merken
PLUS Hoyerswerda

Knappenhüttensiedlung kein Dauerwohnen

Die Gemeinde Lohsa will jetzt per Bebauungsplan festzurren, was bei Koblenz erlaubt ist und was nicht.

Dieses Luftbild der Knappenhüttensiedlung ist gut vier Jahre alt. Aktuell läuft noch die Seesanierung. Die Siedlung ist davon nicht mehr direkt betroffen.
Dieses Luftbild der Knappenhüttensiedlung ist gut vier Jahre alt. Aktuell läuft noch die Seesanierung. Die Siedlung ist davon nicht mehr direkt betroffen. © Archivfoto: Rico Hofmann

Lohsa. Die Siedlung an der Knappenhütte soll weiter langfristig zur Erholung als Wochenendhaus-Gebiet dienen, nicht aber mehr als dauerhafter Wohnsitz. Schrittweise mit einer Frist von 15 Jahren soll das Dauerwohnen zurückgestellt werden. Dass das so kommen würde, war absehbar. Seit Jahren ringt die Gemeinde Lohsa um den Status der Siedlung. Jetzt war die Siedlung wieder Thema im Gemeinderat. Denn das Gebiet der Siedlung ist im genehmigten Flächennutzungsplan der Gemeinde bislang noch eine weiße Fläche.

Die Feriensiedlung Knappenhütte entstand ursprünglich in den 1970er-Jahren. Damals gehörten Finnhütten, Appartementhäuser, die Gaststätte „Knappenhütte“, das Wohnhaus des Hausmeisters oder Objektleiters, die Rezeption sowie Werkstätten und Kleinbetriebe zum Areal. Die Siedlung diente ausschließlich als Ferienobjekt und bot zahlreiche Urlauber-Unterkünfte. In den 1990er Jahren wurden die einzelnen Ferien-Unterkünfte zur Wochenend-Nutzung verkauft, der frühere Wirtschaftshof wurde für gewerblichen Zwecke genutzt. Heute ist dort die Firma ETIG GmbH (Elektronische Industrie Automatisierungs GmbH) tätig als Dienstleister im Bereich Automatisierungstechnik, Automatisierung, Elektrotechnik und weiteren Fachgebieten. Im Laufe der Jahre zogen einige Eigentümer dort oben dauerhaft ein, haben keinen anderen Wohnsitz.

Familienkompass 2020
Familienkompass 2020
Familienkompass 2020

Welche Ergebnisse bringt der Familienkompass 2020 für die sächsischen Gemeinden und unsere Region hervor? Auf sächsische.de bekommen Sie alle Infos!

Das ist nur eine von mehreren Konfliktsituationen, die es mit einem Bebauungsplan zu lösen gilt. Die Gemeinde hat sich dafür professionelle Hilfe geholt. In ihrem Vortrag zur Ratssitzung erläuterte Dr. Barbara Braun vom verantwortlichen Planungsbüro Freie Architekten Dr. Braun & Barth Dresden diese Konflikte und mögliche Lösungen.

Erstes Problemfeld ist die bauliche Nutzung. Derzeit bestehen in der Siedlung etwas mehr als 100 Nutzungseinheiten, davon werden etwa zwei Drittel als Wochenendhäuser und ein Drittel für nicht zulässiges Dauerwohnen genutzt. „Dauerwohnen steht nicht in Einklang mit den gültigen baurechtlichen Grundlagen“, unterstrich die Planerin. Als Lösung regte sie an, die Erholungsnutzung durch Festlegung eines Wochenendhaus-Gebietes langfristig zu sichern. Das bestehende Dauerwohnen soll befristet noch bis zu 15 Jahren möglich sein. Schrittweise und sozial verträglich soll es in dieser Zeit zurückgestellt werden.

