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Konfrontation im Deutsch-Unterricht

Eine Meinungsverschiedenheit zum Fernbleiben von einem Sprach-Kurs in Hoyerswerda wurde ziemlich hitzig.

© Quelle: privat

Hoyerswerda. Ist Bildung wichtiger als Religion? Oder ist Religion wichtiger als Bildung? Eine Meinungsverschiedenheit dazu ist vorige Woche in einem Sprachkurs für Asylbewerber in der Stadt eskaliert. Resultate sind im Moment unter anderem Unterrichtsboykott, eine Strafanzeige und eine amtliche Befassung mit der Sache.

„Dem Jobcenter liegt eine entsprechende Beschwerde vor. Diese wird aktuell geprüft und im Anschluss dieser Prüfung mit allen Beteiligten ausgewertet werden“, sagt Mandy Noack vom Landratsamt Bautzen.

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Die Konfrontation entzündete sich am islamischen Opferfest. Das Internetlexikon Wikipedia dazu: „Weil das Opferfest und das Fastenbrechen unter allen Muslimen unumstritten und in allen islamischen Rechtsschulen verbindlich als die wichtigsten Feste des Islam gelten, können sich Schüler islamischen Glaubens an diesem Tag in den meisten Bundesländern vom Unterricht befreien lassen.“

Konkret blieben vorige Woche Dienstag vier Männer und zwei Frauen dem Sprachunterricht bei der Loesernet.com GmbH im WK III fern. Vier der Betreffenden schreiben in der Beschwerde ans Jobcenter, sie hätten ihr Fernbleiben angekündigt – offenbar recht einseitig. „Wir nehmen, was islamische Feiertage angeht, Rücksicht. Das betrifft vor allem den Ramadan und das Zuckerfest. Auf den oben genannten Feiertag wollten wir nicht eingehen, weil wir ohnehin durch die Corona-Pandemie erhebliche Zeitverzüge bei der Kursdurchführung hatten. Auch sind unsere Teilnehmer im Kurs nur vier Stunden am Tag da“, sagt Loesernet-Geschäftsführer Dr. Günter Hanke. Die unterschiedlichen Prioritäten führten schließlich am Mittwoch, als die sechs Sprachschüler wieder anwesend waren, zu besagter Kontroverse. In der Beschwerde an das Jobcenter, die auch im Internet kursiert, heißt es über den Dozenten: „Er beleidigte uns mit bösen Worten, die man so nicht ausspricht.“ Loesernet-Chef Günter Hanke spricht von einer heftigen verbalen und tätlichen Auseinandersetzung. Die Diskussion über Regeln und Protokolle in Deutschland habe dazu geführt, dass einer der Betreffenden einen anderen Kursteilnehmer angegriffen, Unterrichtsmaterial beschädigt und den Dozenten verbal attackiert habe: „Er hat ihn bedroht und gesagt, er wisse wohl auch, wo seine Familie zu finden ist.“

Loesernet.com hat Anzeige erstattet und den besagten Mann des Kurses verwiesen. Dieser wiederum hat wohl die drei anderen Männer überzeugt, hinzuwerfen. „Eine weitere Fortführung der Maßnahme von uns erfolgt nicht mehr“, heißt es im Beschwerdebrief. Das Landratsamt und Loesernet.com versuchen nun, die Wogen zu glätten. Die Bildungsfirma sucht nach eigenen Angaben am heutigen Mittwoch das Gespräch mit den drei Kurs-Schwänzern, um Ruhe in den Kurs zu bekommen.

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