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Kompetenzzentrum in Weißwasser eröffnet

Die Einrichtung ist ein Novum, ein wichtiges Instrument für erfolgreichen Strukturwandel und Anlaufstelle für alle.

Weißwasser Oberbürgermeister Torsten Pötzsch, der Görlitzer Landrat Bernd Lange, Staatsminister Thomas Schmidt, Romy Reinisch – im Kompetenzzentrum Bereichsleiterin für das Lausitzer Revier – und SAS-Geschäftsführer Jörg Mühlberg (v.l.n.r.)
Weißwasser Oberbürgermeister Torsten Pötzsch, der Görlitzer Landrat Bernd Lange, Staatsminister Thomas Schmidt, Romy Reinisch – im Kompetenzzentrum Bereichsleiterin für das Lausitzer Revier – und SAS-Geschäftsführer Jörg Mühlberg (v.l.n.r.) © Foto: Joachim Rehle

Weißwasser. Großes Medien-Interesse gab es vor einigen Tagen in Weißwasser und die Anwesenheit von Dutzenden Entscheidungsträgern von der kommunalen bis zur Bundesebene belegten die Bedeutung dessen, was mit einem kleinen Festakt vollzogen wurde: die offizielle Eröffnung des Kompetenzzentrums Strukturwandel Lausitz im Stadtwerke-Gebäude.

Neben der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung (SAS) sind hier auch die Wirtschaftsinitiative Lausitz, die Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz (ENO), die Sächsische Aufbaubank (Förderbank), die Bürgschaftsbank und die mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen sowie die Technologiegründerfonds vertreten. Unter dem Slogan „Entwicklung. Von Grund auf gemeinsam“ agieren hier künftig Finanz- und Wirtschafts-Strategen sowie weitere Experten vernetzt und unter einem Dach.

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Alle an einem Tisch

„BürgerInnen, Unternehmen, Projektträger und Kommunen müssen mit ihren Anliegen, Ideen, Fragen, Antragstellungen, Problemen im Rahmen der Vorbereitung, Begleitung und Umsetzung des Strukturwandels nicht von Tür zu Tür gehen. Alle sitzen an einem Tisch. Es wird umfassend, schnell und unbürokratisch beraten; es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht“, fasst Jörg Mühlberg, SAS-Geschäftsführer, das Kompetenzzentrum-Prinzip zusammen. Durch die konstruktive Zusammenarbeit auf Augenhöhe könnten Projekte wesentlich schneller geplant, beantragt und realisiert werden. Auch die Ansprechpartner könnten so schneller erfassen, wo aktuelle Herausforderungen liegen und Prozesse anpassen.

„Dieses Zentrum ist ein Novum für die Region und ein wichtiges Instrument für eine erfolgreiche Strukturentwicklung im Lausitzer Revier in den kommenden Jahren. Im Zentrum bündeln wir alle Kräfte und Ansprechpartner der Ansiedlungs- und Wirtschaftsentwicklung, der Förder- und Projektentwicklung in Weißwasser. Eine Ansiedlung weiterer Akteure ist bereits geplant und ausdrücklich erwünscht, um das Beratungsportfolio entsprechend zu vergrößern“, erklärte Staatsminister Thomas Schmidt zur Eröffnung. Und er unterstrich, dass das Zentrum gegründet wurde, weil nicht in Dresden entschieden werden dürfe, was in Weißwasser passiere. „Nur wenn der Strukturwandel auf Akzeptanz trifft und die Menschen, die am besten wissen, was nötig ist, einbezogen werden, wird er erfolgreich.“ Schließlich seien die durch den Bund und dessen Strukturwandel-Finanzierung „angelegten Fesseln“ ziemlich eng. Umso mehr brauche es die Akteure vor Ort, um die Spielräume zu nutzen und Nachhaltiges zu schaffen. Auch Landrat Bernd Lange weiß, dass man in Berlin „genau hinguckt, was wir machen und ob wir es hinkriegen“. Aber, so der Landrat weiter, endlich sei man an dem Punkt, wo Weißwasser und die Region ins Bild rücken. „Der Blick darauf muss aber realistisch und ehrlich sein. Unsere Region unterscheidet sich erheblich vom Speckgürtel um Leipzig.“

Hoffen auf ergänzende Mittel

Gehofft wird, dass neben den zehn Milliarden Bundesgeldern für den Strukturwandel in den beiden sächsischen Revieren – davon entfallen 6,5 Milliarden auf Bundesprojekte wie den Ausbau der Bahntrasse Berlin–Görlitz – noch viele weitere ergänzende Mittel fließen, um regionale Projekte und Vorhaben realisieren zu können.

So wie etwa ein Gesundheitsresort in und um Weißwasser. „Das Krankenhaus Weißwasser steht immer wieder in Frage wegen der dünnen Besiedlung im ländlichen Raum, und Bad Muskau könnte ein Versorgungsloch durch Sole und Gesundheitsangebote stopfen. Aber das braucht Kraft und Geld“, äußerte Landrat Bernd Lange. Dies gelte auch für die Vermarktung der Region als interessanter Wirtschaftsstandort. „Die Niederschlesische Magistrale verbindet Krakau mit dem Ruhrgebiet, und wir können Baurecht in nur sechs Wochen schaffen. So was findet man sonst nirgends.“ Und, so Lange weiter, der Kreis Görlitz plane die Umwandlung seiner Feriengesellschaft in eine Flächenmanagement-Gesellschaft, um Kommunen bei Ansiedlungen und Erweiterungen neuer und Bestandsunternehmen zu entlasten. Im Zuge dessen komme auch das Kompetenzzentrum ins Spiel, da die dort beteiligten Banken zusätzliche Förderprogramme anbieten könnten. Beispielsweise für Start-ups.

Keine Zerstörung wie 1990

„Entscheidend für den Erfolg des Strukturwandels ist es, Kräfte zu bündeln und die Lust der Wirtschaft auf die Lausitz zu wecken“, sagte Staatsminister Schmidt. Darauf hofft auch Weißwasser Oberbürgermeister Torsten Pötzsch, der sich froh zeigte, das Zentrum in der Stadt zu haben.

„Der Weg zum Strukturwandel ist sehr lang und geht erst los. Er braucht, neben Ideen und Projekten, auch Organisationsstrukturen und Ziele, ohne die das zur Verfügung stehende Geld nicht verteilt werden kann. All dies wird künftig von Weißwasser aus gemanagt.“ Zudem verwies Pötzsch mit Nachdruck darauf, dass eine Zerstörung „von Werten und Chancen“, wie 1990, durch den Strukturwandel nicht erneut passieren dürfe. „Unser gemeinsamer Anspruch ist daher, die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Strukturen in einer europäischen Modellregion Lausitz zu verbessern und die Menschen auf dem Weg dahin einzubeziehen.“

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