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Großes Geleit auf dem letzten Weg

Vermutlich 1958 fand eine Doppel-Beerdigung mit offiziellen Ehren statt. Es gibt Fotos, aber auch Informationen?

Zwei Bilder aus der Foto-Serie zeigen den Trauerzug vom Hoyerswerdaer Rathaus vermutlich zum Friedhof. Einer der Särge wurde von Zimmerleuten flankiert.
Zwei Bilder aus der Foto-Serie zeigen den Trauerzug vom Hoyerswerdaer Rathaus vermutlich zum Friedhof. Einer der Särge wurde von Zimmerleuten flankiert. © Quelle: Sammlung Kolar

Hoyerswerda. Das Stadtmuseum Hoyerswerda hat einen großen Fundus an Bildern und Fotografien aus der jüngeren Geschichte der Stadt. Seit Anfang des Jahres drucken wir nun jeden Montag eine Auswahl davon, entweder aus einer bestimmten Dekade oder eben zu einem gewissen Thema. Und offensichtlich haben wir damit den Nerv etlicher Leser getroffen, wie uns die durchweg positiven Reaktionen zeigen. Nicht zuletzt finden sich zu einzelnen Aufnahmen auch Zeitzeugen, oder Erinnerungen werden wach, die erzählt werden wollen.

Rudolf Kolar geht es genau anders. Er hat Fotos in seinem Besitz, zu denen er nichts erzählen kann, von denen er aber gern wüsste, was sie zeigen. Es sind 14 Bilder von einem Trauerzug, der offenbar auf dem Markt in Hoyerswerda seinen Anfang nahm. Und es war kein normales Begräbnis. Denn die beiden Toten sind in Särgen auf je einem Lkw platziert. Sie werden auf dem Weg zum Friedhof sowohl von Uniformierten (Kampftruppen?) und Zimmerleuten flankiert, dazu rote Fahnen, als Vorausfahrzeug ein IFA P2M, im Tross dahinter Limousinen, darunter auch EMW. Rudolf Kolar ist bekannt, dass die Aufnahmen ein damaliger Werksfotograf von Schwarze Pumpe angefertigt hat. Seine Nachforschungen haben ihn bislang nicht weitergeführt – wer waren die Toten, dass sie mit solchen Ehren auf ihrem letzten Weg begleitet wurden? Oder waren sie Opfer eines Unglücks, einer Tragödie? Stehen sie im Zusammenhang mit dem Aufbau des Gaskombinats Schwarze Pumpe, dem Aufbau der Neustadt? Bestattet wurden die beiden Toten höchstwahrscheinlich auf dem städtischen Friedhof, der sich zu der Zeit noch im Bereich des heutigen King-Haus-Parks befand.

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Zeitlich einzugrenzen sind die Aufnahmen auf die Zeit vor 1961, da die Ruinen auf der Südseite des Marktes noch stehen, der Bau des Kaufhauses und der dann integrierten Bibliothek noch nicht begonnen hat. Angesichts der Bekleidung der Passanten scheint es trotz der Uhrzeit von 10.30 Uhr zwar warm, aber noch nicht Sommer gewesen zu sein. Und das Banner am Rathaus „Ja zum Volksentscheid für atomwaffenfreie Zone“ deutet auf das Jahr 1958 hin. Denn am 22. Januar 1958 schlug DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl einen Volksentscheid in beiden deutschen Staaten über die Einbeziehung in eine atomwaffenfreie Zone vor. Also könnte die Aufnahme aus dem Frühjahr 1958 stammen, freilich basiert dies nur auf den geschilderten Beobachtungen und daraus resultierenden Ableitungen.

Also: Wer kann helfen? Wer kann diese offenen Fragen klären und/oder war vielleicht damals sogar selbst dabei? Wir würden uns über eine Rückmeldung freuen.

[email protected]

© Quelle: Sammlung Kolar

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