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Große Worte leben von kleinen Schritten

Der Oratorienchor Hoyerswerda war an einem Gedenken für Jochen Klepper (1903-1942) beteiligt – es führte nach Polen.

Diese Gedenktafel für Jochen Klepper wurde am 25. September in seinem Geburtsort, im polnischen Bytom Odrzanski, dem ehemaligen Beuthen an der Oder enthüllt. Erich Busse (l.) und Johannes Leue waren an der Gestaltung eines Gottesdienstes in diesem Zusam
Diese Gedenktafel für Jochen Klepper wurde am 25. September in seinem Geburtsort, im polnischen Bytom Odrzanski, dem ehemaligen Beuthen an der Oder enthüllt. Erich Busse (l.) und Johannes Leue waren an der Gestaltung eines Gottesdienstes in diesem Zusam © Foto: Christine Neudeck

Von Christine Neudeck

Hoyerswerda/Bytom. Frieden, Völkerverständigung, Toleranz, Erhalt der Schöpfung – das sind große Worte, die uns alltäglich begegnen, oftmals werden sie auf allen gesellschaftlichen Ebenen wie Schlagworte benutzt. Um diese Worte aber mit Leben zu füllen, bedarf es vieler kleiner Schritte, die leider meist nur am Rande wahrgenommen werden.

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Ein wichtiges Zeichen war in diesem Zusammenhang die Enthüllung einer Gedenktafel für Jochen Klepper am 25. September 2021 im polnischen Bytom Odrzański, dem ehemaligen Beuthen an der Oder. Hier wurde Jochen Klepper 1903 geboren. Doch was hat das alles mit Hoyerswerda zu tun?

Da Jochen Klepper eine Vielzahl von Kirchenliedern zu verdanken ist, hat der umtriebige Hoyerswerdaer Kirchenmusiker Johannes Leue schon vor Jahren begonnen, Jochen Klepper zu Ehren ein Oratorium zu komponieren. Aber nicht nur die Lieder Kleppers haben ihn fasziniert, es war die Haltung eines sensiblen Christen im Nationalsozialismus, der immer wieder seine Entscheidungen hinterfragte, der in seinen Publikationen und Tagebüchern darauf hinwies, dass Christen einem Gott dienen sollten und nicht einem Staat. Weil die Kirche in Deutschland, mit wenigen Ausnahmen, blind wurde für das Leiden von Zigtausenden, weil sie Patriotismus und Vaterlandsliebe über das Gebot zur Nächstenliebe stellte, weil sie sich dem Wahnsinn Hitlers nicht in den Weg stellte. Diesem Wahnsinn fiel Klepper 1942 zum Opfer, als er in Berlin mit seiner Frau Hanni und der Stieftochter Renate den Freitod wählte, weil es keine Hoffnung gab, die beiden Frauen vor der Deportation zu bewahren. Sie waren konvertierte Juden.

Klepper studierte in Erlangen und Breslau evangelische Theologie, arbeitete beim Rundfunk und als freier Schriftsteller ab 1931 in Berlin. 1933 erschien sein Roman „Der Kahn der fröhlichen Leute“, 1938 „Der Vater“ – über den Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. und seinen Sohn Friedrich II. Der Erlös aus diesen Büchern sicherte ihm nach 1937 den Lebensunterhalt. Kleppers Denken und Fühlen ist in seinen Tagebüchern von 1932-1942 nachzulesen, die 1956 mit dem Titel „Unter dem Schatten deiner Flügel“ editiert wurden.

Nun ergab es sich, dass Erich Busse aus Dresden, der seit vielen Jahren Vorträge über das richtige Verstehen von Geschichte hält, und Johannes Leue sich in Hoyerswerda begegneten. Erich Busse wirkt seit langem an Aktivitäten zur Aussöhnung von Polen und Deutschen, von evangelischen und katholischen Christen mit. Er hatte in Bytom Odrzański mit den dortigen Kirchen und dem Ortschronisten das Anbringen der Gedenktafel in Bytom vorbereitet.

Den Gottesdienst in der katholischen Kirche gestalten die Generalsuperintendentin Theresa Rinecker aus Görlitz, katholische und evangelischen Theologen aus Wrocław, Szczecin und Zielona Gora. Es predigte der evangelische Pfarrer Erich Busse in polnischer Sprache. Im Sinne Kleppers wird ein Appell an Kirchen und Religionen gerichtet, nicht Waffen zu segnen, sondern Menschen, die Wege zum Frieden ohne Waffen suchen und gehen.

Johannes Leue gestaltete mit den Liedern von Jochen Klepper und dem Oratorienchor Hoyerswerda eine stimmige Vervollkommnung durch die Musik – Musik für diesen Tag, der ökumenischer nicht hätte sein können.

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