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Jede Menge Platz und neue Online-Formate

Wie das Internationale Informatik- und Begegnungszentrum Sachsen in Laubusch mit Ideen der Corona-Krise trotzt.

Die ehemalige Brifa-Verwaltung ist ein Tagungsort und Hotel zugleich.
Die ehemalige Brifa-Verwaltung ist ein Tagungsort und Hotel zugleich. © Archivfoto: Ralf Grunert

Laubusch. Viele Menschen kennen das Gebäude von außen, sie wissen aber nicht, was im Inneren geschieht – seitdem das ehemalige Verwaltungsgebäude der Laubuscher Brikettfabrik im Jahr 2007 von der Stiftung Internationales Informatik- und Begegnungszentrum Sachsen (IBS) erworben und entsprechend hergerichtet wurde. Immerhin schon 2008 startete das IBS mit ersten Veranstaltungen. Seither nutzt unter anderem die Industrie die Räumlichkeiten für die Vorstellung von Produkten.

Studenten finden sich in Laubusch ein, um sich mit wissenschaftlichen Themen zu befassen. Unternehmen halten Tagungen und Workshops fernab des Großstadttrubels in der Ruhe des Lausitzer Seenlandes ab. Und zunehmend wird das Gebäude auch privat genutzt, wie vom Vorstandsvorsitzenden der IBS-Stiftung, Prof. Dr. Wolfram Hardt, zu erfahren ist. Familienfeiern an Wochenenden mit 30 bis 40 Personen fanden schon öfter statt. Die im Gebäude befindlichen 33 Zimmer mit Hotel-Niveau und die Gastronomie im Haus bieten sich dafür auch an.

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Ausfälle fast kompensiert

Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen beendeten allerdings den bis dahin gewohnten Betrieb des unter Denkmalschutz stehenden Hauses. So sind im vergangenen Jahr etwa 70 Veranstaltungen ausgefallen. Die Umsatzeinbußen beziffert Prof. Hardt, der an der TU Chemnitz Technische Informatik lehrt, auf rund 100.000 Euro. Durch Einnahmen aus Online-Angeboten und durch Fördergelder konnten immerhin 90 Prozent des Ausfalls abgedeckt werden.

Dennoch kam man nicht umhin, sieben Mitarbeiter des zehnköpfigen Teams, von dem das Haus unter normalen Umständen am Laufen gehalten wird, in Kurzarbeit zu schicken, nachdem Überstunden abgebummelt und Urlaub aufgebraucht war. „Wir haben aber niemanden entlassen“, merkt Prof. Hardt an. Aktuell kümmern sich drei Mitarbeiter um das Tagesgeschäft, einmal im Monat kommt das gesamte Team zusammen. Das stärke den Zusammenhalt im Team, dem auch vier behinderte Mitarbeiter angehören. „Wir sind ein Integrationsunternehmen“, betont er.

Mit Ideen und neuen Angeboten stemmt sich das IBS gegen die Auswirkungen der Corona-Krise. „Mit unseren großzügigen Räumlichkeiten helfen wir Partnern in der Region.“ Wie Nico Helmenstein, der Technische Leiter des IBS, wissen lässt, kam eine erste Anfrage aus dem medizinisch-therapeutischen Bereich. „Die Flut von Negativnachrichten, ungewisse Zustände am Arbeitsplatz und die Mehrbelastung durch Homeschooling wirken sich unmittelbar auf die Psyche aus. Ich habe viel mehr Anfragen und suche kurzfristig einen Therapieraum.“ Mit diesem Anliegen hatte sich Ilka Hirsch, die eine Psychotherapeutische Praxis in Löbau betreibt, an das IBS gewandt. Bei einer Besichtigung war sie vom Musikzimmer begeistert. So finden seit Monaten Therapiesitzungen – mit Abstand und Hygiene-konform – im IBS statt.

