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Harte Regeln an der Landesgrenze

Warum ein Blunoer mit einem brandenburgischen Fischereischein im Geierswalder See nicht angeln darf.

Der Geierswalder See wurde am 8. Juli dieses Jahres für die fischereiliche Nutzung und damit auch für das Angeln freigegeben.
Der Geierswalder See wurde am 8. Juli dieses Jahres für die fischereiliche Nutzung und damit auch für das Angeln freigegeben. © Foto/Montage: Uwe Schulz/Franka Schuhmann

Lausitzer Seenland. Schon als Heranwachsender besaß der heute 67-jährige Roland Kalauka aus Bluno einen Angelausweis, der ihm das Angeln auf Friedfische erlaubte. 1964, das weiß er noch genau, wurde ihm die Genehmigung zum Angeln auf Raubfische erteilt. Beide Dokumente sind nach der Wende verloren gegangen. Allerdings blieb Roland Kalauka vorläufig auch keine Zeit mehr für sein Hobby, nachdem er sich 1990 als Elektriker selbstständig gemacht hatte. 

Diese Zeit hat er nun aber, denn inzwischen ist er im Ruhestand. Und weil sich das von Bluno aus gesehen nächstgelegene Angelgewässer nur drei Kilometer entfernt in Haidemühl im Brandenburgischen befindet, hat er sich 2017 aus praktischen Erwägungen heraus für die Mitgliedschaft in der Ortsgruppe Welzow des Deutschen Anglerverbandes entschieden und dort nach erfolgreicher Prüfung den Fischereischein des Landes Brandenburg erhalten.

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Ein gebürtiger Geierswalder

Wie viele andere Angelfreunde nahm Roland Klauka in diesem Jahr voller Vorfreude die im Juli erfolgte Freigabe des Geierswalder Sees für das Angeln zur Kenntnis – dies umso mehr, als ein gebürtiger Geierswalder. Die Festlegung, dass vorerst nur Mitglieder des Landesverbandes Sächsischer Angler und des Landesanglerverbandes Brandenburg ihre Ruten auswerfen dürfen, wobei letztere ein gültiges Fangbuch und den Erlaubnisschein des Sachsen-Verbandes benötigen, störte ihn nicht weiter. Kurzerhand stellte er beim Anglerverband „Elbflorenz“ Dresden einen formlosen Antrag auf Ausstellung von Fangbuch und Erlaubnisschein. Der Anglerverband „Elbflorenz“ ist Mitglied der länderübergreifenden Arge „Lausitzer Seenland“, die als Pächter des Geierswalder Sees fungiert.

Sachsen-Fischereischein nötig

Die Antwort vom Anglerverband, der in dieser Grenz-Angelegenheit extra das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie um eine Stellungnahme gebeten hatte, stimmte den Blunoer Freizeitangler optimistisch. Zwar stellte das Amt klar, dass Roland Kalauka als Person mit Wohnsitz in Sachsen zwingend einen sächsischen Fischereischein benötigt. „Einen Erlaubnisschein für den Freistaat Sachsen kann Herr Kalauka erhalten, sofern er seinen Fischereischein des Landes Brandenburg in einen sächsischen Fischereischein umtauscht.“ Nach Einschätzung des Mitarbeiters der Fischereibehörde, der diese Auskunft gab, sei der Blunoer als sachkundig zu beurteilen, da er „für seinen brandenburgischen Fischereischein eine vollwertige Sachkundeprüfung absolviert hat“. Dieses Dokument liegt auch vor.

