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Homeschooling ist möglich – aber eine Herausforderung

Abschlussklassen werden vor Ort betreut, alle anderen bekommen Materialien nach Hause. Lehrer*innen leisten gerade viel.

Die Lehrerinnen Daniela Heidorn (l.) und Anne Hentschel (r.) arbeiten so gut wie täglich mit der Plattform LernSax. Hier zeigen sie die Anwendung auf einem Gerät in der Bibliothek des Foucault-Gymnasiums.
Die Lehrerinnen Daniela Heidorn (l.) und Anne Hentschel (r.) arbeiten so gut wie täglich mit der Plattform LernSax. Hier zeigen sie die Anwendung auf einem Gerät in der Bibliothek des Foucault-Gymnasiums. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Um die Mittagszeit sind die Gänge leer, wie nie, sonst tümmeln sich zahlreiche Schülerinnen und Schüler. Diese Stille im Léon-Foucault-Gymnasium in Hoyerswerda finden auch die Lehrerinnen Daniela Heidorn und Anne Hentschel etwas gespenstisch. Das ist einfach nicht so, wie sie es kennen. Die Schule, der Unterricht, das Lernen hat sich in den letzten Monaten stark verändert.

Homeschooling und Lernzeit sind gerade Schlagworte. Unterrichten auf Distanz ist eine Herausforderung. Doch die beiden Lehrerinnen sind sich einig und der Meinung, dass Homeschooling möglich sei, aber andererseits sei eben auch der Präsenzunterricht einfach unersetzbar. Das haben die letzten Wochen deutlich gezeigt.

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Videokonferenz als Highlight

Anne Hentschel, Klassenlehrerin einer sechsten Klasse, vermisst ihre Schüler. Sie bei Videokonferenzen zu sehen, stellt für sie ein kleines Highlight im Wochenverlauf dar. „Dann weiß ich, es geht ihnen gut und mir kommt da ein Lächeln entgegen.“ Nach ihrem Referendariat ist sie seit Anfang 2019 fester Teil des Kollegiums. Sie gehört als Ansprechpartner zum internen iPad-Team, das zu inhaltlichen und technischen Fragen berät. Denn mittlerweile sind mehrere Klassenstufen komplett mit Tablets versorgt, ebenso die Lehrerschaft.

Klassenlehrerin Daniela Heidorn konnte auch für ihre Neuntklässler vom Pool an Leihgeräten zur besseren Ausstattung beitragen, damit ihr niemand mehr postalisch die bearbeiteten Aufgaben zukommen lassen muss. „Individuallösungen sind notwendig.“

Die Lernplattform LernSax wurde vor der Pandemie nur ganz spärlich genutzt, ist die Erfahrung. Doch im letzten Frühjahr war es unumgänglich und mittlerweile sind Berührungsängste abgebaut und die Handhabung Teil des Alltages. Die Möglichkeiten sind vielfältig und einige Funktionen können auch künftig im Unterricht integriert werden, vermutet Daniela Heidorn. Trotz der bekannten Ärgernisse um Abstürze der Website, zeigen sich die Kolleginnen zufrieden. Dort kann alles organisiert werden: die Bereitstellung von Materialien, die Abgabe erledigter Aufgaben, die Kommunikation im Klassenverband, die Durchführung von Videokonferenzen. Ein Ordnungssystem musste jeder für sich finden. So gibt es auch „Klassenräume“ und in Anne Hentschels sechster Klasse für jedes Fach einen Ordner, untergliedert nach Wochen sowie einen Abgabeordner – nur einsehbar vom Lehrer.

Als sich der erneute Lockdown abzeichnete wurde ein pädagogischer Tag abgehalten, um noch einmal die Lehrerschaft bestmöglich vorzubereiten. Daniela Heidorn hatte bis dahin bemerkt, dass es nicht ausreicht, nur ein Arbeitsblatt oder eine Folge zu erledigender Aufgaben zu erstellen. Die Schüler brauchen ihrer Meinung nach eine Hinleitung zum Thema und den Blick auf das große Ganze – ganz wie im Unterricht. Andersherum sind Feedback und Rückmeldungen wichtig für die Schüler. Erst später Aufgaben auswerten bringe nichts. Die Relevanz haben vor allem die älteren Schüler*innen erkannt. „Sie reflektieren die Wichtigkeit von Noten.“ In Daniela Heidorns Klasse war das Betriebspraktikum geplant – eine Auseinandersetzung mit der beruflichen Zukunft schon angestoßen. Das hat die Wahrnehmung geschärft.

Motivation schwindet langsam

Wichtig ist eine Struktur besonders für die jüngeren Schüler, wie Anne Hentschel weiß. Da müssen auch die Eltern mehr eingreifen und unterstützen, welche Ziele gesetzt werden. Und bei alledem darf auch die Motivation nicht auf der Strecke bleiben. Das ist zunehmend schwerer, haben die Lehrerinnen festgestellt. „Eine gewisse negative Entwicklung ist da zu spüren“, fasst Anne Hentschel zusammen. Die Stimmung sei nicht schlecht, aber lange kann das in dieser Situation nicht mehr aufrecht erhalten werden, geben sie zu Bedenken.

Besonders in den Abschlussklassen ist der Druck größer. „Ein Ausfall wegen Krankheit ist dann kaum noch zu kompensieren.“ Das weiß Daniela Heidorn auch aus der strikten Terminkette ihres Sohnes, der auf sein Abitur hinarbeitet. „Viele verzweifeln auch und haben Angst“, wenn beispielsweise ein Notenschnitt angestrebt wird. Bei den großen und kleinen Gymnasiasten muss auch viel Empathie und Feingefühl an den Tag gelegt werden. Für Anne Hentschel ist es wichtig, den Schülern gegenüber postitiv zu bleiben, aber auch nicht zu beschönigen.

Treffpunkt Schule fehlt

Aufmerksam verfolgen die Lehrerinnen die Entwicklung ihrer Klassen und haken auch mal genauer nach, wenn ein Schüler scheinbar Untertsützung braucht. „Dann rufe ich an und frage was gerade los ist“, erzählt Daniela Heidorn. Wenn es nötig ist, werden die Eltern einbezogen. Für einen Austausch und Unterhaltungen gibt sie manchmal am Anfang einer Videokonferenz gerne mal Zeit und klinkt sich selbst aus. Denn das Miteinander fehlt. Die Schule ist eben ein Treffpunkt – dort werden Freundschaften und Kontakte gepflegt.

Diese Zeit beschreibt Daniela Heidorn als prägend, denn es muss ebenso auf Abschluss-, Klassen-, Studienfahrten verzichtet werden. Diese Erlebnisse sind nicht nachzuholen. Mit Blick auf den Abiball weiß sie, dass da Sorgen die Gedanken bestimmen. Dass die Prüfungsfächer nun Vorrang haben, sehen die Frauen als wichtiges Signal und richtige Entscheidung an. „Wir müssen die Abschlüsse garantieren.“

Nun geht es nach der Präsenzzeit dann zu Hause mit den anderen Schülern weiter. Das Wochenende muss öfter für Vor- opder Nachbereitungen herhalten. Die Erreichbarkeit hat sich stark erhöht und der Arbeitsaufwand ist mehr als gewöhnlich. Dennoch: „Wir müssen aus dieser schweren Zeit jetzt das Beste machen.“

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