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„Kalt gemangelt ist besser als heiß gebügelt“

Die Gemeinde Lohsa hat weiterhin eine Wäscherolle. Nun wird eine Betreuungskraft gesucht.

Torsten Heider, Mitarbeiter der Gemeinde Lohsa, zeigt die historische Wäscherolle im Gebäude neben dem Kindergarten Lohsa. Sie soll bald wieder in Betrieb gehen.
Torsten Heider, Mitarbeiter der Gemeinde Lohsa, zeigt die historische Wäscherolle im Gebäude neben dem Kindergarten Lohsa. Sie soll bald wieder in Betrieb gehen. © Foto: Andreas Kirschke

Lohsa. „Seiler’s Maschinenfabrik Liegnitz. Patentamtlich geschützt“ steht auf dem Firmenschild der Wäscherolle. Darunter ist der Bedienhebel. Hinter dem Schutzgitter sind Grundgestell, Gewichtskasten und Mechanik mit Zug- und Führungsstange verankert. Ein Elektromotor mit Transmissionsriemen treibt die Wäscherolle an. „Das ist grundsolide Technik: robust, zuverlässig und einfach in der Handhabung. Das ist noch Technik, die für 100 Jahre gebaut ist“, meint Torsten Heider, Sachbearbeiter für Gebäudemanagement im Bau- und Ordnungsamt der Gemeinde Lohsa, über die Wäscherolle im Gebäude neben dem Lohsaer Kindergarten „Märchenland“.

Lange Zeit stand sie früher ungenutzt im Keller der Grundschule „Am Knappensee“ in Groß Särchen. Dort wird nun der Platz für Lager und Archiv gebraucht. Auf Initiative von Bürgermeister Thomas Leberecht kam die Wäscherolle von Groß Särchen nach Lohsa. Sie ersetzt jetzt die frühere Wäscherolle im Gebäude am Kindergarten.

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Ursprünglich bestanden in Lohsa nach dem Zweiten Weltkrieg zwei aktive Wäscherollen als Kaltmangeln. „Eine stand im Hof des Kaufhauses Oswald Münzner in einem Nebengebäude. Eine andere war ebenfalls in einem Nebengebäude des Gasthauses ‚Zum weissen Ross‘ untergebracht“, erzählt Reinhardt Schneider (78) aus Lohsa. „Beide Wäscherollen waren in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes und damit zentral erreichbar. Durch Ortserweiterungen in Lohsa – bedingt durch Umsiedlungen infolge des Braunkohlen-Bergbaus – waren sie später dezentral untergebracht.“

Pflege durch Siedlerverein

So wurde eine Wäscherolle in den 1960er-Jahren im Neidaer Weg / Ecke Schlesische Straße aufgestellt. Dort nahm sie der Siedlerverein in Verantwortung. Die zweite Wäscherolle kam in Verantwortung der Gemeinde Lohsa. Sie wurde in einem Nebengebäude der früheren Schule (heute Kindergarten „Märchenland“) untergebracht. Außer in Lohsa gab es ebenfalls unter anderem in Litschen, Steinitz und Koblenz eine Wäscherolle.

Das Gebäude für die Wäscherolle in Lohsa im Neidaer Weg entstand durch das Nationale Aufbauwerk. „Viele Einwohner halfen damals mit. Das waren Einwohner im Bereich Ratzener Straße, Schlesische Straße, Siedlerstraße, Alte Bahnhofstraße, Siedlung Forst und Am See“, schildern Heidrun Brocke (68) und ihr Mann Waldemar Brocke (72) vom Siedlerverein Lohsa. Für die Betreibung, Pflege, Instandsetzung und Reparatur der Wäscherolle war in der DDR der Verein der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) verantwortlich. Im Anbau des Wäscherolle-Hauses wurden Düngemittel und Bezugsscheine für Futtermittel ausgegeben. „Gerade das Wäsche-Rollen eignet sich gut für Handtücher, Decken, Bettwäsche und Tafeltücher – große Wäschestücke. Im Prinzip passt es für jede Wäsche ohne Knöpfe und ohne Reißverschluss“, sagt Heidrun Brocke. Beim Rollen, so betont sie, wird Wäsche auf kaltem Wege geglättet, gestrafft und gepresst. So wird Wäsche glänzend und aufgelockert. „Beim Bügeln hingegen wird die Wäsche eher stumpf“, meint die Lohsaerin und betont: „Kalt gemangelt ist besser als heiß gebügelt.“ Wäsche zu rollen, so unterstreicht sie, ist nicht teuer, oft praktischer und qualitätsvoller als bügeln. Heidrun Brocke selbst rollt ihre Wäsche heute zu Hause mit eigener Wäschemangel. Sie nimmt sich Zeit dafür.

