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Hoffen auf eine neue Zeit für Eisbecher und Ragout fin

Gabriele Jacob führt seit 1986 Hoyerswerdas Café Pinguin. Momentan wird allerdings nur am Sonntag verkauft.

Gabriele Jacob im Hoyerswerdaer Café Pinguin. Die namensgebenden Tiere haben’s gut – die müssen keine Corona-Masken tragen und wundern sich, scheint’s, ein wenig darüber. Aber Vorschrift ist nun mal Vorschrift.
Gabriele Jacob im Hoyerswerdaer Café Pinguin. Die namensgebenden Tiere haben’s gut – die müssen keine Corona-Masken tragen und wundern sich, scheint’s, ein wenig darüber. Aber Vorschrift ist nun mal Vorschrift. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Am Sonntagnachmittag einen leckeren Eisbecher auslöffeln oder in großer Runde Geburtstag feiern – dafür steht das Café Pinguin, wenn nicht gerade die Corona-Pandemie einen Lockdown verlangt. Gabriele Jacob findet also etwas Zeit, über ihre Jahre als Chefin dieser Gaststätte zu erzählen.

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Der Radeberger Markt bietet ab sofort einen neuen Service an. So kommen auch Privat-Kunden ganz unkompliziert an ihr Wunschprodukt.

1986 konnte sie das Café in der Spremberger Straße 31 übernehmen, in dem es ganzjährig Softeis in der Waffel und als Eisbecher zu kaufen gab. Aus mehreren Garagen hatte die Vorbesitzerfamilie Schuster einen Verkaufsraum geschaffen, erzählt Gabriele Jacob. Sie selbst ließ die Terrasse, zwei Spielplätze, den Wintergarten und die Fremdenzimmer errichten. Diese Baumaßnahmen wurden schrittweise vor und nach dem Fall der Berliner Mauer umgesetzt. Das gilt auch für andere Veränderungen. Die Gaststättenleiterin wollte unbedingt Streicheis (Kugeleis) anbieten und konnte das, weil ihr ein Bäckermeister eine alte Maschine zur Herstellung dieser Eissorte verkaufte. Als gelernte Konditorin begann Gabriele Jacob auch Torten zu backen und mittags standen Ragout fin sowie Steakgerichte bei den Gästen hoch im Kurs. Heute bereitet ihr Team zusätzlich Salate und Fischgerichte zu. Wegen dieser breiten Auswahl feiern Familien im Café Pinguin gern runde Geburtstage oder Hochzeiten.

Umsatzstarker 30. Juni 1990

Der Mauerfall hat der Gastronomin neue Möglichkeiten eröffnet. 1989 bestellte sie sofort eine moderne Streicheismaschine, die sie im Februar 1990 geliefert bekam. „Der Kredit dafür begann am 1. Juli 1990 mit der Einführung der D-Mark zu laufen“, erzählt Gabriele Jacob. Am 30. Juni 1990, einem Sonnabend, hatte sie in ihrem Café noch einmal hohe Umsätze mit der DDR-Mark, denn die letzte Erinnerung der Menschen an das alte Geld sollte eine schöne sein. Im Juli kamen viel weniger Kunden. Nun hieß es am Ball bleiben und sich in das neue Wirtschaftssystem sowie das Bankwesen einarbeiten. „Du musst von allem etwas können, sonst funktioniert es nicht“, hat sie in dieser Zeit gelernt.

Bald hatte sich der Umsatz für Gabriele Jacob und ihr Team auch durch das Angebot neuer exotischer Eissorten normalisiert. Wegen der wachsenden Nachfrage zur Ausrichtung von Familienfeiern hat sie den Wintergarten anbauen lassen und einen Wirtschaftsraum zum Gastraum umgestaltet.

Seit 1999 gibt es Fremdenzimmer für Gäste, die zu Feiern anreisen sowie für Monteure. Zum nachmittäglichen Kaffeetrinken kommen zumeist Menschen aus Hoyerswerda, Wittichenau, Lauta oder Spremberg. Eine regelmäßige Präsenz mit frischen Quarkkeulchen und gebrannten Mandeln auf dem vierwöchigen Cottbuser Weihnachtsmarkt hat bis 2019 Einnahmen generiert. Den städtischen Weihnachtsmarkt hatte die Geschäftsfrau ausprobiert und festgestellt, dass der Aufwand für den dreitägigen Verkauf den Nutzen überwiegt.

Tochter ist mit eingestiegen

Seit 2009 betreibt sie außerdem in Cottbus eine Zweigstelle mit Eis- und Gebäck-Verkauf. Das Pinguin bietet im Lockdown den Außer-Haus-Verkauf nur sonntags an. Gabriele Jacob wünscht sich, bald wieder öffnen zu dürfen. Ihr Hygiene-Konzept für die Gaststätte habe ja schon funktioniert. Die 62-Jährige denkt nicht ans Aufhören, freut sich aber, dass ihre Tochter ins Café Pinguin eingestiegen ist. Vielleicht führt sie es einmal in die Zukunft.

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