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Grünes Klassenzimmer und dunkles Damoklesschwert

Im Haus der Begegnungen entsteht ein neuer Unterrichtsraum im Garten, auch wenn das Schicksal des alten Hauses besiegelt scheint.

Kerstin Bähr (links) organisiert auch Kräuterführungen im Tafelgarten. Derzeit entsteht ein neues, grünes Klassenzimmer. Das freut auch Einrichtungsleiterin Madlen Krenz. (rechts)
Kerstin Bähr (links) organisiert auch Kräuterführungen im Tafelgarten. Derzeit entsteht ein neues, grünes Klassenzimmer. Das freut auch Einrichtungsleiterin Madlen Krenz. (rechts) © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Bis zu fünf Zentimeter lang, knalliges, leuchtendes Grün und kleine, schwarze Punkte. Hässlich sind die Raupen des Buchsbaumzünslers nicht. Aber auch nicht ganz ungefährlich. Können doch die kleinen Tierchen großen Schaden anrichten. Expertin Kerstin Bähr weiß um die Gefährlichkeit des Buchsbaumzünslers, dessen Raupen sich durch Buchsbäume fressen und das Laub sowie die Rinde massiv beschädigen. Helle Flecken auf Blättern und weiße Gespinste, deren Aussehen im ersten Moment an dicke Spinnennetze erinnert, sind Anzeichen für einen Befall.

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Weil Kerstin Bähr aber kein Freund von chemischer Behandlung ist, sammelt die Mitarbeiterin des Vereins „Vereinbarkeit von Beruf und Familien fördern in Sachsen“ (vbff) schon seit mehreren Jahren die schädlichen Raupen in akribischer Kleinarbeit von den befallenen Gewächsen.

Freilich wachsen hier nicht nur Buchsbäume. Der Tafelgarten im Haus der Begegnungen kann sich, angesichts der großen Vielfalt, wahrlich sehen lassen. Blumen in knalligen Farben, verschiedene Gemüsesorten, Obstgewächse und zahlreiche Kräuter wachsen und gedeihen in gepflegt aussehenden Beeten. Die jeweilige Ernte wandert in die hauseigene Küche und kommt Tafelkunden sowie der Suppenküche zugute. Jeden Tag wird hier frisch gekocht. Kleinere, optische Akzente geben der grünen Oase im Außengelände das gewisse Etwas. So zeigen selbstgemachte mit viel Liebe zum Detail angefertigte Hinweisschilder, wo welche Bereiche zu finden sind. In einem Insektenhotel und auf einer neu angelegten Schmetterlingswiese finden Tiere ein Zuhause auf Zeit. Auf dem Pfad der Sinne können Motorik, Tast- und Hörsinn sowie Entdeckergeist geschult werden. Wer mag, der kann auch als Besucher an Kräuterführungen teilnehmen.

Sanierung ist zu teuer

Im Hintergrund entsteht zudem derzeit ein neues Gebäude. Die Idee dazu reifte, als die Vbff-Vorstandsvorsitzende Ilka Kerber sich von ihrer halbkreisförmigen Poolabdeckung im privaten Garten getrennt hatte. Das große Dach war noch gut in Schuss und deshalb viel zu schade zum Wegwerfen. Und weil man als Verein nicht selten kreativ werden muss, entstand im Haus der Begegnungen die Idee, ein neues, grünes Klassenzimmer zu schaffen. Das Pool-Dach war der Anfang. Gesagt, getan. Seit ein paar Wochen wird fleißig gewerkelt, damit der Unterricht in der freien Natur bald starten kann. Vor ein paar Tagen fehlten noch ein paar Gehwegplatten für den Boden. Ein Hilfeaufruf im sozialen Netzwerk Facebook brachte leider nicht den erwünschten Erfolg. Und so wurde der Verein wieder kreativ und suchte nach einer anderen Lösung und wurde fündig. Die Tochter von Einrichtungsleiterin Madlen Krenz erneuert gerade ihren Garten und sponserte deshalb gern nicht mehr gebrauchte Wegplatten.

Erste Unterrichtsstunden für Kitakinder und Schüler sollen in naher Zukunft starten. Mit Beginn der nächsten Frühlingssaison sind Projekte unter dem Thema „Von der Aussaat bis zur Ernte“ geplant. Die Ideen reichen weiter bis zur Gestaltung von schulischen Ganztagsangeboten, die Schaffung eines Streichelzoos und der Bau von Igelbehausungen.

Was jedoch immer noch wie ein Damoklesschwert über dem Haus der Begegnungen schwebt, ist die Suche nach einem neuen Vereinsgebäude. Der geplante Umzug in ein anderes Gebäude ist wie eine Seifenblase geplatzt, berichtet Madlen Krenz. In Gesprächen dazu habe Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh seine Bereitschaft signalisiert, dem Vbff Unterstützung zu geben. Fakt ist: Die Investitionssumme zur Instandsetzung des bisherigen Domizils in der Ulrich-von-Hutten-Straße 31 würde viel zu groß sein und sich nicht mehr lohnen. Das sanierungsbedürftige Haus wurde zu DDR-Zeiten als Kindereinrichtung genutzt, hat unter anderem ein defektes Dach, durch das es reinregnet. „Wir halten hier die Stellung und machen das Beste aus der Situation. Wir kämpfen weiter und hoffen, dass sich bald eine Lösung für uns finden wird“, so Madlen Krenz.

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