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„Jetzt ist wieder Pioniergeist gefragt“

Der Manager des Lausitz-Centers Hoyerswerda, Dieter Henke, über Misslichkeiten, Optimismus und den 28. Februar

Lausitz-Center-Manager Dieter Henke, vorschriftsmäßig bemaskt, in der spätnachmittäglichen (weitestgehend leeren) Einkaufszeile.
Lausitz-Center-Manager Dieter Henke, vorschriftsmäßig bemaskt, in der spätnachmittäglichen (weitestgehend leeren) Einkaufszeile. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. An normalen Vor-Corona-Tagen besuchten zehntausend Menschen täglich das Lausitz-Center Hoyerswerda. Wer heute im späten Nachmittag durch die Ladenzeile geht, trifft manchmal auf der „halben Strecke“, etwa zwischen Mittlerem Lichthof und Ehrenhain-Ausgang, zwei verlorene Besucher, die eher eilig vorbeihasten. Kein Wunder: Bis auf die Geschäfte, die „Waren des täglichen Bedarfs“ (Lebensmittel, Zeitungen, Drogerie-Artikel, Apotheken-Sortiment) verkaufen, ist alles zu. Selbst „Click & Collect“ (im Internet bestellen und im Laden vor Ort abholen) ist ja in Sachsen als übrigens einzigem Bundesland verboten. Im benachbarten Brandenburg hingegen dürfen sogar noch Buchhandlungen offen sein. Wir sprachen mit Lausitz-Center-Manager Dieter Henke darüber, ob nun eine Art Endzeit-Stimmung herrscht.

Herr Henke – am Tage gegen 16 Uhr erkennt man das Center kaum wieder. Wo sonst heiter-geschäftiges Treiben herrschte, gemäß Ihrem Anspruch: „Lebendiger Marktplatz und Treffpunkt der Generationen“, scheint heute „Totentanz in allen Sälen“ angesagt ...

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Ganz klar gesagt: Das stimmt – und es stimmt andererseits NICHT. Ja, am Nachmittag, so gegen 14, 15 Uhr, sind unsere Besucherzahlen um 90 % niedriger als in Vor-Corona-Zeiten. Ganz einfach, weil sich die Menschen jetzt schon am Vormittag mit den „Waren des täglichen Bedarfs“ versorgen. Vormittags haben wir „nur“ etwa zehn Prozent Besucher weniger als im normalen Betrieb. Das ist ein Zeichen, dass uns die meisten Besucher, speziell aus dem direkten Umfeld, trotz aller Misslichkeiten die Treue halten. Für die etwas weiter weg Wohnenden ist das ja auf Grund der 15-Kilometer-Regel nicht möglich (Sachsen erlaubt für Einkäufe nicht, sich weiter als 15 Kilometer vom Wohnort zu entfernen, Ausgangspunkt ist die eigene Adresse, die im Ausweis steht. Von da aus wird in Luftlinie gerechnet, d. Red.). Andererseits gibt es nichts zu beschönigen: In Summe haben wir momentan einen Frequenzverlust von etwa 60 Prozent zu beklagen.

Das klingt schon dramatisch. Zugespitzt gefragt: Ab wann wird es für das Center, für seine Mietpartner, speziell im Textil-Bereich, lebensbedrohlich?

Dass es mit Ladenöffnungen im Januar nichts werden würde, war doch schon bei der Veröffentlichung der scheinbar dazu Hoffnung lassenden Bekanntmachung im Dezember 2020 klar. Darauf hat sich auch jeder nüchtern Denkende eingestellt; einstellen müssen. Für mich ist vielmehr der 28. Februar ein entscheidendes Datum.

Warum gerade der?

Unseren Händlern ist das Weihnachtsgeschäft komplett weggebrochen. Wenn nun auch das Frühjahrsgeschäft nicht stattfinden darf, dann, fürchte ich, werden viele unserer Mode-Partner in sehr, sehr, sehr ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Schauen Sie doch nur auf die „Großen“ wie Adler (die im Center nicht vertreten sind, d. Red.): Ende 2019 noch eine glänzende Liquiditäts-Bilanz – jetzt, kaum ein gutes Jahr später, Anmeldung der Insolvenz. Was, glauben Sie, ist da die Lage der „Kleinen“, die nur aus privaten Rücklagen bisher überleben konnten? Und die versprochenen Hilfen des Bundes? Erst war die EDV (elektronische Datenverarbeitung, „Software“) nicht da, um zeitnah Unterstützung zu geben – und jetzt ist sie da, legt aber zugleich die Hürden so hoch, dass wieder viele daran scheitern werden, scheitern müssen ...