Um den erwähnten Umtausch des Fischereisscheins in die Wege zu leiten, stellte der 67-Jährige nun also einen entsprechenden Antrag bei der Fischereibehörde mit Sitz in Königswartha. Die teilte ihm daraufhin mit, dass sie beabsichtige, den Antrag abschlägig zu bescheiden. Zu Begründung hieß es plötzlich, dass als Sachkunde-Nachweis eine „der sächsischen Fischeiprüfung gleichwertige Prüfung auf fischereilichem Gebiet“ abgelegt werden müsse. Das von Roland Kalauka als Beleg seiner Sachkunde vorgelegte Zeugnis einer Angelschule im Land Brandenburg reiche nicht aus. „Bei der von Ihnen abgelegten Prüfung handelt es sich nicht um eine der sächsischen Fischereiprüfung gleichgestellte Prüfung“, hieß es. Das Verwirrspiel war perfekt. Und das bedauerte Karin Bernhardt, die Pressesprecherin des Landesamtes. „Bei der Auskunft gegenüber dem Anglerverband Elbflorenz waren dem Mitarbeiter unserer Fischereibehörde zu dem Zeitpunkt nicht alle Fakten bekannt, weshalb er das Prüfungszeugnis zunächst anders eingeordnet hat. Im Verwaltungsverfahren stellte sich heraus, dass die erforderliche Sachkunde mit dem vorgelegten Zeugnis nicht erbracht werden konnte. Es tut uns leid, dass Herr Kalauka aufgrund der Auskunft davon ausgegangen ist, dass er seinen in Brandenburg erworbenen Fischereischein umtauschen kann und das Verwaltungsverfahren nur noch Formsache ist.“

Prüfung wird nicht anerkannt

Karin Bernhard stellt klar: „Die Aussage, dass ein Bürger mit Wohnsitz im Freistaat Sachsen einen sächsischen Fischereischein benötigt, ist korrekt. Ebenso die Tatsache, dass der Anglerverband Elbflorenz ohne gültige Sachkunde keinen Erlaubnisschein für den Geierswalder Sees ausstellen kann.“ Laut den eingereichten Unterlagen habe Roland Kalauka die Prüfung an einer Angelschule im Land Brandenburg abgelegt, die nicht mit der staatlichen Fischereischein-Prüfung in Brandenburg gleichzusetzen ist. Nur die staatliche Fischereischeinprüfung wird in Sachsen anerkannt.

Und es wird noch kniffliger: Für eine Anerkennung der Fischereischeinprüfung sei auch der Zeitpunkt der abgelegten Prüfung entscheidend, erläutert Katrin Bernhard. „Mit Änderung des Fischereigesetzes 2015 in Brandenburg, als die Prüfungen an Angelschulen vergeben worden sind, setzte ein regelrechter «Prüfungstourismus» von Sachsen nach Brandenburg ein. Bei der Anglerprüfung in Brandenburg handelt es sich jedoch nicht um eine der sächsischen Fischereiprüfung gleichgestellte Prüfung. Insbesondere ist in Brandenburg kein 30-stündiger Sachkundelehrgang für die Teilnahme an der Prüfung vorgeschrieben, wie er in Sachsen verpflichtend ist.“

Die Sachkunde ist entscheidend

Als Folge dieser Entwicklung, so die Pressesprecherin des Landesamtes weiter, akzeptiert die sächsische Fischereibehörde seit dem 1. Juli 2016 eine in Brandenburg abgelegte Angelprüfung nicht mehr als Sachkundenachweis zur Ausstellung eines sächsischen Fischereischeins. „Dementsprechend gelten auch Personen mit Hauptwohnsitz in Sachsen, denen auf der Grundlage einer in Brandenburg abgelegte Angelprüfung ein Brandenburger Fischereischein ausgestellt wurde, weiter als nicht sachkundig. Diese Fischereischeine sächsischer Bürger sind in Sachsen nicht gültig.“

„Was hier passiert ist traurig“, ärgert sich Roland Kalauka. Und ob er sich noch mal dazu durchringt, die Fischereischeinprüfung in Sachsen abzulegen, vermag er im Moment noch nicht zu sagen. Um im Geierswalder See angeln zu können, bleibt ihm allerdings keine andere Wahl ...

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