit Bergbau verknüpft ist. Dort, so der Pfarrer, könnten künftig Führungen, Konzerte, Vorträge und Ausstellungen stattfinden.

Gleich gegenüber der Kirche stand das Pfarrhaus zehn Jahre lang leer. „Schweren Herzens mussten wir es 2019 verkaufen. Dank der 250.000 Euro Einnahmen konnten wir Bauvorhaben angehen und Rücklagen für schwierige Zeiten bilden“, sagt Gerd Simmank.

Nur die Gläubigen fehlen

Zentraler Ort der Gemeinde ist heute demnach nur noch die Barbarakirche. 1988 und 2008 wurde die Kirche saniert. 2008 folgte die komplette Restaurierung der Orgel. 2020 wurden die Sanitäranlagen erneuert. Die Kirche – mit Gemeinderaum, Küche, Sanitäranlagen, Büro, Sakristei, Archiv und zwei kleinen Räumen – ist jetzt in gutem Zustand. „Wir sind baulich und finanziell gut aufgestellt. Wir sind schuldenfrei, dafür sind wir sehr dankbar“, sagt der Pfarrer. „Was fehlt, sind Gemeindeglieder. Das legen wir in Gottes Hand. Meine Aufgabe ist es, die Lok am Dampfen zu halten.“

Bis heute, so unterstreicht Gerd Simmank, musste in der Barbarakirche noch kein Gottesdienst wegen zu weniger Besucher ausfallen. Zuversicht und Mut für die Zukunft gibt ihm vor allem das Bibel-Wort „Jesus Christus spricht: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20).

Der Festgottesdienst zum 100-Jahr-Jubiläum ist am 2. Oktober, um 14 Uhr.
Danach gibt es Kaffee und Kuchen. Eingeladen ist der gesamte Pfarrsprengel Bernsdorf. Die Festpredigt hält Friedhart Vogel, Superintendent im Ruhestand.

Gottesdienste in der Barbarakirche gibt es vierzehntägig.

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