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Handys und Apps in Kinderhänden

Kinder wachsen zunehmend mit Smartphones auf. Der geregelte Umgang damit ist wichtig. Die Verbraucherberater helfen.

Angelika Große von der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Sachsen
Angelika Große von der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Sachsen © Archivfoto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Die Verbraucherzentrale Sachsen veranstaltet derzeit eine Vortragsreihe mit dem Titel „Digitale Kompetenzen stärken“. Eine Veranstaltung hat sich mit dem Thema Spiele-Apps für Kinder beschäftigt. Die Referentin Angelika Große von der Beratungsstelle in Hoyerswerda informiert zu Themen, wie der Spieleauswahl, der Datensicherheit und kindergerechten Inhalten.

Mobile Endgeräte, wie Smartphones und Tablets, sind ein wichtiger Teil des Alltages geworden. Neben all den nützlichen Funktionen und Hilfen wird auch die Freizeit oft am Handy verbracht – von Kindern und Erwachsenen. Aber der Konsum sollte geregelt sein. Hilfreich kann dabei eine „Vereinbarung der Eltern mit den Kindern über die maximale Nutzungszeit täglich sein.“ Angelika Große empfiehlt einen Vertrag, der festhält, welche Apps wie lange genutzt werden dürfen. Nützlich ist dabei die Seite www.mediennutzungsvertrag.de. Dort können aus einer ganzen Reihe von Vorlagen Regeln gewählt und individuell zusammengestellt und angepasst werden. Zum Beispiel: „Ich achte mit darauf, dass ich die verabredeten Bildschirmzeiten einhalte.“ Oder auch „Ich überlege gemeinsam mit meinem Kind, in welchen Situationen die Handynutzung unhöflich ist. Zudem prüfe ich regelmäßig, ob ich mich selbst entsprechend verhalte.“ Bereits mit 6-Jährigen können Regeln aufgestellt werden, die dann sukzessive dem Alter angepasst werden. Damit kann eine handfeste Abmachung getroffen werden. Allerdings gilt zu beachten, dass besonders die Nutzungszeiten Richtwerte darstellen und ein ausgewogener Tagesablauf im Vordergrund stehen sollte.

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Bekanntermaßen bringen Verbote und Banne wenig. Aber das heißt nun nicht, dass Eltern keinen Einfluss haben. Es ist zunächst wichtig, auch das eigene Verhalten zu hinterfragen und ein Vorbild für das Kind zu sein. Weiterhin sollte immer das Gespräch gesucht werden, um Bedürfnisse und Interessen zu erkennen. Darauf aufbauend können „Familienaktivitäten unter Einbeziehung der Kinder organisiert werden“, schlägt Angelika Große vor. Vielleicht lassen Spiele-Apps auch eine Übersetzung in die analoge Welt zu und eine Alternative kann geschaffen werden. Bestenfalls lässt sich die Freizeit in beiden Bereichen gestalten: digital und analog.

Verschiedene Apps bieten auch die Möglichkeit, die Nutzung von Smartphones zu beschränken. Da kann es zum einen um eine Zeitbegrenzung gehen, Internetfilter oder die Sperre von Funktionen. Beispiele in diesem Bereich sind die Apps TimeLimit.io, Kids Zone oder auch die Salfeld Kindersicherung. Letztere bietet zum Beispiel an, dass die Gerätelaufzeit beschränkt wird, ein Webfilter aktiviert werden kann und ebenso ist eine Protokollfunktion enthalten.

Der Markt ist ständig in Bewegung und laufend werden neue Apps veröffentlicht. Trends ändern sich schnell und das bildet sich dementsprechend ab. Um kinderfreundliche Inhalte zu erkennen, können Eltern verschiedene Datenbanken nutzen, die bei der Auswahl unterstützen und diese erleichtern können. Unter www.datenbank-apps-für-Kinder.de ist ein Katalog zu finden, in dem Apps nach bestimmten Kriterien von medienpädagogisch ausgebildeten RezensentInnen bewertet worden sind. Eine Suchmaske erlaubt nach Zielgruppe, Genre und Themen zu filtern.

Noch bevor eine App installiert wird, stellt sich meist die Frage, ob der Nutzer gewillt ist, dafür zu zahlen. Kostenfreie und kostenpflichtige Apps stehen bereit. „Kostenfreie Apps enthalten häufig In-App-Käufe, während dies bei kostenpflichtigen Apps nicht so oft vorkommt“, so die Einschätzung von Angelika Große. Damit Kinder nicht doch versehentlich etwas kaufen und Ausgaben tätigen, sollten in den Einstellungen des Smartphones In-App-Käufe deaktiviert werden. Denn „Kinder haben keine Relation, was teuer oder günstig ist“, schätzt Angelika Große ein. Meist wenden sich Verbraucher erst an die Beratungsstelle, wenn Kinder schon Ausgaben getätigt haben und es in einer Abrechnung auffällt. Wenn keine Zahlungsdaten hinterlegt sind, dann wird die Hürde noch erhöht. Ein weiterer Tipp: Offline spielen. Dann kann keine Interaktion zustande kommen.

In diesem Zusammenhang spielt auch das Thema Datenschutz eine Rolle, denn heute sind Daten eine viel bedeutendere Währung als Geld. Doch Angelika Große gibt zu Bedenken, dass „die Brisanz des Themas oft nicht bewusst ist.“ Der sensible Umgang muss bei Erwachsenen und noch mehr bei Kindern geschult werden. Es ist auch interessant, sich darüber zu informieren, welche Daten eine App im Hintergrund abruft.

Die mobilen Endgeräte sind nicht mit herkömmlichem Spielzeug zu vergleichen. Denn mit den wachsenden Möglichkeiten eines Smartphones muss sich ständig neu auseinandergesetzt werden.

Einige Ratschläge möchte Angelika Große den Eltern noch mit auf den Weg geben: regelmäßig die Einstellungen kontrollieren, Spiele auch selbst testen und mit Kindern darüber im Gespräch bleiben.

Weitere Links

Folgende Websites bieten Eltern weiterführende Informationen:
www.datenbank-apps-für-kinder.de
www.mobilsicher.de
www.internet-abc.dewww.schau-hin.info
www.klick-tipps.net
www.mediennutzungsvertrag.de

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