Hoyerswerda
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Kleiner Denkmalschatz mit Macken zu haben

Die Stadt Hoyerswerda trennt sich vom Haag 2. Doch es geht nicht allein ums Geld.

Von Uwe Schulz
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Dorfidylle mitten in der Stadt – Straßenansicht von Am Haag 2.
Dorfidylle mitten in der Stadt – Straßenansicht von Am Haag 2. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Denkmalschutzstatus, aufsteigende Feuchtigkeit im Nebengebäude, Dachstuhl und Bodentreppe sichtbar von holzfressenden Käfern befallen, veraltete Elektrik, Einfachverglasung in den Fenstern – das Expose der Stadt Hoyerswerda zum Objekt Am Haag 2 ist schonungslos ehrlich. Die Stadt will sich von dem 710 Quadratmeter großen Grundstück, bebaut mit einem eingeschossigen Wohnhaus samt Nebengebäude, einem Wirtschaftsgebäude mit Ausgedinge und Garage, trennen.

Das Mindestgebot beträgt 105.000 Euro. Doch es geht nicht allein um den Verkauf und den größtmöglichen Erlös, sondern auch um das Nutzungskonzept. Denn abgesehen von der Neueindeckung des Daches und dem Anbringen eines Wärmedämmverbundsystems vor 30 Jahren ist das kleine Haus mit dem Nebengelass glücklicherweise jahrzehntelang baulich unangetastet geblieben. Wer für so etwas einen Blick hat, der bekommt hier ein unverbasteltes, altes Gehöft mit Dielung, originalen Fensteröffnungen, Herd, Kachelofen, alten Türen und einem für das Hoyerswerda in der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende mit seinem hohen Grundwasserstand typischen Halbkeller. Also einerseits herrliche alte Substanz und andererseits gibt es viel zu tun. Einfach einziehen geht jedenfalls nicht.

Das Gehöft Am Haag 2 stammt laut offizieller Denkmalliste aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals war das heutige Gässchen tatsächlich noch eine eigene Gemeinde. Sie wurde erst 1890 Teil der Stadt. Viel ist über die Immobilie selbst nicht bekannt. Irgendwann wurde sie jedenfalls zum Wirtschaftsgebäude des damaligen Tierparks. Hier war Technik untergebracht und viele Jahre die Heizungsanlage. Mindestens ab 1988 diente das Wohnhaus zeitweilig wieder als Wohnhaus.1992 erfolgten einige Grundsanierungsarbeiten, auch wenn die Wirtschaftsgebäude weiter vom Zoo genutzt wurden, so wurde das Wohnhaus dem Arbeitskreis für Umwelt und Frieden e.V. zur Verfügung gestellt, der hier acht Jahre lang eine Umweltbibliothek und ein Café betrieb. Allerdings hatte sich aus dem Arbeitskreis heraus bereits 1993 eine sogenannte Verbrauchergemeinschaft für ökologisch erzeugte Lebensmittel und Naturkost gegründet. Im Jahr darauf öffnete sie im Vereinshaus an der Liselotte-Herrmann-Straße im WK I ihren Ökoladen. Aufgrund tiefgreifender Veränderungen im Verein wurde er in Ökologischer Arbeitskreis umbenannt, die Bibliothek wurde aufgelöst und der Ökoladen zog hierher um. Freilich ließ die Intensität der Vereinsarbeit in den letzten Jahren deutlich nach. Projekte wie etwa die Arbeit mit Kindergartenkindern im rückwärtigen Kräutergarten an der Alten Berliner Straße oder Tage der offenen Tür wie am Anfang gab es nicht mehr. Der Laden wurde von Simone Kienitz betrieben. Allerdings kam dann im Laufe der Corona-Pandemie so einiges zusammen, zudem starb die Betreiberin. Da war der Mietvertrag bereits seitens der Stadt gekündigt worden.

Es gab im November 2021 aus dem Umfeld des sich auflösenden Vereins schließlich einen Hoftrödel bzw. Ausverkauf, danach wurde das Gebäude an die Stadt Hoyerswerda übergeben, die ihrerseits augenscheinlich auch im restlichen Ensemble einen besenreinen Zustand herstellte und den zur Alten Berliner Straße weisenden Garten einebnen ließ. Jetzt ließ man für die Immobilie ein Expose samt Wertgutachten erstellen und hofft eben auf Interessenten mit einer Idee, die dem in dieser Form seltenen Ensemble neues Leben einhauchen.