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Jazz-Posaune und ein Gebote-Film

Das Lausitz Festival 2021 macht auch in Hoyerswerda und Lauta Station – mit hochklassigen Künstlern und Ansprüchen.

EIN BLICK ZURÜCK: Das Chorkonzert „Gebete am Meer“ im Rahmen des Lausitz-Festivals am 4. Oktober 2020 auf Hoyerswerdas Lausitzer Platz thematisierte die „Flüchtlings“-Krise seit 2015 am Mittelmeer.
EIN BLICK ZURÜCK: Das Chorkonzert „Gebete am Meer“ im Rahmen des Lausitz-Festivals am 4. Oktober 2020 auf Hoyerswerdas Lausitzer Platz thematisierte die „Flüchtlings“-Krise seit 2015 am Mittelmeer. © Archivfoto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Europas Kunst – Festival“ kündigt die Website an – und tatsächlich, betrachter man allein das Programm, scheint dieser Selbst-Anspruch nicht zu hoch gegriffen: Versprochen werden für die Zeit vom 25. August bis 18. September 2021 „Theater – Konzert – Jazz – Liederabend – Ausstellung – Gespräch – Film – Literatur.

80 Veranstaltungen an 50 Orten

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Anders gefasst „Das Lausitz Festival fördert und fordert ein auf Kultur gegründetes Selbstverständnis von Europa in der Kunst, in dem es die zu unbekannte, aber kulturell reiche Region der Lausitz in performativen Austausch mit der Welt bringt. Dieses Jahr ist das spartenübergreifende Festival von dem neu erfundenen Wort «Zwischensamkeit» geprägt, das das Gefühl, sich auf einer Schwelle zu befinden, etikettiert und einlädt, neue Rezeptionsräume zu entdecken.“ Knapp 80 Veranstaltungen an 50 Orten in der Nieder- und Oberlausitz in Sachsen und Brandenburg sollen Kräfte vor Ort mit internationalen Größen zusammenbringen. Schirmherren sind erneut die Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen und des Landes Brandenburg, Michael Kretschmer und Dr. Dietmar Woidke. Beide nahmen auch am Pressegespräch zur Vorstellung des Programms durch den Intendanten des Festivals, Daniel Kühnel, teil.

Keine Richtung, sondern ein Zustand

Das diesjährige Motto „Zwischensamkeit“ erläuterte dieser wie folgt: „Auch wenn diese Wortneuschöpfung so natürlich klingt wie Aufmerksamkeit, Einsamkeit, Wirksamkeit oder Achtsamkeit, irritiert das Wort, das keine Richtung oder Bewegung vorgibt, sondern vielmehr einen Zustand beschreibt, der den Moment des Erstaunens ob der Realisation bevorstehender Veränderungen einfängt ... Das «Lausitz Festival» fördert und fordert aus der geografischen Mitte Europas in den Genres Konzert, Theater, Liederabend, Jazz, Ausstellung, Film, Gespräch und Literatur ein auf Kunst und Kultur gegründetes Selbstverständnis. Das maßgeblich aus Bundesmitteln finanzierte Festival bringt die Nieder- und Oberlausitz in performativen Austausch mit der Welt, um im lebendigen Strukturwandel ein Europa von Morgen zu formen, in dem den Grundfragen der europäischen Kultur im Lokalen der Lausitz nachgespürt wird, die wie keine andere Region für den Übergang steht. Diese ‘Zwischensamkeit‚ bezeichnet ein Innehalten, das durch die Erfahrung von Kunst zur Bewusstwerdung in Kultur gerinnen kann“, erhofft sich Daniel Kühnel.

