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„Ich war länger weg, als ich hier war.“

Anne Besser lebt seit einigen Monaten wieder in Hoyerswerda. Einst schrieb sie für TAGEBLATT.

Rückkehrerin Anne Besser hat im alten Zuse-Gymnasium, der heutigen neuen Oberschule, ihren Abschluss gemacht. Damit identifiziert sie sich noch immer.
Rückkehrerin Anne Besser hat im alten Zuse-Gymnasium, der heutigen neuen Oberschule, ihren Abschluss gemacht. Damit identifiziert sie sich noch immer. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Du weißt erst, wie es ist, wenn du mit kleinen Kindern berufstätig in einer Großstadt bist. Nervenaufreibend.“ Mit diesen Eindrücken ist Anne Besser in ihre Heimatstadt Hoyerswerda zurückgekehrt. Seit 2010 ist sie selbstständig und als freie Autorin tätig. Aus der Ferne arbeiten, stellt also kein Problem dar, bzw. zählen jetzt auch Hoyerswerdaer Unternehmen zu ihren Kunden. 

Seit dem Sommer letzten Jahres lebt sie – nun mit Familie – wieder hier. Es ist für sie besonders schön, dass ihre Kinder ihre Großeltern erleben können. Denn Hoyerswerda ist eben der Ort, wo die Familie wohnt. „Es ist wertvoll, so viel Zeit mit den Eltern und der Familie verbringen zu können.“

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Während der Schulzeit nahm Anne Besser im Alter von 16 Jahren einem Schüleraustausch wahr, der sie für einige Monate nach Colorado in die USA führte. Das „Parlamentarische Partnerschaftsprogramm“ und ein Bundestagsabgeordneter machten dies möglich. „Du siehst eine Chance und ergreifst sie einfach.“ Das Stipendium gab ihr die Zeit „den Charakter zu entwickeln“, wie sie sagt. Sie lebte auf einer Farm und nahm besonders die Kultur in diesem Land als völlig anders wahr. Auch heute – nach über zwanzig Jahren – besteht noch ein Kontakt zu ihrer damaligen Gastfamilie. Damals ließ sie in monatlichen Kolumnen die Leser von TAGEBLATT an ihren Eindrücken teilhaben.

Zurück in Neida und nach dem Schulabschluss ging es dann nach Dresden zum Studium der Kommunikationswissenschaften und der Fächer Psychologie und Amerikanistik. Für Anne Besser die beste Kombination, um verschiedenen Interessen nachzugehen. Während der Studienzeit verbrachte sie auch einige Monate in Breslau. Die Abschlussarbeit verglich Werbung in deutschen und polnischen Zeitschriften. Da fand sie Interesse an dem Magazin Playboy, das sich aus ihrer Sicht durch gute Artikel auszeichnet. Sie sagt: „Ich hatte genug von wissenschaftlichen Texten und hatte mehr Lust auf Texte, die unterhalten.“ Und so folgte ein Volontariat beim Playboy. Die Zeit war bereichernd, denn es hat in ihr die Auffassung gestärkt, dass man „von jedem etwas lernen kann. Ich konnte immer viel dazulernen und tolle Geschichten machen.“ Sie erzählt von einem Bericht über Wölfe in der Lausitz, den sie für das Männermagazin verfasste.

In den Jahren, in denen sie in München lebte, war sie eher selten in Hoyerswerda. Einige Entwicklungen hat sie mitbekommen, aber erst jetzt ist die Auseinandersetzung wieder viel intensiver. Es gilt eine Lücke zu schließen, denn „ich war länger weg, als ich hier war.“

Die Kinderbetreuung war zuletzt eine Herausforderung und ein ausschlaggebender Grund dafür, wieder in die Lausitz zurückzukehren. Die Kinder wären in München ganz anders aufgewachsen, als sie es aus ihrer Kindheit kannte: Krippe, Kita und Schule hätten ständig ein neues Umfeld bedeutet. Als die Weichen gestellt wurden, hat Anne Besser auch Hilfe durch das Bürgeramt erfahren. Überhaupt seien behördliche Gänge hier schneller erledigt.

Ein Motiv zieht sich durch ihr Leben: „Man kann viele Chancen ergreifen und muss sich nicht entscheiden.“ Und das lebt sie auch hier wieder aus. Denn neben dem Schreiben betreut sie heute die Vermietung und den Verkauf von Immobilien am Standort Lausitz einer Dresdener Firma.

Den Strukturwandel sieht sie als große Chance und schaut dabei auch auf die Anfänge zurück: „Die Stadt war nicht immer da, sondern ist erst entstanden – durch Menschen, die sich hier etwas aufbauen und sich verwirklichen wollen.“ Das sollte auch in der Zukunft der Antrieb bleiben. Aber eine Frage bleibt für sie offen. „Hoyerswerda ist durch Zuwanderung entstanden und groß geworden. Damals wurden vor allem die Gemeinsamkeiten gesehen. Liegt heute der Fokus oft auf den Unterschieden? Dabei ist Vielfalt eine Chance.“ Die vielen neuen Möglichkeiten, die sich der Stadt bieten, sollten genutzt werden.

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