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In Hoyerswerda fürs Leben gelernt

Katja Stoklasa und Justus Baltz geben Auskunft zu einem etwas anderen und doch erfolgreichen FSJ beim Sportclub.

Das gehört normalerweise NICHT zu den Kernaufgaben von Justus Baltz und Katja Stoklasa im Freiwilligen Sozialen Jahr beím Sportclub Hoyerswerda, aber was ist derzeit schon „normal“ ...
Das gehört normalerweise NICHT zu den Kernaufgaben von Justus Baltz und Katja Stoklasa im Freiwilligen Sozialen Jahr beím Sportclub Hoyerswerda, aber was ist derzeit schon „normal“ ... © Foto: Gernot Menzel

Von Sandra Weller

Hoyerswerda. Seit über einem Jahr hieß es, mit immer wiederkehrenden Einschränkungen im Sport klar zu kommen – aber das Vereinsleben geht weiter. Trotz der momentanen Situation hat der Sportclub Hoyerswerda e. V. auch in diesem Jahr wieder zwei FSJler, also junge Menschen, die im Freiwilligen Sozialen Jahr ihren Dienst leisten. Aber wie läuft so ein FSJ in Zeiten einer Pandemie. Justus und Katja, beim SC Hoyerswerda tätig, geben Auskunft.

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Hallo Justus; hallo Katja – wer seid ihr? Warum macht ihr ein FSJ? Wie seid ihr zum Sport gekommen?

Justus: Ich bin Justus, 16 Jahre alt und komme aus Hoyerswerda. Ich habe mein FSJ im September 2020, nachdem ich meinen Realschulabschluss gemacht habe, beim Sportclub Hoyerswerda e. V., begonnen. Ursprünglich wollte ich zur Polizei, diese hat mich aber auf Grund meiner Sehschwäche nicht angenommen. Nun bin ich hier und nutze das Jahr als Überbrückungsjahr und zur Weiterbildung. Meine Ausbildungsstelle bei der Bahn, als Fahrdienstleiter für 2021, habe ich schon sicher. Der Sportclub Hoyerswerda bietet sich super für ein FSJ an. Ich habe schon immer Sport getrieben, wodurch mir die Arbeit hier umso mehr Spaß macht.

Katja: Ich bin Katja, 18 Jahre alt und komme aus Brandenburg. Hier habe ich im letzten Frühjahr mein Abitur absolviert. Mein FSJ habe ich erst im Oktober begonnen, da der SC gerade noch einen Freiwilligen gesucht hat. Hier bin ich nun, da ich nach meinen zwölf Jahren Schule keinen genauen Plan hatte, was als nächstes kommen soll. Dieses Jahr möchte ich also nutzen, um einen passenden Beruf für mich zu finden. Zum Sport hat es mich verschlagen, da ich erstens viel Spaß daran habe, aber auch schon immer mit dem Sport beschäftigt bin. In meinem fünften Lebensjahr habe ich mit dem Reitsport begonnen und bin diesem bis heute treu geblieben, als leidenschaftliche Springreiterin. In das FSJ bin ich ganz ohne Erwartungen gegangen, aber mir war klar, dass wegen Corona nicht alles wie gewohnt laufen wird.

Nun haben wir schon seit einem Jahr die Situation, dass der Sport durch Corona immer wieder ausgebremst wird. Dies wirkt sich bestimmt auch auf euer FSJ aus. Wie würde euer Tag aussehen, wenn der Sport normal stattfindet?

Im Normalfall würden wir jeden Tag in der Turnhalle stehen und „Kinder fit machen“. In den ersten Wochen haben wir aktiv im Sport geholfen und so einen kurzen, aber sehr guten Eindruck von den Sportlern und dem Training bekommen. Auch wenn wir auf die aktuellsten Verfügungen und Hygienekonzepte sehr achten mussten und etwas eingeschränkt wurden. Wir haben mit den Kindern Sportspiele gespielt, sie von den Kitas abgeholt und ihnen beim Umziehen geholfen. Auch das Auf- und Abbauen der Sportgeräte gehörte dazu sowie die Unterstützung der Sportwarte. Hinzu kommt, dass wir bei den Großveranstaltungen des SC Hoyerswerda mithelfen würden. So wären wir zum Beispiel beim „Allerletzten Volleyball-Turnier“ im Dezember dabei gewesen. Aber das richtige „Normal“ kennen wir nicht wirklich, da wir schon von Beginn an klare Vorgaben beim Sport hatten.

Wie sahen nun eure täglichen Aufgaben ohne richtigen Sport aus?

