merken
PLUS Hoyerswerda

„Ich bin stolz auf die Stadt“

Unternehmer Nick Jantschke schätzt Hoyerswerda für die hohe Lebensqualität – deshalb ist er wieder hier.

„Unser Augenmerk liegt auf den Details, den kleinen Blickfängen“, heißt es auf der Website der Stil-Etage. Die Büroräume in der Karl-Liebknecht-Straße spiegeln diesen Anspruch wider. Geschäftsführer Nick Jantschke mag es wohnlich.
„Unser Augenmerk liegt auf den Details, den kleinen Blickfängen“, heißt es auf der Website der Stil-Etage. Die Büroräume in der Karl-Liebknecht-Straße spiegeln diesen Anspruch wider. Geschäftsführer Nick Jantschke mag es wohnlich. © Foto: Nick Jantschke

Hoyerswerda. Die Existenzgründerwerkstatt „Garage Ostsachsen“ fand vor mittlerweile über 15 Jahren in Hoyerswerda statt, mit dem Anspruch, Geschäftsideen junger Lausitzer in die Tat umzusetzen. Ein Teilnehmer war damals auch Nick Jantschke. Dieses Angebot bedeutete, dass alle Kurse für die Teilnehmer kostenlos waren. Dabei ging es unter anderem um Themen wie Kundenakquise, Marktanalyse, Buchhaltung und Steuern. Für den damals 19-Jährigen war das der Weg in die Selbstständigkeit. Er gründete seine erste Firma.

Eine Motivation damals: „Ich wollte nicht weg. Alle Freunde waren hier.“ Also machte Nick Jantschke, was er in der Stadt vermisst hat. Die Werbeagentur war auf den Weg gebracht. „Das war voll mein Ding, alles selbst zu machen“, erinnert er sich zurück. Alles ging mit Flyern los, dann kamen erste Webseiten dazu. Der Anfang war holprig. Nick Jantschke sagt, er sei „über die Monate gekrochen“. Ein einziger Kredit war nötig, um die erforderlichen Softwarelizenzen zu erwerben.

Anzeige
Haben Demokraten Feindbilder?
Haben Demokraten Feindbilder?

Professor Armin Nassehi der LMU München spricht in einer kostenfreien Online Diskussion am 9. März über die offene Gesellschaft und ihre Feinde.

Zuvor absolvierte der Hoyerswerdaer eine Ausbildung zum Softwaretechnologen in Görlitz, Fachbereich Multimedia. Das bedeutete tägliches Pendeln, für 2 Jahre. Eine Wohnung in der Neißestadt war keine Option. „Ich hänge an meiner Stadt“, sagt er über die damalige Zeit und er steht noch heute dafür ein. Als sich damals für ein paar Jahre das Populario Festival in der Region etablierte, mischte er auch mit. Damit war „etwas junges auf die Beine gestellt, was es danach nicht mehr gab.“ Finanziell war diese Veranstaltungsreihe nicht reizend, gibt er zu, aber „für das Feeling“. Seiner Meinung nach gibt es keine bessere Vermarktung als ein erfolgreiches Festival. Ein ähnliches Format, wie damals, vermisst er noch immer in Hoyerswerda. Heute verfolgt er dennoch interessiert Newcomer. Musik hören und durch die Stadt spazieren – so kann er abschalten.

Die bessere Basis in der Großstadt

Nichtsdestotrotz folgte der junge Unternehmer Anfang 2011 dem Ruf der Großstadt. In Dresden war die Firma Stil-Etage nun bestehenden Kunden und möglichen Interessenten viel näher. Die Arbeit mit verschiedenen Agenturen beschreibt er heute als spannende Zeit, in der er viel gelernt und kennengelernt hat. Dort waren die Netzwerke und die Projekte größer.

Die Übernahme eines Projektes samt Mitarbeitern führte zur Gründung einer zweiten Firma, die im Bereich Programmierung tätig ist. Dieses stetige und kontinuierliche Wachstum hat den weiteren Weg geebnet. Der erste Mitarbeiter, seiner Zeit als Werkstudent eingestellt, ist heute Büroleiter sowie Hauptprogrammierer und -entwickler im Dresdener Büro. Insgesamt beschäftigt Nick Jantschke an beiden Standorten zwölf Angestellte.