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer sagte: „Kunst und Kultur sind wichtig für unser Leben, sie prägen uns und stiften Identität. Trotz Corona haben wir im vergangenen Jahr einen erfolgreichen Auftakt erlebt. Es ist wunderbar, und ich freue mich, dass das «Lausitz Festival» fortgeführt wird und nun in die zweite Runde geht. Dieses gemeinsame und länderübergreifende Kulturfestival in der Nieder- und der Oberlausitz hilft dabei, Menschen zusammenzubringen. Es steht in einer Region, die im Wandel ist, für das Verbindende, für positive Energie, Kreativität und Aufbruch. Mein ausdrücklicher Dank gilt dem Bund für die Unterstützung dieses ganz besonderen Festivals in unserer Heimat in der Mitte Europas.“

Festivalprogramm / Tickets unter www.lausitz-festival.eu

Lausitz Festival 2021 in Hoyerswerda und dessen näherer Umgebung

Mo, 30. August, 19.30 Uhr: Jazz-Posaunist Nils Wogram mit „Bright Lights“ und „Root 70 with Strings“ (Nils Wogram + Root 70 with Strings)
„Nils Wogram ist seit Albert Mangelsdorff der sicherlich bekannteste Posaunenvirtuose in der deutschen Jazzlandschaft. Auf seinem Instrument, das solistisch eher selten im Rampenlicht steht, beherrscht Wogram eine atemberaubende Bandbreite an Techniken und Zwischentönen, was er auf seinem Ende 2020 erschienenen Album „Bright Lights“ eindrücklich gezeigt hat. In der Lausitzhalle Hoyerswerda wird Wogram sowohl solistisch als auch mit seinem Quartett „Root 70“ auftreten, das – um drei Streichinstrumente ergänzt – ganz besondere Klangsphären und Zwischentöne entstehen lässt.“
Nils Wogram (Posaune), Hayden Chisholm (Saxophon), Matt Penman (Kontrabass), Jochen Rueckert (Schlagzeug), Gareth Lubbe (Viola), Gerdur Gunnarsdottir (Violine), Adrian Brendel (Violoncello)

Hoyerswerda, Lausitzhalle
Lausitzer Platz 4
Tickets ab 17,50 Euro

So, 5. September, 11.00 Uhr: „Ludwig van Beethoven 9. Symphonie ohne Chor in drei Sätzen und einer Aktion“
„Mit dem (Schillerschen) Wort «Freude» ruft Beethoven den Menschen zu: «Seid umschlungen Millionen!» […] Und dieses Wort wird die Sprache des Kunstwerkes der Zukunft sein“ prophezeite Richard Wagner. Nach drei Sätzen Symphonie erleben wir eine musik-theatrale Aktion, die Beethovens Original mit seinem „Heiligenstädter Testament“ amalgamiert: Die Stummheit der Corona-Monate und die Taubheit Beethovens werden zum sinnlich erfahrbaren Horizont, von dem sich Sylvain Cambreling erwartet, dass er „uns dazu bringt, auf ganz neue Weise über weltumspannende Brüderlichkeit und über das Wesen echter Freude nachzudenken“.
Sylvain Cambreling (Dirigent), Christoph Marthaler und Joachim Rathke (Regie), Katharina Schumacher (Schauspielerin), Julia Felten, Liliana Schneider, Til Simon (Gebärdensprache), Symphoniker Hamburg

Hoyerswerda, Lausitzhalle
Lausitzer Platz 4
Tickets ab 17,50 Euro

Do, 9. September, 19.30 Uhr: Dekalog, Sechs
Krzysztof Kieslowski„Der sechste Teil der von den zehn Geboten inspirierten Filmreihe Krzysztof Kieslowskis dreht sich um Liebe und Sexualität: Der neunzehnjährige Tomek spioniert die doppelt so alte Magda per Fernglas aus. Aus dem distanzierten Blick auf eine andere Person wird eine leidenschaftliche Nähe, die schwer zu ertragen ist und dazu führt, eigene Parameter neu zu setzten. In subtiler Farbsymbolik und brillanter Kameraführung wird das Sehen selbst zum Thema.“
Spielfilm-Zyklus, Pl. 1988/89 , ca. 55 min, Regie: Krzysztof Kieslowski

Lauta, Kulturkirche
Nordstraße 12

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