Seit November hielten wir uns regelmäßig im Büro auf. Hier gab und gibt es einiges zu tun, da wird es nie langweilig. Angefangen vom Artikel-Schreiben, über Bastelaufgaben für die Sportler des Fachbereichs, bis zum Streichen des Büros war viel Abwechslung im Alltag geboten. Ende November begann dann die Arbeit für unseren bewegten Adventskalender. Für unsere „Kinderkiste“, ein tägliches Onlineangebot für die Kinder, haben wir vor und hinter der Kamera gestanden, um mit dem SC-Bären zu turnen. Aber auch die Recherche rund um die täglichen Quiz-Fragen, die sich hinter den einzelnen Türchen des Adventskalenders versteckten, gehörte zu unserem Wirkungsbereich, ebenso wie die Arbeit an der Homepage. Auf dieser wurden die einzelnen virtuellen Kalendertürchen erstellt und die Trainingsideen eingefügt. Gleichermaßen wurde der YouTube-Kanal vom SC-Hoyerswerda fleißig mit Videos versorgt.

Auch an der vereinseigenen Zeitung haben wir mitgewirkt: Das Zusammentragen der Ereignisse des Jahres sowie das Schreiben einzelner Texte standen auf dem Plan. Momentan stehen wir für kurze Videos immer mal wieder vor und hinter der Kamera, aber auch größere Videoprojekte landeten auf unserem Schreibtisch. So planten, bearbeiteten und schnitten wir einen 17-minütigen Trailer über den Sportclub, welcher im Rahmen des „Tag und Nacht der Kultur & Vereine“ Streams der Kulturfabrik Hoyerswerda am 23. April des Jahres auf YouTube ausgestrahlt wurde.

Trotzdem: Ist es nicht anstrengend, sich jeden Tag motiviert vor den PC zu setzten, anstatt sich zu bewegen?

Es ist anstrengend täglich diese Motivation aufzubringen, aber seit einigen Wochen sind wir auch wieder im Außenbereich aktiver. Angefangen hat es mit dem Austragen von Mitgliederbriefen und Trainingsplänen. Hier wurden wir als Boten aktiv und sind mit den Rädern quer durch Hoyerswerda gefahren, um die Briefe direkt an die Haustür der Mitglieder zu bringen. Weiter ging es, verkleidet als SC-Bär, zum Sport am Kita-Zaun. Hier sporteln wir jeden Vormittag 20 Minuten mit den Kindern der umliegenden Kitas, am Zaun der Kita oder in einem für uns abgesperrten Bereich. Wir unterstützten, erst als SC-Bär und dann in voller Präsenz, den Kindersporttrainer und beginnen, einige Spiele und Aufgaben selbst zu erklären und durchzuführen. Zum Schluss kam dann der Kindersport im Außenbereich auf uns zu. Hier stehen wir regelmäßig auf dem Platz und begleiten die Kleinsten mit einem Elternteil durch den Parcours, erklären die Aufgaben und geben Tipps zur richtigen Ausführung.

Was nehmt ihr aus dem FSJ beim Sportclub mit für euer zukünftiges Leben?

Zwar lief das Jahr bisher nicht wie gewohnt ab, dennoch konnten wir einige Erfahrungen sammeln. Die Zeit vor dem PC ist zwar nicht so spannend wie das Sporttreiben, vor allem Sporttreiben mit den Kindern, dennoch macht es Spaß, da man sich auch hier gut weiterentwickeln kann. So haben wir viel im Umgang mit den Microsoft-Diensten, wie Word, Excel und PowerPoint gelernt, aber auch den Umgang mit WordPress bezüglich der vereins-eigenen Homepage. Hinzu kommt das Verbessern des Ausdrucks in Texten durch das Schreiben von Artikeln und unser verbessertes Zeitmanagement, da wir unsere Aufgaben über den Tag verteilt organisieren und priorisieren müssen. Die Möglichkeit, die Übungsleiter C-Lizenz zu erwerben, nehmen wir beide wahr. Schließlich weiß man nie, wann man diese auf dem weiteren Lebensweg noch benötigt, denn so können wir auch nach unserem Freiwilligendienst als Übungsleiter im Sport aktiv bleiben, wenn es die Zeit zulässt.

P.S.: Der SC Hoyerswerda sucht für die Zeit ab dem September 2021 || zwei neue FSJler als Nachfolger von Katja und Justus. Wer Interesse hat – bitte melden unter Tel. 03571 406679 oder per mail [email protected]

Unsere Interviewerin Sandra Weller ist verantwortlich für Presse-/ Öffentlichkeitsarbeit beim SC Hoyerswerda.

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