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Im Einsatz für Hoyerswerdas Wappenbäume

Die drei Eichen in der Fischerstraße sind bald 100 Jahre alt, sahen aber schon mal besser aus. Jetzt gab es eine Kur.

Die drei Säuleneichen in der Fischerstraße sahen schon mal besser aus, sind innen aber noch richtig kernig.
Die drei Säuleneichen in der Fischerstraße sahen schon mal besser aus, sind innen aber noch richtig kernig. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerdas Wappenbäume sind die drei Eichen. Und es gibt sie nicht nur im Wappen, sondern auch in echt. Drei Pyramideneichen, auch Säuleneichen genannt, stehen an der Fischerstraße zwischen Schloss und Parkhaus. Wer hier in den letzten Wochen unterwegs war, der konnte im Boden systematisch nach einem Raster eingebrachte Bohrungen ins Erdreich feststellen. Geht es Hoyerswerdas Wappenbäumen nach den drei Trockenjahren trotz der Nähe zum Schlossgraben etwa nicht so gut?

Nachlassende Vitalität

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Jeanine Metasch, Fachdienstleiterin Stadtgrün bei der Stadtverwaltung Hoyerswerda, hat sich mit den Bäumen eingehend beschäftigt: „Aufgrund der nachlassenden Vitalität der drei Säuleneichen wurde eine eingehende Untersuchung zur Einschätzung der Stand- und Bruchsicherheit von einer Fachfirma durchgeführt. Die Untersuchung ergab, dass die Holzstruktur im Stammesinneren gesund und tragfähig ist.“ Aber der Boden rundherum ist doch ziemlich verdichtet. Und um den Bäumen etwas Gutes zu tun, widmete man ihnen in diesem Jahr etwas mehr Aufmerksamkeit.

Das genaue Alter der drei Eichen ist nicht bekannt. Es gab Vermutungen, dass sie aus dem 18. Jahrhundert stammen könnten, doch sind sie auf frühen Ansichtskarten des Schlosses von Beginn des 20. Jahrhunderts nicht zu sehen. Es gilt daher als wahrscheinlich, und so hat es auch die Stadtverwaltung in ihren Unterlagen stehen, dass die drei Eichen aus Anlass der 1.000-Jahr-Feier Hoyerswerdas im Jahr 1924 gepflanzt wurden. Das Jubiläum war zwar konstruiert, um etwas feiern zu können. Doch um ähnliche Blamagen fortan zu vermeiden, und Heimatforschung auf solide Füße zu stellen, gründete sich die Gesellschaft für Heimatkunde, deren Bemühungen wenige Jahre später in die Gründung eines Heimatmuseums führten. Und es gibt die drei Eichen, die auch prächtig gediehen. Sie überstanden den Krieg und in den 1990er-Jahren den angrenzenden Straßenbau. Zu DDR-Zeiten war das Tiergartengelände bis an die Straße herangeführt worden. Die Eichen standen somit viele Jahre direkt am Esel/Pony-Gehege. Erst 2015 wurde das Gehege aufgegeben, zwischen Fischerstraße und Schlossgraben im Rahmen der Altstadtsanierung der „Platz der drei Eichen“ geschaffen. Wirklich Platz haben die drei trotzdem nicht.

Bodenleben wird aktiviert

Zur Förderung der Abwehrkräfte und zur Standortsanierung wurde nun durch die beauftragte Fachfirma mittels „Tree Life Technik“ eine Bodenlockerung und gleichzeitige Baumbelüftung durchgeführt. „Bei diesem Verfahren dringt eine handgeführte Tree-Life-Lanze ohne hydraulischen Druck in den Boden ein, sodass Wurzeln- und Versorgungsleitungen sofort bemerkt und nicht beschädigt werden“, erläutert Jeanine Metasch. „Mit Hilfe dieser Technik werden Verdichtungen im Wurzelbereich schonend beseitigt und in einer Tiefe von 80 cm flüssige Stoffe eingebracht, die den Lebensraum der Bäume auf lange Sicht erhalten, indem sie das Bodenleben und das Wurzelwachstum aktivieren. Gleichzeitig ist ein verbesserter Wasserhaushalt gewährleistet, da Oberflächenwasser besser abfließen kann.“

Also lockerer Boden, mehr Luft und Flüssigdünger direkt an den Wurzeln. Jeanine Metasch geht davon aus, dass die drei Eichen so wieder angeregt werden, feine Wurzeln zu bilden und im Kronenbereich wieder stärker auszutreiben. Das wird noch nicht unbedingt im nächsten Jahr zu beobachten sein, sondern erst später, wenn die drei ihren vermutlichen 100. Geburtstag an diesem Standort begehen können.

Mit dieser besonderen Aufmerksamkeit für seine Wappenbäume ist Hoyerswerda übrigens in guter Gesellschaft. Bei der Baumpflege schaut man längst nicht mehr nur in die Kronen und guckt, wo Totholz abgesägt werden muss, sondern man widmet sich der Bodenkunde. Die fünf riesigen Eichen von Ivenack in Mecklenburg-Vorpommern haben jetzt eine teils noch stärkere Kur erhalten. Die auf über 800 Jahre geschätzte Uralteiche von den fünf Legenden bekam sogar eine Pilzkur für die Wurzeln verabreicht, Experten prüften vorher die Nährstofflage im Boden – und die Anzahl der Würmer.

Jetzt wurde das Erdreich gelockert und eine Art flüssiger Bodenaktivator eingebracht. Ob das was bringt, wird man erst in einigen Jahren sehen.
Jetzt wurde das Erdreich gelockert und eine Art flüssiger Bodenaktivator eingebracht. Ob das was bringt, wird man erst in einigen Jahren sehen. © Foto: Stadtverwaltung

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