Das klingt jetzt in Summe bitter.

Bitter ist die Lage in der Tat. Aber, wissen Sie: Politiker möchte ich jetzt auch nicht sein. Egal, was sie tun: Es ist falsch. Gibt es Lockerungen, und die Zahl der Infizierten, Kranken und Toten steigt weiter an, heißt es: „Warum habt ihr nichts getan?“ Sinkt die Zahl bei Beibehaltung der strengen Regeln, während es anderswo in lockereren Gegenden besser wird, heißt es: „Warum habt ihr mit Maßnahmen, deren Wirkung keiner beweisen kann, die Wirtschaft zugrunde gerichtet?“ Es ist doch so, dass keiner weiß, was auch nur der nächste Tag bringt, was wirklich Abhilfe schafft. Man kann nur versuchen, nach bestem Wissen und Gewissen das Richtige zu tun.

Aber jeder versucht es anders. Und gerade das verunsichert doch die Menschen, lässt Zweifel; ja: Wut aufkommen. Warum ist beispielsweise in ganz Deutschland „Click & Collect“ erlaubt, nur in Sachsen nicht? Warum gelten in jedem Bundesland, oftmals sogar unterhalb der sächsischen 15-Kilometer-Grenze, andere Regelungen? Dabei sind wir noch besser daran als Bayern, das ja nun sogar erwägt, eine bestimmte Sorte von Masken zur Pflicht zu erklären.

Ja, das macht ratlos. Aber noch einmal: Wer es wirklich besser weiß und kann, der möge sich in Berlin melden. Er wird sicherlich mit Handkuss aufgenommen werden. Für uns gilt doch aber: Was können WIR vor Ort, etwa in Hoyerswerda, tun, um diese Zeit zu überstehen?

Da bin ich jetzt aber sehr gespannt.

Das Wichtigste ist, dass das Gemeinschaftsgefühl nicht verloren gehen darf. Das sehe ich auch als meine erste Aufgabe zurzeit an. Ich bin täglich sechs, acht Mal in der Ladenstraße unterwegs; versuche, Mut zu machen, zu vermitteln: „Gemeinsam stehen wir das durch!“. Und noch ist ja das Miteinander-Gefühl im Lausitz-Center und in Hoyerswerda stark. Als Beispiel möchte ich nur unsere „200-Kinderwünsche-werden-wahr“-Weihnachtsaktion nennen, bei der eben jenes Miteinander ganz deutlich wurde. Wenn das nicht mehr da sein sollte – dann wird es echt kritisch.

Trotzdem: Mit Glauben und Wollen allein ist es doch aber nicht getan.

Nein; natürlich nicht. Darum müssen wir schon heute überlegen, was wir ganz unmittelbar „nach Corona“ tun können; gemeinsam. Der Internet-Handel hat jetzt enorm Terrain erobert? Dann müssen wir als Einzelhandel alles tun, um das Vertrauen unserer Kunden zurückzugewinnen, müssen fragen „Hast Du tatsächlich alles, was du brauchst, wenn du im Internet bestellst“? Das Lausitz-Center ist ja nicht nur Einkauf; es ist auch Freizeit, Erholung und Aktion. Wir müssen die Menschen an uns binden. Wir dürfen nicht auf der Position des „Wir-sind-Opfer“, des „Wir-können-nichts-Tun“ verharren, sondern müssen überlegen, was wir eben DOCH tun können. Lassen Sie es mich so sagen: Jetzt ist wieder Pioniergeist gefragt!

Und was kann das Lausitz-Center konkret im Frühjahr tun?

Wir wollen mit der Frühjahrsbepflanzung des Hauses durch den Dessauer Gartenbau Steffen wieder optimistisches Flair einziehen lassen. Wir wollen mit der statischen Modenschau Frühjahr/Sommer, deren Modelle wöchentlich wechseln, optische Glanzpunkte schaffen. Und wir wollen mit der Osterdekoration einen Jahreshöhepunkt gestalten. Kann daraus sogar ein Ostermarkt oder eine Osteraustellung werden, wäre das natürlich extra schön – für uns und unsere Gäste gleichermaßen.

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