Zerlegt und entsorgt

„Unsere Wäscherolle vom Siedlerverein war robuste Technik. Es gab kaum etwas zu reparieren“, erinnert sich ihr Mann Waldemar an die Wäscherolle des Siedlervereins. Zum Ende der 1980er-Jahre besorgte der Siedlerverein eine neue Wäscherolle. Sie war moderner und mit einem Getriebemotor ausgestattet. Im Jahr 2007 wurde sie wegen technischer Mängel und wegen fehlender Sicherheit stillgelegt. Eine Reparatur wäre sehr aufwendig gewesen. Hinzu kamen die jährlichen Kosten für den TÜV und für die Haftpflichtversicherung. „All dies konnte unser Verein nicht mehr stemmen“, erinnert sich Waldemar Brocke. „Wir haben die Wäscherolle dann im Internet und bei der Gemeinde angeboten. Leider wurden wir sie nicht los. So mussten wir sie zerlegen und schließlich entsorgen…“

Reparatur zu teuer

Was übrig blieb in Lohsa, das war die Wäscherolle in Lohsa am Kindergarten. Dort stellte die Gemeinde voriges Jahr Totalschaden fest. „Das Zug-Gestänge war verbogen. Die Halte-Vorrichtung am Gewichtskasten war gebrochen“, sagt Torsten Heider als Verantwortlicher. „Eine Reparatur hätte mindestens 5.000 Euro gekostet. Das wäre mit immensem Aufwand verbunden gewesen. Leider gab es für dieses Modell ‚L. A. Thomas Großröhrsdorf / OL‘ keine Ersatzteile mehr. So mussten wir sie schweren Herzens stilllegen.“

Ehrenamtliche Kraft gesucht

Die Gemeinde Lohsa gab die defekte Wäscherolle an André Jakubetz in Mortka weiter. Er kann sie dort für Ausstellungszwecke noch sinnvoll verwenden. Zugleich suchte die Gemeinde nach einer Lösung für Lohsa. Die im Keller der Grundschule Groß Särchen stehende Wäscherolle bot sich als Ersatzlösung für Lohsa an. Im März wurde jene Wäscherolle „umgesiedelt“ und in Lohsa im Nebengebäude am Kindergarten wieder aufgestellt. „Sie ist etwas kleiner als die ursprüngliche Rolle. Doch sie erfüllt ihren Zweck. Sie ist unkompliziert in der Bedienung“, betont Torsten Heider. Die Gemeinde sorgt künftig für Betreibung, Pflege, Wartung und Reparatur der Wäscherolle. Zugleich sucht sie eine verantwortliche Kraft vor Ort, die dort Buch führt, betreut und kassiert. Die Gemeinde, so betont Torsten Heider, würde die technische Einweisung geben. „Es soll nicht noch einmal zum Totalschaden kommen.“ Erste Nachfragen zum Rollen gibt es schon. Doch noch fehlt eine Betreuung.

Die Gemeinde will die historische Technik jetzt sorgfältig erhalten und regelmäßig pflegen und warten. Bald soll die Wäscherolle wieder in Betrieb gehen. „Gerade in der heutigen schnelllebigen oft oberflächlichen Zeit ist sie ein Stück bewahrenswerte Geschichte“, verdeutlicht Torsten Heider. Es lohnt sich, sie für den Alltag und für die Nachwelt in Lohsa zu erhalten.“

An der Betreuung der Wäscherolle Interessierte melden sich bitte bei Torsten Heider von der Gemeinde Lohsa unter 035724 569308.

„Seiler’s Maschinenfabrik Liegnitz. Patentamtlich geschützt“ steht auf dem Firmenschild der Wäscherolle. Darunter ist der Bedienhebel. Ein Elektromotor mit Transmissionsriemen treibt die Wäscherolle an.
„Seiler’s Maschinenfabrik Liegnitz. Patentamtlich geschützt“ steht auf dem Firmenschild der Wäscherolle. Darunter ist der Bedienhebel. Ein Elektromotor mit Transmissionsriemen treibt die Wäscherolle an. © Foto: Andreas Kirschke

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