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In Seidewinkel klopft bereits der Osterhase an die Tür

Der Mittellausitzer Ostereiermarkt Neuwiese öffnete einst den Kindern der Familie Kasper den Weg zum Erfolg.

Elea (li) und Emilia nutzen jede freie Zeit, um in der Küche Ostereier zu verzieren. So, wie es schon früher bei der Oma war.
Elea (li) und Emilia nutzen jede freie Zeit, um in der Küche Ostereier zu verzieren. So, wie es schon früher bei der Oma war. © Foto: Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Elsterheide. In Seidewinkel herrscht schon Osterstimmung. So auch bei Familie Kasper und den Töchtern Emilia (15) und Elea (12). Beide sind bekannt aus dem Ostereierbuch „Sonnenrad und Wolfszähne“, herausgegeben 2016 vom Sorbischen Museum Bautzen. Das ist nun fünf Jahre her. Heute verzieren sie noch immer Ostereier – gemeinsam mit den Eltern und mit großem Erfolg.

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In der Fastenzeit geht es los. Emilia und Elea haben sich künstlerisch gefestigt und kreativ weiterentwickelt. Emilia verziert nunmehr schon seit über zehn Jahren die Eier in der Bossier- und Batiktechnik. Die jüngere Schwester Elea hat es noch weiter gebracht. Sie ist auch in der ein- und mehrfarbigen Kratztechnik auf gutem Kurs. Die Anregungen dafür erhielt sie von Renate Richter aus Senftenberg, eine Hobbykünstlerin, die die Kratztechnik perfekt beherrscht und die zu den Ostermärkten in der Lausitzhalle und in Neuwiese stets präsent war. Zu den vielen Tipps, die die Senftenbergerin Elea gab, gehörte auch das maschinelle Eierkratzen. Die neue Technik hat Elea derart fasziniert, dass ihr die Eltern auch so eine Maschine kauften. Da wurde der Anreiz zur Kratztechnik noch größer. Was wohl auch zeigt: Selbst in althergebrachtes künstlerisches Handwerk greift Technik ein. Auch Ostereierverzierer müssen in die Zukunft blicken.

Familie Kasper bedauert natürlich den erneuten Ausfall des Mittellausitzer Ostereiermarktes in Neuwiese. Besonders für Emilia und Elea war das stets eine gute Möglichkeit der Präsentation. Nicht nur, dass Emilia und Elea älter wurden, sondern vor allem ihre künstlerische Qualität hat sich sichtlich gesteigert. Neue Ideen und Muster flossen ein, doch trotz Experimenten sind es immer sorbische Muster auf den Ostereiern geblieben.

Die Schwestern haben inzwischen eine neue Stufe ihres Hobbys erreicht: Mit Erfolg nehmen beide an dem vom Förderkreis für sorbische Volkskultur e.V. ausgelobten „Wettbewerb um das schönste Sorbische Osterei“ teil. Die Platzierungen sprechen für sich. Schon 2013 errang Emilia einen dritten Platz in ihrer Altersgruppe. 2019 folgte Platz 2 in ihrer Altersgruppe und 2020 erhielt sie sogar den Jugendförderpreis. Ihre jüngere Schwester belegte 2019 und 2020 den ersten Platz in ihrer Altersgruppe, wobei es auf Anhieb gleich auch mit der Kratztechnik klappte. Eingereicht werden in jeder Technik je zwei verzierte Hühnereier. So auch in diesem Jahr.

Mama und Papa wachen natürlich über die weitere Entwicklung und geben fachkundige Hinweise. So auch bei den Versuchen, Gänse- und Straußeneier zu bemalen, was nicht ganz einfach ist. Eine gute Partnerin ist Birgit Pattoka aus dem Nachbardorf Bergen. Die von den Mädels verzierten Eier beschriftet sie. So entstehen ganz individuelle Geschenke. Die ehemalige Grundschulklassenlehrerin von Emilia erhält bis heute ein traditionell verziertes Ei zu Ostern. Mittlerweile hat sie eine kleine Sammlung zusammengetragen.

Der kleine Bruder Tonda (8) befindet sich beim Ostereiermalen im Anfangsstadium und muss noch viel lernen. „Vor allem Geduld“, so Mutter Christina. Die Begeisterung von Emilia und Elea ist groß, sodass es an Nachwuchs auch zukünftig nicht mangelt. Schließlich sind sie nicht die Einzigen, die dieses Brauchtum weiterführen. Das ist sehr erfreulich, aber so manche geschickte Hand von einst ruht inzwischen für immer, manche andere krankheitsbedingt. Die Seidewinkler sind stolz, dass es solche talentierten Mädchen in ihrem Dorf gibt.

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