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Hässliche Bemerkungen nach Knappensee-Tsunami

Experten machten sich am Freitag von zwei Booten aus ein Bild von der Lage im Rutschungsgebiet.

Aus dieser Perspektive blickt man direkt in den Rutschungskessel am Ostufer des Knappensees. Im Hintergrund ist die Energiefabrik Knappenrode zu sehen.
Aus dieser Perspektive blickt man direkt in den Rutschungskessel am Ostufer des Knappensees. Im Hintergrund ist die Energiefabrik Knappenrode zu sehen. © Foto: Gernot Menzel

Knappensee. Die Nacht, nachdem am Donnerstag ein großes Stück Ostufer in den Knappensee gerutscht ist und eine zerstörerische Welle ausgelöst hat, verbrachte Familie Gläßer in ihrem Bungalow in Groß Särchen. Der hatte der anbrandenden Welle standgehalten. Von einem Elektriker war die Stromversorgung wiederhergestellt worden.

Ein Gutachter hat das Zuhause der Familie, die am unmittelbarsten vom Knappensee-Tsunami betroffen ist, für sicher erklärt. „Aber der komplette Fußboden muss raus“, ärgert sich Marlen Gläser, die sich gestern sehr emotional auf Facebook zu Wort gemeldet hat. „Ein Ereignis, mit dem nach sieben Jahren bergbautechnischer Sanierung am Knappensee keiner mehr gerechnet hat, traf uns und unsere Nachbarn gestern mit aller Wucht persönlich. Durch eine Rutschung wurde eine gewaltige Flutwelle ausgelöst, welche mit zwei Meter Höhe an unserem Bungalow einschlug. Unsere Wände und Fenster haben gehalten, die unseres Nachbarn leider nicht. Unsere Tochter sah die Welle vom Gartentor aus kommen und rettete sich in unsere Küche, während ich dem Wasser durch das Fenster «ins Auge» schaute“, ließ sie die Ereignisse des Vortages noch mal Revue passieren.

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Und sie dachte bei alledem nicht nur an sich und ihre Familie: „Gott sei Dank war unser Nachbar nicht zu Hause, denn da marschierte die Welle durch den Bungalow. Wir sind froh, dass niemand zu dem Zeitpunkt spazieren war, es keine Toten gab und auch die Bauarbeiter heil aus der Gefahr herausgekommen sind. Nun heißt es weiter Aufräumen und Schäden beseitigen. Ich hätte mal nie gedacht, dass ich Knappensee-Wasser aus dem Haus wischen muss! Es sind ein paar Meter bis zum See.“

Während Gläßers mit dem Aufräumen auf ihrem direkt an der Ufer-Promenade gelegenen Grundstück beschäftigt sind, geben sich Schaulustige, die einen Blick auf die Rutschung und die Schäden werfen wollen, die Klinke in die Hand. Ans Zugreifen denkt keiner, stattdessen gibt es Bemerkungen nach dem Motto: „Wir sollen doch alles so liegenlassen. Die Leute wollen schließlich was zu sehen bekommen“, schildert Marlen Gläßer und fügt hinzu. „Wir fühlen uns wie Affen im Zoo.“

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Derweil waren gestern zwei mit Experten besetzte Boote im Bereich des Rutschungsgebietes zu sehen, dort, wo tags zuvor bis zur Rutschung zwei Schwimmbagger im Einsatz gewesen sind. Diese hatten die Aufgabe, den Gewässergrund auf die Rütteldruckverdichtung vorzubereiten, die eigentlich in rund zwei Wochen beginnen sollte. Daraus wird nichts. „Die Ursachen, die räumlichen Ausmaße und die genauen Schäden auf beiden Uferseiten werden nun durch einen Sachverständigen für Geotechnik untersucht“, hatte das Sächsische Oberbergamt bereits am Donnerstag angekündigt. „In den kommenden Wochen werden Lotungen und Befliegungen dabei unterstützen, dieses Ereignis einzuschätzen.“

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