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Hauptamtlicher Sorbenbeauftragte

Vor 100 Jahren war das Hoyerswerdaer Rathaus Gründungsort der Domowina-Regionalverbände.

Der Domowina-Vorsitzende Dawid Statnik und der Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh enthüllten am Samstag am Hoyerswerdaer Rathaus die Tafel zur Erinnerung an die Gründung der Domowina-Regionalverbände im Jahr 1921.
Der Domowina-Vorsitzende Dawid Statnik und der Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh enthüllten am Samstag am Hoyerswerdaer Rathaus die Tafel zur Erinnerung an die Gründung der Domowina-Regionalverbände im Jahr 1921. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Seit 2012 hängt am Bürgerzentrum Braugasse 1 eine Gedenktafel, weil dort einhundert Jahre zuvor die Domowina als Dachverband aller sorbischen Vereine aus der Taufe gehoben wurde. Das ist der breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch jetzt erinnert eine Tafel am Alten Rathaus an die zweite abschließende Domowina-Gründung mit der Schaffung von vier Regionalverbänden im Jahr 1921 im Ratskeller Hoyerswerda.

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Der Domowina-Vorsitzende Dawid Statnik und der Hoyerswerdaer Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh haben sie vor vielen Gästen am vergangenen Samstag enthüllt. Der dazugehörende Festakt ist von der Band „Jank a Hanka“ und Kindern der Zeißiger Kita „Lutki-Haus“ in ihren Trachten mit Liedern und Tänzen umrahmt worden. Organisatoren der Veranstaltung waren der Regionalverband Hoyerswerda „Handrij Zejler“ und die ehrenamtliche Sorbenbeauftragte der Stadt, Gabriela Linack.

Torsten Ruban-Zeh betonte im Lichthof des Alten Rathauses: „Wir zeigen, dass die sorbische Sprache und Kultur zu uns gehört.“ Weil für ihn Mehrsprachigkeit ein wichtiger Wert der Lausitz ist, will er einen hauptamtlichen Sorbenbeauftragten einstellen und in Hoyerswerda weitere Orte kenntlich machen, die diesen Teil der Stadtgeschichte erzählen. Der Oberbürgermeister möchte auch versuchen, mehr Sorbischlehrer an die weiterführenden Schulen zu holen, um diese Ausbildung nach der Grundschule nicht nur als Arbeitsgemeinschaft anbieten zu können.

Die Historikerin vom Sorbischen Institut Bautzen Dr. Annett Bresan hat über die Arbeit der Regionalverbände in der Vergangenheit gesprochen. Am Anfang der 20. Jahrhunderts hatte Hoyerswerda eine große Bedeutung für die Organisation sorbischen Lebens in der Lausitz und heute spielt die Stadt neben Bautzen, Kamenz, Cottbus und Schleife eine gleichberechtigte Rolle. In jedem dieser Orte wirken Regionalverbände, die erst mit dem Ende der DDR wieder die innovativen Ziele ihrer Gründerväter aufnehmen und umsetzen konnten: „Regionalen Besonderheiten in der sorbischen Lausitz stärkere Beachtung schenken, den Zusammenhalt stärken, Kommunikationswege kurz halten“, zählt Dr. Annett Bresan auf. Von 1921 bis Mitte der 1930er Jahre hat sich in diesen Strukturen ein vielfältiges sorbisches Leben entwickelt. Im nationalsozialistischen Deutschland war von 1937 bis 1945 die Tätigkeit aller sorbischen Vereinigungen verboten. Das hat dem Sorbentum sehr geschadet und viele Regionen haben sich davon nicht mehr erholt, erklärt die Historikerin. Die Arbeit der Regionalverbände war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nur bis ca. 1950 ohne Behinderungen möglich. Dann hat die Domowina eingebunden in das zentralistische System der DDR funktioniert.

Dawid Statnik sagt über die Gegenwart: „Wie das Europa der Regionen den alten Nationalismus überwindet, so steht das lebendige Miteinander regionaler Vielfalt in der Lausitz für zeitgemäße Dezentralisierung. Die Sehnsucht nach überschaubaren sozialen Räumen, in denen sich Menschen über ihre Geschicke miteinander verständigen können, nimmt spürbar zu.“

Dem tragen alle Regionalverbände mit ihrer Arbeit Rechnung. Wegen des 100. Jahrestages ihrer Gründung ruft Dawid Statnik „das Jahr der Domowina-Regionalverbände und des Austausches zwischen Lausitzer Regionen aus.“

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