Probleme durch Waldnähe

Zweites Problemfeld ist der Wald. Statt wie vorgeschrieben 30 Meter, beträgt der Abstand äußerer Gebäude in der Knappenhütten-Siedlung teilweise nur unter zehn Meter zum Wald. Wie damit umgehen in der Zukunft? „Rechtmäßig errichtete und genutzte Gebäude genießen Bestandsschutz“, erläuterte Barbara Braun die Rechtslage und fügte hinzu: „Bauliche Maßnahmen im Waldabstand sind eingeschränkt und bedürfen einer Einzelfall-Prüfung. Ersatzneubauten, geringfügige bauliche Erweiterungen bestehender Gebäude, Feuerungsanlagen mit Sicherungen gegen Funkenflug können zugelassen werden.“

Ein drittes Konfliktfeld ist der Immissionsschutz. Aus der Wochenend-Nutzung ergibt sich ein Schutz-Anspruch, um das Erholungswohnen sicherzustellen. Dabei, so die Planerin, könnte es zum Konflikt mit der benachbarten gewerblichen Firma kommen. Die Planerin erklärte, dass deshalb parallel an der Aufstellung eines Bebauungsplanes für den Gewerbebetrieb gearbeitet wird. „Im Gewerbebetrieb“, so lautet das Ziel, „sind nur Nutzungen zulässig, die das Erholungswohnen nicht stören.“

Enteignungen sind nicht möglich

Ein vierter Konflikt betrifft das Landschaftsschutzgebiet. Die Wochenend-Siedlung liegt mitten im Landschaftsschutzgebiet „Knappensee“. Dafür beantragt die Gemeinde die Ausgliederung der Siedlung aus dem Landschaftsschutzgebiet.

Ein fünftes Konfliktfeld zeichnet sich mit der Kippe des früheren Tagebaus ab. Die Siedlung liegt direkt auf der Kippe des früheren Tagebaus Werminghoff I. Um die Standfestigkeit zu gewährleisten, muss bei bestimmten Maßnahmen ein Sachverständiger für Geotechnik mit einbezogen werden. Das gilt unter anderem bei Ausgrabungen von mehr als einem Meter Tiefe, bei Aufgrabungen mit Maschinen-Einsatz, bei zusätzlichen Lasten in den Boden, bei Errichtung baulicher Anlagen sowie von Wasserentnahme- und Versickerungsanlagen.

Zulässig sollten weiter Schank- und Speisewirtschaften sein. Wohnungen sind in Ausnahmefällen für den Hausmeister und für die Verwaltung zulässig sowie im Gebäude des ehemaligen Hausmeisters, welches auch als Wohngebäude errichtet wurde. Zu schaffen ist mit dem Bebauungsplan eine Rechtsgrundlage, auf der Umbauten, aber auch Ersatz-Neubauten an den Wochenendhäusern genehmigt werden können. Diese wesentlichen Planziele und Planinhalte beschrieb Dr. Barbara Braun ebenfalls.

Die Gemeinderäte konnten diesen mehrheitlich folgen und beschlossen ebenso mehrheitlich bei drei Enthaltungen den Entwurf zum Bebauungsplan „Wochenendsiedlung an der Knappenhütte“. Der Entwurf liegt jetzt demnächst zur Einsicht aus. Träger öffentlicher Belange können Stellung nehmen.

Der Gemeinderat Lohsa hatte bereits am 11. Januar 2008 den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan Knappensee gefasst. Mit Beschluss vom 19. April 2018 legte der Gemeinderat die Planungskosten für die Erstellung eines Bebauungsplanes fest. Sie liegen bei 47.000 Euro. Nach der jetzigen Offenlegung des Planentwurfs folgt die Abwägung der Stellungnahmen. Daraufhin kann dann der Gemeinderat den Abwägungs- und Satzungs-Beschluss zum Bebauungsplan „Wochenendsiedlung Knappenhütte“ fassen.

Auf Nachfragen von Gemeinderäten verwies Lohsas Bürgermeister Thomas Leberecht (CDU) auf die unterschiedlichen Interessen im Bereich der Knappenhütte. All dies gelte es mit zu beachten. „Selbst bei den Dauerwohnenden gibt es unterschiedliche Meinungen“, erläuterte der Bürgermeister während der Ratssitzung auf Nachfragen. Könnte es sogar zu Enteignungen kommen bei den Dauerwohnenden? Das wollte Gemeinderat Tilo Babick (Freie Wähler Lohsa) wissen. Planerin Barbara Braun verneinte dies. Erholungswohnen ist ja für alle Eigentümer zulässig. Man benötigt eben einen anderen Hauptwohnsitz. „Ich denke, der jetzige Vorschlag ist ein faires, vertretbares Angebot für alle Nutzer“, unterstrich die Planerin. Der Verein „Knappenhütten-Siedlung“ könne sich im weiteren Verfahren wieder einbringen.

Mehr zum Thema Hoyerswerda