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Krabat-Stele am Marktplatz als Verweilort gestalten

Das Projekt „Plaudern mit Schadowitz“ soll Wittichenau touristisch aufwerten.

Ideengeber sind Genealoge Hans-Jürgen Schröter (r.) aus Wittichenau und Restaurator Jörg Tausch aus Rohne. Hier sind sie gemeinsam an ihrem Stand beim jüngsten Krabat-Markt in Hoyerswerda zu sehen.
Ideengeber sind Genealoge Hans-Jürgen Schröter (r.) aus Wittichenau und Restaurator Jörg Tausch aus Rohne. Hier sind sie gemeinsam an ihrem Stand beim jüngsten Krabat-Markt in Hoyerswerda zu sehen. © Foto: Andreas Kirschke

Wittichenau. Unscheinbar vor parkenden Autos steht sie am Marktplatz. Erst auf den zweiten, sorgfältigen Blick erschließt sie sich. Die Krabat-Stele in Wittichenau soll durch das Projekt „Plaudern mit Schadowitz“ zu einem originellen Verweilort werden. Initiator Hans-Jürgen Schröter stellte das Projekt kürzlich dem Stadtrat genauer vor.

Wie entstand das Projekt?

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Den Anstoß gab der Aufruf zum Ideenwettbewerb Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft im März 2021. Hans-Jürgen Schröter reichte seine Idee daraufhin ein. Sie gewann den 1. Preis dotiert mit 6.000 Euro Preisgeld. „Das Projekt soll die Entstehungsgeschichte, Einmaligkeit und künstlerische Bedeutung der Krabat-Stele erläutern. Ebenso geht es mir um den Erhalt und um die Gefahrenabwehr für die Stele. Für Einwohner und Touristen soll dieser Platz ein Verweilort und Wissensort werden“, unterstreicht der Wittichenauer.

Wer sind die Ideengeber?

Hans-Jürgen Schröter ist seit 2005 freiberuflicher Genealoge. Er befasst sich intensiv mit Familiengeschichts- und Erbenforschung, auch mit Mythenforschung. So ist unter anderem ein Schwerpunkt die historisch verbürgte Persönlichkeit des kroatischen Obristen Johann von Schadowitz (1624-1704), nach dem die Krabat-Sage entstand. Unterstützt wird Hans-Jürgen Schröter von Jörg Tausch aus Rohne. Er ist Maler, Stuckateurmeister, Restaurator und Lehrer für Kunsterziehung im deutsch-sorbischen Schulkomplex Schleife.

Welche Geschichte hat die Stele?

Die Krabat-Stele entstand 1985 bis 1989. Den Auftrag gab der damalige Rat des Bezirkes Cottbus. Dort bestand das Büro für architekturbezogene Kunst. Bildhauer Hans Alfred Eickworth (1930-1995) fertigte die Stele. „Die Realisierung war nicht ganz vertragsgerecht, sondern künstlerisch. Der Bildhauer ließ viel Kreativität einfließen“, sagt Hans-Jürgen Schröter. Aufgestellt wurde die Stele zum VII. Festival der Sorbischen Kultur 1989. Drei Mal wurde die Stele schon restauriert.

Was beinhaltet die Krabat-Stele?

Sie zeigt Krabat in doppelter Hinsicht: als Mensch ein Gelehrter und als Verzauberter ein Rabe. „Und das in einer Person vereint“, sagt Hans-Jürgen Schröter. „In der Hand trägt er einen Raben. Elf weitere Raben sind auf dem Rundbalkon zu sehen.“ Die Stele zeigt zudem neun Wappen-Ornamente, neun kleine Gesichtsporträts und drei Schriftzüge – in deutscher, obersorbischer und niedersorbischer Sprache. Zu sehen ist ebenfalls die Figurengruppe mit dem Lehrer, Richter oder Verwalter, mit der slawischen Frau samt Kind, mit dem Müller aufrechten Blicks, mit der deutschen Marktfrau und mit der Magd. „Es sind Menschen aus dem Volk im 18. und 19. Jahrhundert“, erläutert der Wittichenauer.

Was bedeuten die Inschriften?

Eine deutsche Inschrift ist „Dem Sorbischen Volkshelden Krabat“ gewidmet. In Obersorbisch zu lesen ist „Hono zboža wusych – wusych zboža sony“ von Jurij Brězan. Das heißt übersetzt „Ein Feld mit Glück hab ich gesät, gesät des Glückes Träume“. In Niedersorbisch vermerkt die Stele: „Dušny serbski Guslowar H. & Mejsiař Krabat“. Das heißt übersetzt: „Dem edlen sorbischen Herrn & Zaubermeister Krabat.“

Was macht die Stele einzigartig?

Die Stele, so unterstreicht Hans-Jürgen Schröter, zeigt zwei wesentliche Krabat-Figuren: den Krabat der Oberlausitz (Rabe auf der Hand) und den Krabat der Niederlausitz (als Gelehrten) – und das mit ihren frühesten Nachweisen in einem Denkmal vereint. „Die Stele ist ein einmaliges geschichtshistorisches Alleinstellungsmerkmal – für Wittichenau und für die gesamte Lausitz. Sie ist eines der letzten noch bekannten und schutzwürdigen Werke des Künstlers Hans Alfred Eickworth.“

Worauf zielt „Plaudern mit Schadowitz“?

Die Idee des Projektes ist, einen Verweilort und Wissensort zu schaffen. Im Halbrund um die Stele sollen feste Bänke aufgestellt werden als Betonelemente mit Fahrradeinschub und Sitzflächen. Hinzu kommen drei zweisprachige Informationstafeln und eine lebensgroße Plastik des Obristen Johann von Schadowitz. „Diese soll einladen zum Fotomotiv“, sagt Hans-Jürgen Schröter. Die Gesamtkosten liegen nach erster Schätzung bei rund 32.000 Euro. Dafür soll das Preisgeld in Höhe von 6.000 Euro verwendet werden. Die Ideengeber hoffen auf weitere Mittel durch EU, Bund, Land, Kreis und Kommune, ebenso auf Mittel von Stiftungen, Vereinen und Spendern. Im Zeitraum von 2022 bis 2025 soll das Projekt realisiert werden.

Was erhoffen sich die Ideengeber?

„Wir wollen Johann von Schadowitz als Identitätsfigur der Stadt Wittichenau herausstellen“, sagt Hans-Jürgen Schröter. „Unweit der Stele ist in der Katholischen Pfarrkirche bereits die Grabtafel in Erinnerung an Johann von Schadowitz. Beide Orte können sich gut ergänzen. Wir wollen den Besucher gezielt führen und auf weitere Krabat-Orte, wie Schwarzkollm, Eutrich, Groß Särchen und Kamenz, verweisen.“ Als Verweilort und Wissensort bleibt die Krabat-Stele dauerhaft nutzbar, öffentlich zugänglich und zugleich wertvoller Informationsgeber.

Welche langfristigen Ziele gibt es?

Der Wittichenauer Marktplatz wird touristisch dauerhaft aufgewertet. Die Krabat-Stele vermittelt Wissen zur historisch verbürgten Person und auch zur Sage. „Die Chance ist: Wir können das Denkmal als einzige Gesamt-Lausitzer Krabat-Stele aufwerten. Dank des Projektes bleibt die Stele geschützt“, unterstreicht der Ideengeber. „Das Projekt vervollständigt und stärkt zugleich die Erinnerungskultur. Es betont den wahrhaftigen Menschen, den Geist und die wahrhaftige Kraft des Guten. Wir hoffen, dass uns jetzt viele bei der Realisierung tatkräftig unterstützen.“

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