„Wir können aber noch mehr tun“, so der Hinweis von Prof. Hardt, der auf das allgegenwärtige Thema Homeoffice zu sprechen kommt. Das IBS hat kurzerhand die 33 Hotelzimmer zu Büros umfunktioniert. Jedes Zimmer verfügt über einen Schreibtisch, eine eigene Toilette und – das versteht sich von selbst – über WLAN. Bei Bedarf wird Catering im Haus angeboten, das über eine moderne Küche verfügt. Auch stehen großzügige, Corona-konforme Ruhezonen zur Verfügung. Prof. Hardt betrachtet das als ideale Alternative zu einem Großraumbüro oder zu engen Büros. „Arbeitgeber können die Büros bei uns für ihre Mitarbeiter buchen.“ Seminar- und Tagungsräume stehen außerdem zur Verfügung. Und bei Bedarf könne sogar ein Spielzimmer für Kinder hergerichtet werden. Für dieses Angebot habe es im Internet viel Zuspruch gegeben, allerdings aus der Ferne. „Wir brauchen aber die Menschen hier aus der Region“, sagt Prof. Hardt.

Bei einem Informatik- und Begegnungszentrum liegt es auf der Hand, dass sich viele Dinge im Internet abspielen. Das „Talent Forum“ ist ein vom IBS kreiertes Format, das sich der Frage widmet: Wie kommen Unternehmen in Zeiten von Corona zu Fachkräften? In einer Videokonferenz präsentieren sich Unternehmen einem ausgewählten Absolventen-Kreis. Die Studenten werden vom IBS über Mailings an die Hochschulen informiert, erläutert Prof. Hardt. Für sie ist die Teilnahme kostenlos. „Firmen können bei uns ein Präsentations-Paket buchen.“ Im vergangenen Jahr fanden fünf solche Foren statt. „Wir würden gern monatlich einen Termin anbieten.“ Um Firmen für diese Form der Mitarbeiter-Akquise zu begeistern, will man verstärkt auch Unternehmer aus der Region ansprechen.

Wie wär‘s mit „Virtual Cooking“?

Den letzten Feinschliff bekommt derzeit das Projekt „Virtual Cooking“. Hierbei denkt das IBS-Team an die Schaffung eines Gemeinschaftserlebnisses, das zum Beispiel anstelle einer Weihnachtsfeier oder als Jahresend-Event begeistern könnte. Per Videoübertragung aus der IBS-Küche wird gemeinsam ein Gericht gekocht, erläutert Prof. Hardt. Bei der Buchung erfolgt die Abstimmung zum Menü, dessen Zutaten dann rechtzeitig vor dem Termin des „Virtual Cooking“ versandt werden. „Unser Koch kann echt gut kochen“ schwärmt der IBS-Vorstandschef und kündigt an: „Dieses Format soll in den nächsten zwei Wochen live gehen. Man kann es schon buchen.“

Kontakt: IBS Begegnungszentrum; Nico Helmenstein;
Telefon 035722 939693 bzw. 0800 5 939693 (kostenfrei);
E-Mail: [email protected];
weitere Infos auf der Homepage unter www.ibs-laubusch.online

Prof. Dr. Wolfram Hardt im Musikzimmer des IBS. Hier finden seit ein paar Monaten Therapiesitzungen – mit Abstand und Hygiene-konform – statt. Darüber hinaus stehen unterschiedlich große Seminar- und Tagungsräume für Veranstaltungen zur Verfügung.
Prof. Dr. Wolfram Hardt im Musikzimmer des IBS. Hier finden seit ein paar Monaten Therapiesitzungen – mit Abstand und Hygiene-konform – statt. Darüber hinaus stehen unterschiedlich große Seminar- und Tagungsräume für Veranstaltungen zur Verfügung. © Foto: Ralf Grunert
Die 33 Hotelzimmer des Hauses wurden in Zeiten von Homeoffice kurzerhand zu Büros umfunktioniert.
Die 33 Hotelzimmer des Hauses wurden in Zeiten von Homeoffice kurzerhand zu Büros umfunktioniert. © Foto: Ralf Grunert

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