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Gute Jugendarbeit gelingt nur gemeinsam

Bischof Dr. Christian Stäblein war in der Johanneskirche zu Gast zu einer Podiumsdiskussion.

Podiumsdiskussion in der Johanneskirche: Im Bild zu sehen sind (v. l.) Jan Koark, Lydia Renz, Bischof Dr. Christian Stäblein und Leon Eckelmann.
Podiumsdiskussion in der Johanneskirche: Im Bild zu sehen sind (v. l.) Jan Koark, Lydia Renz, Bischof Dr. Christian Stäblein und Leon Eckelmann. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Kirche - ohne uns?! hat die Junge Gemeinde Hoyerswerda am Freitag in ihrer Podiumsdiskussion in der Johanneskirche gefragt, denn den sieben Mitgliedern macht die ständig wachsende Anzahl der Kirchenaustritte Sorgen. Mit dem Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO) Dr. Christian Stäblein, der Mitarbeiterin des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) Schlesische Oberlausitz Lydia Renz und Zuhörern aus der Region sind in einem lebhaften Gespräch Lösungsansätze entwickelt worden.

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Die Junge Gemeinde Hoyerswerda will Konfirmanden für ein modernes christliches Leben begeistern, bei dem die Freude am Zusammensein nicht zu kurz kommt, sagt der Abiturient Jan Koark, ein Mitglied der Gruppe. Das sei schwierig, denn von nur zehn konfirmierten Jugendlichen der Johanneskirchengemeinde im Jahr 2021 ist bisher keiner in die Junge Gemeinde gekommen. Dr. Christian Stäblein empfiehlt den Mitgliedern, ihren Altersgenossen das zu zeigen, was sie selbst gut und gern leben. Das kann ein Fußballspiel sein oder die Verbreitung der christlichen Botschaft über Social Media-Kanäle. Digitale Möglichkeiten schaffen eine Gemeinschaft mit Menschen, die sich gerade nicht sehen können, sagt der Bischof mit Blick auf die Corona-Pandemie. Der Student Leon Eckelmann, der die Podiumsdiskussion leitet, spricht von der Instagram-Präsenz der Jungen Gemeinde, die 3.000 Follower hat. Lydia Renz meint dazu: Dieser Weg kann persönliche Treffen nicht ersetzen und erzählt von dem Lebenshaus, das sie jetzt in der EVJU Schwarzkollm aufbaut. Die Jugend soll dort den christlichen Glauben im Alltag erleben, denn viele junge Leute können solche Erfahrungen selten machen.

Dr. Christian Stäblein spricht von einer Jugend, die seit Jahrzehnten auch über ihre Familien immer weniger Kontakte zu Kirchgemeinden pflegen. Gegensteuern lässt sich nur, wenn das Gemeindeleben für Jugendliche attraktiv ist und sie dort Gott nahe sein können. „Die Jugend artikuliert heute, wie sie leben will, und darüber ist ein Dialog zu führen“, sagt der Bischof. Lydia Renz ergänzt, dass die jungen Leute einen lebendigen Gott erleben sollen und dazu brauchen sie in den Gemeinden einen Gestaltungs- und Beteiligungsraum.

„Inwiefern erleidet die Kirche durch die Austritte der Menschen einen Bedeutungsverlust in der Gesellschaft?“, schneidet Leon Eckelmann ein anderes Thema an. Durch die Säkularisierung ist dieser in breiter Form angekommen, sagt Dr. Christian Stäblein. Die Stimme des expliziten Glaubens spielt besonders in den bundesweiten Medien nur eine geringe Rolle. In den Kirchenkreisen und Städten ist die kirchliche Präsenz größer, wenn es um die Gestaltung des alltäglichen Lebens geht.

Unter den Zuhörern waren Simon Lattke von der Malteser Jugend Hoyerswerda und Vertreter Junger Gemeinden aus Görlitz sowie Spremberg. All diese Anwesenden haben den Veranstaltern eine Zusammenarbeit angeboten, die Leon Eckelmann gern angenommen hat. Dr. Christian Stäblein sagt dazu: Kooperationen helfen, neue Geldflüsse für Projekte zu generieren.

Der zu der Jungen Gemeinde Hoyerswerda gehörende Student Karl-Christian Koch spricht an, dass zurzeit niemand die Gruppe inhaltlich anleitet. Hier lautet die Antwort des Bischofs: „Das geht nur mit ein paar Seniorenbesuchen weniger und etwas mehr Jugendarbeit, denn Geldvermehrung gibt es nicht.“ Alt und jung müssen in den Kirchgemeinden einen gemeinsamen Weg finden, denn die Jugend wird die Gemeinde später leiten.

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