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Langstreckenläufer auf Abwegen

Beim Para-Leichtathletik-Meeting in Freiberg absolvierte Andreas Herwig eine für ihn recht kurze Strecke – eine zu kurze.

Freiberg war
eine Erfahrung. Andreas Herwig hat gelernt, dass ihm 1.500 Meter definitiv zu wenig sind. Er war nach dem Lauf trotzdem guter Dinge.
Freiberg war eine Erfahrung. Andreas Herwig hat gelernt, dass ihm 1.500 Meter definitiv zu wenig sind. Er war nach dem Lauf trotzdem guter Dinge. © Foto: privat

Hoyerswerda. Mit diesem Pokal hat Andreas Herwig nun wahrlich nicht gerechnet. Er bekam ihn vor ein paar Tagen beim 9. Internationalen Para-Leichtathletik-Meeting in Freiberg. „Da war ich total baff“, sagt Herwig. Siegfried Buttler, sein Laufkumpel und Kollege von den Lausitzer Werkstätten, hatte eine Trophäe mit der Aufschrift „Zehn Jahre Laufsport“ anfertigen lassen. Denn 2010 ging es für Herwig bei den „Hoywoy Elsterflitzern“ los, so einer Art Betriebssportgruppe.

Mindestens 3.000 Meter müssen sein

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Herwig, der seit einem Unfall in der Kindheit an einer Lähmungserscheinung leidet, hat sich in der letzten Dekade zu einem passionieren Ausdauersportler entwickelt. In Freiberg startete er auf der Kurzstrecke. Die 1.500 Meter waren in 5:52 Minuten absolviert. „Das ist ziemlich langsam“, sagt der Hoyerswerdaer, der mittlerweile für den Sportclub startet. So richtig zufrieden war er nicht. Das hängt weniger mit der Zeit zusammen als mit dem Tempo. Mittelstrecken geht man schließlich schneller an als längere Kanten. „Das bringt einen an die K... Grenze“, sagt Andreas Herwig. Noch einmal will er so etwas nicht machen. Mindestens 3.000 Meter wie zu seiner Hallen-Premiere am Jahresanfang bei der Internationalen Deutschen Para-Leichtathletik Meisterschaft in Erfurt sollten es schon sein. Er ist nun einmal eigentlich ein Mann für die zweistelligen Kilometer-Distanzen. Seinen ersten Marathon lief er 2012 in München. Diesen August startete er beim Oberlausitztrail in Gaußig. Auf der 48-Kilometer-Strecke waren 1.400 Höhenmeter zu überwinden. Andreas Herwig war nach sieben Stunden und 40 Minuten im Ziel. Solche Herausforderungen liebt der 45-Jährige. Beim Mad Chicken Run in Hänchen bei Cottbus (Motto: „Für richtig verrückte Hühner und Hähne“) am Nationalfeiertag absolvierte er den Marathon in 4:32:32. „Es lief besch ... Aber trotzdem dritter Platz und heil geblieben“, lautete hinterher das Fazit. Doch eigentlich möchte Andreas Herwig nur gern ein Botschafter sein. „Es ist ein bisschen ruhig geworden um den Behindertensport in Hoyerswerda“, sagt er. 1992 und 2000 waren Schwimmer aus der Stadt Teilnehmer der Paralympics, 1996 hiesige Leichtathleten. Das brachte Aufmerksamkeit – und diente womöglich anderen Menschen mit Handicap als Vorbild. Andreas Herwig hat jüngst einen Text mit der Überschrift „Mit Sport fand ich den Weg zurück ins Leben“ verfasst. Er findet es ein bisschen schade, dass sich bei der Meisterschaft im Freiberger Stadion des Friedens die sehr wenigen Zuschauer regelrecht verloren.

„Wir leben Inklusion“

„Von der Stimmung her war es schöner“, bewertet er eine Veranstaltung zwei Tage zuvor in Schwarzkollm. Natürlich ließ er sich die Teilnahme am ersten Krabat-Firmenlauf seines SC nicht nehmen. Die Lausitzer Werkstätten schickten gleich drei Mannschaften mit jeweils zehn Athleten an den Start. Und auch, wenn er seine zwei Staffel-Kilometer in 15½ Minuten weggelaufen hatte, was für seine üblichen Verhältnisse alles andere als ein großer Kraftakt war – er ist stolz auf das, was hier so möglich ist: „Wir leben Inklusion.“

Freilich hat er sich das nächste große Ziel schon abgesteckt. Andreas Herwig will an den Special Olympics World Games teilnehmen. Eine weite Reise ist dazu nicht erforderlich. Die Spiele, die zu den größten Sport-Veranstaltungen weltweit zählen, finden 2023 in Berlin statt.

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