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Ikonen in Hoyerswerda und Ikonen von Hoyerswerda

Mit Rudolf Renners Abend zu Ikonen endete die Kunstvereins-Vortragstätigkeit.

Von Uwe Jordan
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Martin Schmidt, Vorsitzender des Kunstvereins Hoyerswerda (links) mit Rudolf Renner an einer Ikone des Hl. Georg, gemalt von Günther Wendt.
Martin Schmidt, Vorsitzender des Kunstvereins Hoyerswerda (links) mit Rudolf Renner an einer Ikone des Hl. Georg, gemalt von Günther Wendt. © Foto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Letzter regulärer Vortragsabend beim Kunstverein nach fast 60 Jahren: Da schien es ein kleiner Geniestreich, dass es um Ikonen; also um Heiligendarstellungen, weltlicher gesagt: um Symbolfiguren, um Leitbilder, ging. Der Kunstverein ist eine solche Ikone für Hoyerswerda.

Aber Rudolf Renner, ehemaliger Leiter der BASF-Galerie Schwarzheide, hatte freilich „echte“ Ikonen im Blick. Wobei: Das Prunkstück des Abends war eine echte „falsche“ Ikone: Gemalt im Stil der frühmittelalterlichen Epoche hatte den Hl. Georg zu DDR-Zeiten Günther Wendt (20.1.1908-13.3.1971), Direktor des Museums Senftenberg. In Hoyerswerda ward Georg, siehe Bild, gezeigt auf der persönlichen Staffelei Günter Peters’ (20.9.1907-3.7.1987), Gründungsdirektor des Stadtmuseums Hoyerswerda, der Wendt als Grabredner den Weg in die Ewigkeit hatte bahnen helfen sollen, aber es in der Betroffenheit über den Verlust des Freundes einfach nicht konnte.

50 Jahre später nun gab es in Hoyerswerda im Zusammentreffen von Ikone und Staffelei ein Wiederbegegnen für die Ewigkeit der beiden Museumsleute und Maler. Nicht nur dieser Kreis schloss sich, sondern auch für den Kunstverein Hoyerswerda schloss er sich am 10. November 2021 im Festsaal des Schlosses, das schon so viele Veranstaltungen des Kunstvereins erlebt hatte und das Martin Schmidt einst vor dem Verkauf an einen dubiosen „Investor“ gerettet hatte. Nun, fast 60 Jahre nach seinem Beginn, löst sich der Verein auf; seine Gründer, Helene und Martin Schmidt, ziehen alters- und gesundheitshalber in die Nähe ihres Sohnes Joachim nach Bayern. Am Sonntag, dem 14. November, gibt es um 16 Uhr eine Verabschiedungs-Gala – in der Lausitzhalle am Lausitzer Platz 4, zu der alle geladen sind, die sich den Schmidts und dem Verein verbunden fühlen.

Es war ein seltsam wehmütig-heiterer Abend: Wehmut angesichts des freilich noch nicht in aller Deutlichkeit angekommenen Wissens um das „Nie mehr“; besinnliche Heiterkeit, weil Martin Schmidt in seinen einführenden, altersweisen Worten zu bedenken gab, die Geschichte des Kunstvereins (und auch des Rennerschen Vortrages) sei eine Geschichte des „Hinaus in die Welt!“ – aber auch eine Geschichte des Wieder-Heimkommens; einer Kunst, die zu meistern nur wenigen vergönnt sei.

Renner griff dies auf und fügte hinzu, jeder Tag sei voller Wunder. Das könne Kunst: „Unterhaltung von Menschen eines Geistes. Wenn ein Impuls direkt ins Gehirn geht, entsteht Glücksgefühl.“ Der Kunstverein habe unzählige solche Geschenke, Unterhaltungen und Impulse dargebracht.

Renner skizzierte vor allem die Ikonen-Ausstellung, die, vor zwölf Jahren, auch im November, sein letztes kuratorisches Werk bei der BASF war. Renners Vortrag war Anregung für die gut 30 Besucher, sich selbst mit Ikonen zu beschäftigen. Etwa dem grundlegend anderen Verständnis der orthodoxen Ostkirche: „In den europäischen Kirchen sind Bilder eine Brücke, über die man zu Gott finden kann; im Osten sind sie direkter Gegenstand der Anbetung.“ Auch seien Ikonen, Darstellungen vor allem Jesu Christi, der Muttergottes und der Heiligen, nicht eigentlich Bilder, sondern Hagiographie: „des Heiligen (Fort-) Schreibung“; beginnend mit dem Schweißtuch der Hl. Veronika von Jesu Kreuzweg bis zu Wendts Hl. Georg. Kreise schließen sich, aber neue öffnen sich auch. Diese Hoffnung bleibt.