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Immer am Wasser entlang

Schwarze Elster und Elsterfließ bieten sich für einen Dauerlauf regelrecht an.

Andreas Herwig so ungefähr bei der Hälfte der Strecke. Am Elstergrund in Neuwiese lässt sich die Schwarze Elster queren. Dann geht es an ihrem östlichen Ufer entlang zurück in Richtung Hoyerswerda.
Andreas Herwig so ungefähr bei der Hälfte der Strecke. Am Elstergrund in Neuwiese lässt sich die Schwarze Elster queren. Dann geht es an ihrem östlichen Ufer entlang zurück in Richtung Hoyerswerda. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Sein Lauftraining führt Andreas Herwig oft nach Kühnicht. Schließlich wohnt er in Hoyerswerdas WK IX. Der Scheibe-See, Knappenrode, Burg – all das sind Ziele für die Übungsrunden. Der Zeitung will der 46-Jährige aber lieber eine Tour am Elsterfließ beziehungsweise an der Schwarzen Elster entlang ans Herz legen. „Ich bin ja schließlich Elsterflitzer. Das waren unsere Anfänge“, sagt er.

Die „Elsterflitzer“ sind so etwas Ähnliches wie die Betriebssportgruppe der Lausitzer Werkstätten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit und ohne Behinderung fanden sich vor gut einem Jahrzehnt zusammen. Inzwischen ist das Laufen bei den Werkstätten gute Tradition geworden.

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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Andreas Herwigs Lauf über rund zwölfeinhalb Kilometer beginnt am Hoyerswerdaer Lausitzbad und führt am Festplatz entlang in Richtung des Flusses. Der Lauf-Enthusiast hat inzwischen einen großen Teil seines Lebens dem Sport verschrieben, hat diverse Ultraläufe absolviert und bereitet sich auf die Special Olympics World Games 2023 in Berlin vor. Im Ehrenamt engagiert er sich zudem als Athletensprecher der Special Olympics, einer Sportorganisation für Menschen mit Behinderung. Herwig, der seit einem Unfall in Kindertagen an einer Lähmungserscheinung leidet, hat sich mittlerweile den Red Caps angeschlossen, der Laufgruppe des Sportclubs.

Am Johanneum vorbei erreicht er in der Straße am Lessinghaus das Elsterfließ. Es ist der letzte Altarm der Schwarzen Elster, der nach der Kanalisierung des Flusses zwischen 1934 und 1936 übrig geblieben ist. Was wir heute Schwarze Elster nennen, ist streng genommen ein Umfluter. Historische Vergleiche zu Venedig sind vielfach gezogen worden, besonders während der 1990er. Damals fasste eine westdeutsche Stadtspitze den Plan, zumindest einen Teil der Elster-Arme wieder zu öffnen. „Fließende Welle“ hieß das Projekt. Soweit kam es am Ende aber nicht. Handlos‘scher Graben oder Inwendiger Graben blieben zu.

Die Laufstrecke folgt im Groben dem verbliebenen Fließ, zwischen Grünstraße und Kleiner Bleiche unter anderem durch die schmalste Gasse der Stadt, hin zur Bundesstraße 96, auf deren gut ausgebautem Radweg es dann in Richtung des Yados-Werkes geht. Auf halbem Wege nach Nardt wechseln wir schließlich die Straßenseite.

Denn das nächste Ziel ist die Wassenburg. Sie war einst eine Mühle. Deren erste bekannte Erwähnung datiert aus dem Jahr 1726. Früher stieg man sonntags in Hoyerswerda ins Boot, um zum Plinse-Essen dorthin zu fahren. Bald sind wir wieder am Elster-Kanal. Über einem Feld kreist ein Kranich – und Andreas Herwig macht auf ein Fischadler-Nest auf einem Hochspannungsmast aufmerksam.

Am südlichen Elsterufer folgt der Hoyerswerdaer dem Radweg bis Neuwiese. Wir steuern erneut eine alte Mühle an. Ihr Gebäude dient als Vereins- und Versammlungsgebäude, unter anderem für den örtlichen Jugendclub. Es gab einigen Ärger, weil der Mühlgraben lange trocken war. Nun gibt es wieder Wasser, und seit 2019 die gebrochene Welle ersetzt wurde, kann sich auch das Mühlrad wieder drehen. Gleich nebenan lässt sich historische Landwirtschaftstechnik bestaunen. Ein alter Traktor im Bereich Am Elstergrund verweist auf die Freude, die viele Menschen an solch betagter Technik haben.

Am nördlichen Dorfrand quert eine Brücke die Schwarze Elster, die ebenfalls schon etliche Jährchen auf dem Buckel zu haben scheint. Für schwere Fahrzeuge gesperrt, ist sie für Dauerläufer hervorragend geeignet, um ans nördliche Flussufer zu wechseln. Hier kann man nun, die Elster zur Rechten, bis zur Görlitzer Brücke in Hoyerswerda entlanglaufen. Ein richtiger Geheimtipp ist das nicht, sondern eigentlich recht beliebt. Andreas Herwig hat indessen noch etwas anderes im Sinn. Die Schwarze Elster entspringt bei Elstra und mündet hinter Jessen in die Elbe. Für den Hoyerswerdaer und einen Freund sind das exakt zwei Etappen Elsterflitzerei.

Die Wassenburg war früher einmal ein beliebtes Ausflugsziel.
Die Wassenburg war früher einmal ein beliebtes Ausflugsziel. © Foto: Mirko Kolodziej
An der Elster leben zahlreiche Tiere. Vor allem Vögel zeigen sich.
An der Elster leben zahlreiche Tiere. Vor allem Vögel zeigen sich. © Foto: Gernot Menzel
© Grafik: Franka Schuhmann

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