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Huckelpiste nervt die Uhyster

Seit Jahren kämpfen sie um den grundhaften Ausbau der Schulstraße. Das ist aber nicht das einzige Verkehrsproblem.

Die Schulstraße in Uhyst ist die reinste Huckelpiste. Schon 2017 hat die Gemeinde Boxberg einen Fördermittelantrag gestellt. Geld dafür gab es bisher nicht.
Die Schulstraße in Uhyst ist die reinste Huckelpiste. Schon 2017 hat die Gemeinde Boxberg einen Fördermittelantrag gestellt. Geld dafür gab es bisher nicht. © Foto: Constanze Knappe

Uhyst. Loch an Loch / und hält doch? Das Kinderrätsel könnte durchaus auch für die Schulstraße im Boxberger Ortsteil Uhyst stehen, die sich seit Jahren in einem überaus desolaten Zustand befindet. Dabei ist die Huckelpiste die am meisten frequentierte Straße im Ort, wenn man mal von der B 156 absieht. Die Kita Spreezwerge, der Hort und eine Einrichtung des betreuten Wohnens sind nur über die Schulstraße zu erreichen. Kinder nutzen die Straße, um mit dem Fahrrad zum Sportplatz oder zu dem 2012 mit Ile-Fördergeldern gebauten schönen Spielplatz zu gelangen. Nicht nur Anwohner sind deshalb wegen der Schlaglöcher auf der Huckelpiste genervt, Eltern fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder.

Ein Thema seit zehn Jahren

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Bereits seit zehn Jahren ist der grundhafte Ausbau der Schulstraße ein Thema. Sie zweigt an der Bautzener Straße ab (der Kreisstraße), macht einen Bogen und mündet wieder in die K 8473. Diese war am 11.11.2019 für den Verkehr freigegeben worden, nachdem sie zuvor von der B 156 bis zum Ortsausgang Richtung Milkel in drei Bauabschnitten auf 900 Meter grundhaft erneuert worden war. Umso offensichtlicher ist seither der Handlungsbedarf auf der Schulstraße, wo mit einem Schild vor Straßenunebenheiten gewarnt wird.

Allerdings ist die Schulstraße eine Gemeindestraße. Bereits im Herbst 2017 hatte die Gemeinde Boxberg einen Fördermittelantrag gestellt. „Seither dümpelt es so vor sich hin“, sagt der Ortsvorsteher Frank Knobloch. Weil sich gar nichts bewegte, hatte er im vorigen Jahr ans zuständige Ministerium geschrieben. In der Antwort heißt es sinngemäß, dass die Gemeinde Boxberg ja beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) einen Antrag auf vorzeitigen Baubeginn stellen könnte. Sie müsste dann allerdings auch die Maßnahme vorfinanzieren – mit dem Risiko, dass es womöglich gar keine Fördermittel gibt.

Diese Reaktion ist für Frank Knobloch absolut unverständlich. Es wisse doch jeder, wie es um die Finanzen von Boxberg und anderen Gemeinden bestellt ist, nachdem sie in den Vorjahren Steuern in Größenordnungen zurückzahlen mussten.

Im Oktober 2020 wurde auf der B 156, der Ortsdurchfahrt durch Uhyst, für 280.000 Euro die Asphaltdecke abgefräst und erneuert. Das sei ein völlig anderer Topf, aus dem die Gelder dafür kamen, argumentiert die Behörde. Dass dem so ist, weiß Frank Knobloch. „Aber den Bürgern ist das nicht mehr zu vermitteln“, hält der Ortsvorsteher verärgert dagegen. Bei ihm häufen sich die Beschwerden, denn die Geduld der Uhyster ist längst überstrapaziert.

Gemeindestraßen wie die Schulstraße in Uhyst sind nach seiner Aussage als Priorität 9 und damit an letzter Stelle im Investitionsplan des Freistaates Sachsen eingeordnet. Eine konkrete Zusage für Fördermittel gibt es erst, wenn feststeht, wie viel Geld das Land in diesem und dem nächsten Jahr für Straßenbau in die Hand nimmt. Noch ist der Doppelhaushalt des Freistaats für 2021/22 nicht beschlossen. Dass dieser wegen fehlender Einnahmen durch Corona und der Corona bedingten Mehrausgaben eine Herausforderung wird, lässt sich denken. Doch dass man beim Freistaat durchblicken ließ, dass es kein Geld für Straßenbau geben wird, bringt Eltern und Anlieger in Uhyst noch mehr auf die Palme.

Unfallschwerpunkt so nicht bekannt

Aber nicht nur der Zustand der Schulstraße erhitzt die Gemüter in Uhyst, mindestens genauso beschäftigt sie die Gefahrenlage an der abbiegenden Bundesstraße B 156 mit der Einmündung der Staatsstraße S 108 nach Hoyerswerda. „Alle halbe Stunde kommt es zu brenzligen Situationen“, weiß der Ortsvorsteher aus eigenem Erleben und diversen Verkehrsschauen. Seit etlichen Jahren möchten Einwohner des Dorfes und die Räte der Großgemeinde Boxberg diesen Knotenpunkt entschärft wissen. Am liebsten durch einen Kreisverkehr. An diesen soll dann auch der Radweg vom Bärwalder See kommend zum Dreiweiberner See angebunden werden. Eine Verbindung, die die Tourismusverantwortlichen im Seenland schon länger anstreben. Konkret geht es um ein 1,6 Kilometer langes Teilstück von der S 108 bei Lippen bis zu der bereits vorhandenen Trasse in Uhyst.

Wie es darum steht, darüber hatte Andreas Biesold, der Leiter der Niederlassung Bautzen des Landesamts für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), die Gemeinderäte im September 2018 informiert. Die Planungen dafür hätten bereist 2013 begonnen, ein Jahr später sei der Vorentwurf genehmigt worden. Auch habe es eine ökologische Variantenuntersuchung für den Radweg gegeben. Nach damaliger Aussage von Biesold sollten Ende 2018 die Träger öffentlicher Belange zu Stellungnahmen aufgefordert werden, 2019 der Grunderwerb beginnen. Dass es sich bei dem Knotenpunkt um einen akuten Unfallschwerpunkt handelt, sei ihm so bis dato nicht bekannt gewesen, räumte der Behördenleiter 2018 im Gemeinderat ein. Auf einen tatsächlichen Baubeginn des Kreisverkehrs samt Radweg wollte er sich nicht festlegen lassen.

Keine Rede mehr vom Kreisverkehr

Um die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer noch stärker auf die akute Gefahrenlage an dem Verkehrsknoten B 156/S 108 zu lenken, hatte die Gemeinde Boxberg seinerzeit für größere Verkehrsschilder gesorgt. „Von dem Kreisverkehr aber redet inzwischen keiner mehr“, so Frank Knobloch verärgert.

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