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Kann Hoyerswerda Wissenschaftler anlocken?

Die Stadt ist beim Wettbewerb um ein Großforschungszentrum an drei Projekten beteiligt.

In Dresden-Rossendorf betreibt Helmholtz Krebsforschung (hier Dr. Martin Kreller). Das Institut zeigt Interesse an Aktivitäten in Hoyerswerda.
In Dresden-Rossendorf betreibt Helmholtz Krebsforschung (hier Dr. Martin Kreller). Das Institut zeigt Interesse an Aktivitäten in Hoyerswerda. © Foto: HZDR / Frank Bierstedt

Hoyerswerda. Im Rennen um die Ansiedlung eines Großforschungszentrums in der Lausitz ist Hoyerswerda mit gleich drei Projekten vertreten. Vor ein paar Tagen war im Wettbewerb „Wissen schafft Perspektiven für die Region!“ von Bundesforschungsministerium und Land Sachsen Abgabefrist für die erste Runde, in der so eine Art Ideenskizzen sowie kurze Bewerbungsvideos abzugeben waren. Es geht im Zusammenhang mit dem Ausgleich für die wirtschaftliche Schwächung der Lausitz und des Mitteldeutschen Reviers durch das beschlossene Ende der Kohleverstromung um insgesamt zwei Forschungszentren – mit jeweils um die 1.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie mit Jahres-Budgets von jeweils 170 Millionen Euro.

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Bewerben dürfen sich allerdings nur wissenschaftliche Einrichtungen. Das Rathaus hatte daher zunächst um die 30 Briefe an Forschungs-Institutionen wie die Max-Planck-Gesesellschaft oder an Firmen mit eigenen Forschungsabteilungen wie Tesla geschrieben, um Interesse zu wecken sowie Unterstützung bei einer eventuellen Bewerbung anzubieten. Anschließend gab es für die Interessenten vom Foucault-Gymnasium aus eine Video-Konferenz, bei der die Stadt und drei andere Kommunen aus der Region sich näher vorstellten. Die Gespräche und Kontakte, so berichtete es dieser Tage Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) führten drei Initiatoren dazu, sich im Fall der Auswahl für Hoyerswerda beziehungsweise die Region zu entscheiden. Entsprechende schriftliche Absichtserklärungen sind in die jeweiligen Bewerbungen eingeflossen.

Zukunftsfabrik von Fraunhofer

Erster Partner ist die Fraunhofer-Gesellschaft, die nach eigener Darstellung „weltweit führende Organisation für anwendungsorientierte Forschung“. Sie betreibt derzeit 75 Institute und beschäftigt rund 29.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ihre „Zukunftsfabrik Lausitz – Forschungs- und Transferzentrum für Wasser, Energie und Ernährungstechnologien“ soll Standorte in Hoyerswerda, Lauta, Kamenz und Reichenbach / Oberlausitz bekommen. Im Bewerbungsvideo spricht Fraunhofer von „Weltthemen“, für die es ein globales Praxislabor realer Größe brauche. In der Lausitz soll also erforscht werden, mit welchen Mitteln und Wegen die drei knappen Ressourcen a) sauberes Wasser, b) ökologisch erzeugte Energie und c) nachhaltig hergestellte Nahrungsmittel künftig zur Verfügung gestellt werden können. Fraunhofer-Leute waren auch schon hier vor Ort.

Medizin-Forschung von Helmholtz

Die zweite Absichtserklärung liegt für eine Idee der Helmholtz-Gemeinschaft vor. Darin haben sich 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren zusammengeschlossen. Das in Dresden-Rossendorf beheimatete Helmholtz-Zentrum plant unter dem Begriff „Saxome(d)ter“ medizinische Forschung für auf einzelne Patienten zugeschnittene Diagnose und Therapie. Es geht also um individuelle statt um standardisierte Behandlung. „Für den Fall, das Vorhaben Saxome(d)ter wird als Großvorhaben gefördert und aufgebaut, wird sich die Stadt Hoyerswerda im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Ressourcen einbringen, beispielsweise mit sofort nutzbaren Immobilien, Entwicklungsflächen und Infrastruktur“, heißt es in der entsprechenden Erklärung, die neben Ruban-Zeh auch Klinikums-Chef Mirko Papenfuß unterschrieben hat.

Schwerpunkt Künstliche Intelligenz

Das dritte Vorhaben dreht sich um Künstliche Intelligenz in der Arzneimittelforschung. Initiator ist der in Wittichenau lebende Wissenschaftler Professor Dr. Peter Schierack, der an der Fakultät für Umwelt und Naturwissenschaften der BTU Cottbus-Senftenberg forscht und lehrt. Die Stadt Hoyerswerda spricht beim Vorhaben Med-AI von „revolutionären Ideen zur leistungsfähigen Wirkstoff-Forschung und Entwicklung von Impfstoffen“.Jetzt folgt Phase 2Dem Ideenwettbewerb, an dem sich unter anderem auch die Unis in Dresden, Chemnitz und Freiberg beteiligt haben, folgt jetzt Phase 2. Im Sommer werden für beide Reviere je drei Projekte ausgewählt, für die es schon einmal jeweils bis zu 500.000 Euro gibt. Damit können dann binnen eines halben Jahres fundierte Konzepte ausgearbeitet werden. Bis 2023 sollen die beiden Großforschungszentren für die (hier sächsische) Lausitz und das Mitteldeutsche Revier dann etabliert, also gegründet sein.

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