Obwohl zur Dresdener Zeit ebenfalls viele Freunde von Nick Jantschke in der Landeshauptstadt zu Hause waren, so hat er doch gemerkt, dass dort ein anderes Sozialgefüge herrscht. „Ich wollte wieder mit Leuten zu tun haben“, umschreibt er das Gefühl, in der Großstadt nie jemanden mehrfach über den Weg zu laufen. Das ist in Hoyerswerda anders. Das „Durchatmen“ war irgendwann in Dresden nicht mehr möglich. Das nennt Nick Jantschke als einen der Gründe für die Rückkehr in die Heimatstadt. Einen weiteren, aber wichtigen Ausschlag gab letztendlich die Partnerin, die in Hoyerswerda lebte. Mittlerweile hat das Paar ein gemeinsames Kind.

Leben mit der Stadt verknüpft

Dass Hoyerswerda beruflich nicht die gleichen Möglichkeiten wie Dresden bieten würde, gab zu bedenken, aber „das Lebensumfeld hebt so viel mehr auf“. Er plädiert dafür, die Lebensqualität hier weiter hochzuhalten. Da ist der Wunsch nach Subkultur, wie sie es früher mal gab. „Dieses Großstadtgefühl war mal da.“

Wenn heute doch mal der Vergleich zu Dresden gezogen wird, dann geht es dabei eher um Kleinigkeiten, die hier fehlen – auf Schlag wird ein Elektronikfachmarkt genannt. Da fehle die Auswahl und ein reiches Angebot. Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten sieht Nick Jantschke hier ausreichend – da vermisst er nichts.

Es gibt in Hoyerswerda Orte, mit denen Nick Jantschke viel verbindet. Das eigene Leben ist einfach mit der Stadt verknüpft und verbunden. „Ich war auch in Dresden heimisch, aber es war nicht meine Heimat.“ Besonders für junge Menschen sollte etwas getan werden, um ihnen genau diese Verbindung zu ermöglichen. „Was du hier erlebst, gibt dir Gründe, hier zu sein oder wiederzukehren“, so seine Intention. Es gilt, Jugendlichen genau dieses Fundament zu geben. Es geht darum, dass hier diese Erfahrungen gesammelt werden können.

Die Einwohnerzahl, die sinkende Bevölkerung, sieht der Hoyerswerdaer als nicht so dramatisch an. „Das ist nicht wichtig, sondern eher die richtigen Angebote. Und das können wir sehr wohl entscheiden.“ Es ist beinahe ein Aufruf an die Bürger die Dinge in die Hand zu nehmen. Er selbst ist im CDU-Stadtverband tätig. „Als die CDU bei der letzten Stadtratswahl Sitze verloren und die AfD Sitze gewonnen hat, war für mich klar, der CDU beizutreten und dabei zu helfen, diese wieder attraktiver für die Bürger zu machen.“ Dennoch sagt er: „Ich bin gerne im Hintergrund und bringe mich ein.“ Die Leidenschaft, etwas für die Stadt zu tun, bestimmt das Handeln. „Wenn jeder Unternehmer sich noch etwas einbringt, dann profitieren wir alle. Wir leben alle zusammen hier.“

Vor einigen Wochen ist das Hoyerswerdaer Büro, das seit 2016 wieder besteht, vom Schwarzen Markt in die Karl-Liebknecht-Straße umgezogen. Dort steht nun mehr Platz zu Verfügung, denn „das alte Büro war schon lange zu klein“. Der vorherige Mieter ist nun in der Schlossergasse – ein Bürotausch, mit dem alle Beteiligten zufrieden sind.#

Ein einmaliges Schicksal

Hoyerswerda beschreibt Nick Jantschke als liebevolle Stadt, familienfreundlich, grün und ein Ort mit hoher Lebensqualität. „So ein Schicksal hatte keine andere Stadt und wir haben das gemeistert. Ich bin der Meinung, dass wir nicht vergleichbar sind.“ Die Vergangenheit und Zukunft von Hoyerswerda stehen sich für Nick Jantschke keinesfalls im Weg. „Ich bin stolz auf die Stadt, und das sollten auch andere sein.“

Mehr zum Thema Hoyerswerda