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Kindergarten-Freifläche soll schrumpfen

Für drei Eigenheim-Bauparzellen müsste der Zaun des Kinderhauses am Elsterbogen in Hoyerswerda versetzt werden.

Dort, wo der Zaun des Kinderhauses am Elsterbogen verläuft, soll Baugrund für drei Einfamilienhäuser zur Verfügung gestellt werden.
Dort, wo der Zaun des Kinderhauses am Elsterbogen verläuft, soll Baugrund für drei Einfamilienhäuser zur Verfügung gestellt werden. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Laut Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) stehen einem Kindergartenkind nach gültigen Regeln zehn Quadratmeter Außenspielfläche zu. Diese Größe fließt in die Berechnung der staatlichen Zuschüsse für Kitas ein. Beim Kinderhaus am Elsterbogen der Arbeiterwohlfahrt wären demnach 2.650 Quadratmeter Garten erforderlich. Es sind jedoch mehr als 12.000 – auch, weil die Awo einst der Stadt Fläche abgenommen hat, deren Pflege durch die Stadt nicht gewährleistet werden konnte.

„Es lässt sich nicht bewirtschaften“, stellt allerdings auch Awo-Chef Marcus Beier fest. Erst recht ist das so, seit es von staatlicher Stelle im Zusammenhang mit Sanierungsarbeiten im Kindergarten kritische Fragen dazu gegeben hat.

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Gleichzeitig kann das Rathaus gegenwärtig die Nachfrage nach Bauflächen für Einfamilienhäuser nicht befriedigen. Man verfiel also auf den Gedanken, vom Awo-Garten etwas dafür abzuknapsen. Zunächst dachte man an die Fläche parallel zum Fließ. Das wäre umweltrechtlich aber wohl schwierig. Nun sollen an der Kolpingstraße direkt gegenüber dem seit 2017 gewachsenen Wohngebiet „Zur Alten Elster“ drei Bauparzellen bereitgestellt werden. Die Awo würde der Stadt 1.200 Quadratmeter abtreten, so zusammen mit schon öffentlichem Grund drei gut 800 Quadratmeter große Parzellen ermöglichen und im Gegenzug ein städtisches Grundstück zum Parkplatz-Ausbau vor einem der beiden Eingänge erhalten. Das Rathaus würde den neuen Baugrund dann veräußern. So käme Geld in die klamme Stadtkasse.

Treffen mit dem Bürgermeister

Nachdem der Oberbürgermeister, bis voriges Jahr Beiers Vorgänger, bei seiner Bürgersprechstunde im August über die schon länger existierenden Gedankenspiele berichtet hatte und das im Tageblatt sowie bei Hoyte24 berichtet wurde, fielen zunächst die Eltern des Kinderhauses aus allen Wolken. Am Dienstag fasste im Stadtrat Jens Dubrau (Aktives Hoyerswerda) die Bedenken zusammen: Soll man wirklich für drei Eigenheime Kindern Spielfläche wegnehmen? Etwa zur selben Zeit gab es eine Elternversammlung, bei der das Vorhaben ebenfalls zur Sprache kam. Schon tags zuvor trafen sich gut ein Dutzend Mitglieder des Elternrates mit Bürgermeister Mirko Pink (CDU), der die Sachlage danach mit den Worten zusammenfasste: „Im Grunde ist das ein Schmerz, den man verkraften kann.“ Die Elternratsvorsitzende Anett Linke bestätigt, dass man zähneknirschend bereit sei, die Sache hinzunehmen. Es gebe allerdings ein paar Forderungen: „Uns ist wichtig, dass die Spielgeräte erhalten bleiben und wo das nicht geht, versetzt werden. Das Gleiche gilt für die Bäume.“ Die Bushaltestelle vor dem Kita-Zaun könne zwar verlegt werden, aber ihr generelles Bestehen müsse zugesichert werden. Auf der anderen Seite der Kolpingstraße hat die ehemalige Schul-Haltestelle für das einstige Haus II des Lessing-Gymnasiums schließlich auch nicht weichen müssen. Die Käufer der entsprechenden Parzelle haben ihren Grundstückszaun einfach an drei Seiten darum herum gebaut. Ein weiterer Punkt ist die Sorge der Eltern, dass nach dem Bau der drei Eigenheime deren Bewohner juristisch gegen Kinderlärm vorgehen und womöglich auch noch obsiegen könnten. Das Rathaus möge also bitte beim Abschluss der Kaufverträge darauf achten, dass es dazu nicht kommen kann.

Bisher kein Baurecht

Man spricht seit Neuestem also schon über die Details. „Die Awo muss jetzt sagen, ob sie es will oder nicht“, meinte Ruban-Zeh vorige Woche. Marcus Beier reagierte mit der Versicherung, man sei zum Flächentausch nach wie vor bereit. Es fehlen nun also noch die Unterschriften unter einem Vertrag, aber nicht nur diese. „Es gibt bis auf eine Skizze bisher noch null Planungen“, sagt das Stadtoberhaupt und meint das baurechtlich. Es dürften nicht zuletzt zudem noch Stadtratsbeschlüsse erforderlich sein. Freilich haben sich die Überlegungen bereits herumgesprochen. Denn nach Auskunft des Rathauses gab es für die drei potenziellen Grundstücke schon mehr als 20 Interessenbekundungen.

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