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Kurz in Hoyerswerda, aber prägend

Auch nach über 25 Jahren haben Armin und Gabriele Ahrendt noch eine Beziehung zur Stadt.

Im August 1993 übergab Armin Ahrendt im WK X das neue Spielhaus. Bei solchen Anlässen mit dabei, aber stets im Hintergrund: Ehefrau Gabriele (rechts).
Im August 1993 übergab Armin Ahrendt im WK X das neue Spielhaus. Bei solchen Anlässen mit dabei, aber stets im Hintergrund: Ehefrau Gabriele (rechts). © Archivfoto: Uwe Schulz

Von Angela Donath

Armin Ahrendt, Jahrgang 1936, ist in Köln geboren. Von 1991 bis 1994 war er Bürgermeister der Stadt Hoyerswerda. Seine berufliche Laufbahn begann bei der Verwaltung der Stadt Köln; von dort aus wechselte er zum Landkreis Bonn. Ab 1970 leitete er als Stadtdirektor die Verwaltung von Bad Münstereifel. 1991 folgte er dem Ruf nach Hoyerswerda, zu diesem Zeitpunkt lebten noch rund 62.000 Einwohner in der Stadt. Ab 1994 führte ihn sein beruflicher Weg weiter, er war in unterschiedlichen Funktionen für die thüringische Landesregierung und andere Institutionen tätig. Seit 2002 lebt Armin Ahrendt gemeinsam mit seiner Ehefrau Gabriele wieder in Bad Münstereifel.

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In seiner Hoyerswerdaer Amtszeit passte er die Verwaltung an die in der Bundesrepublik üblichen und notwendigen Strukturen an. Mitarbeitende von damals berichten noch heute von seinen legendären Anrufen nach der Zeitungslektüre am frühen Morgen: Im Fünf-Minuten-Takt wurde zur Klärung eines Sachverhalts oder einer Kritik „eingeladen“. Heute gereichen diese Gespräche zur Anekdote, an die man sich mit einem Lächeln erinnert. Damals lächelte man vor solchen Gesprächen erstmal nicht.

Eines aber hört man aus den Berichten der Weggefährten stets heraus: Es ist die große Achtung und Anerkennung, die sich Armin Ahrendt und seine Frau Gabriele in ihre wenigen Hoyerswerdaer Jahren erarbeitet haben.

Herr Ahrendt, wobei haben wir Sie bei unserem ersten Anruf in Vorbereitung dieses Beitrages gestört?

Auch wenn meine Tage ausgefüllt verlaufen, fühle ich mich durch Ihre Anfrage keineswegs gestört. Es freut mich, dass nahezu 30 Jahre nach meinem Dienstantritt die Kontakte zu Hoyerswerda und zur Lausitz nicht völlig abgebrochen sind. Altersbedingt gilt es jetzt natürlich, ehrenamtliche Aufgaben in jüngere Hände zu legen, die Verbindung zu den verstreut lebenden Kindern und den sechs Enkeln zu verstärken, mehr Zeit für Zeitungslektüre und für Kulturangebote zu nutzen, den eigenen Garten zu pflegen und sich in der Natur zu bewegen, um fit zu bleiben.

Was hat Sie 1991 bewogen, sich um das Bürgermeisteramt in Hoyerswerda zu bewerben?Wie sind Sie in Bad Münstereifel auf Hoyerswerda aufmerksam geworden?

Angehörigen der damaligen Bundesregierung war durch den damaligen Bundestagsabgeordneten Ulrich Klinkert mitgeteilt worden, dass die Kreisstadt einen Bürgermeister sucht. Als Verwaltungschef der Stadt Bad Münstereifel erreichte mich an einem Sonntagnachmittag der Telefonanruf eines Regierungsmitglieds mit der Bitte, mich für die Wahl zum Bürgermeister bereitzustellen. Bis dahin war mir Hoyerswerda unbekannt. Der Freude, so kurz nach der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes dafür einen Dienst leisten zu können, folgte ohne Zögern meine Bewerbung, die schließlich durch den Innenminister von Nordrhein-Westfalen und der damals tätigen Stadtverordnetenversammlung von Hoyerswerda abgesegnet wurde. (Anm. d. Red.: Zu dieser Zeit galt noch die Sächsische Kommunalverfassung, nach der Bürgermeister vom Gemeinderat gewählt wurden. Die Sächsische Gemeindeordnung mit den bis heute geltenden Wahlgrundsätzen trat erst 1993 in Kraft.)

Welche Eindrücke hatten Sie und Ihre Gattin bei Ihrem ersten Besuch?
Wie und wo haben Sie gewohnt?

Das Frühjahrswetter war nicht sehr einladend. Der Anreisetag bescherte mir nach dem Besuch des Bahnhofs die Erkenntnis, dass überregionale Straßen- und Bahnverbindungen für künftige Industrie- und Gewerbeansiedlung zu wünschen übrig ließen. Wir blieben trotzdem neugierig.

Die erste Nacht haben wir in Koblenz, im Hotel „Glückauf“ verbracht. Später wohnten wir zunächst im WK II in der Neustadt, bevor wir dann in der Altstadt einen angenehmen Wohnsitz fanden.

Gab es Menschen, die Ihnen den Anfang ein wenig erleichtert haben, wer war das und wie haben sie das geschafft?

Wir hatten das Empfinden, überall entgegenkommenden Gesprächspartnern zu begegnen. Zu den ersten gehörten mindestens: Ulrich Klinkert, damals Mitglied des Bundestages, Martin Schmidt, damals Kulturdezernent, Dezernent Ulf Scholz, Superintendent Friedhart Vogel, Pfarrer Joseph Hoffmann und viele andere.

Wie gestaltete und entwickelte sich die Zusammenarbeit mit den Beschäftigten in der Stadtverwaltung? Wie wurden Sie von den Hoyerswerdaer Einwohnern aufgenommen?

Für die Verwaltungsangehörigen war nach dem Beitritt zur Bundesrepublik die Anpassung an die veränderten Rechtsverhältnisse und die Unterbringung an 15 Standorten in der Stadt eine Herausforderung, die in offener und vertrauensvoller Zusammenarbeit bürgerfreundlich bewältigt wurde.

Die Begegnungen mit Einwohnern und den Stadtverordneten habe ich ebenfalls freundlich und konstruktiv in Erinnerung.

An welche Ereignisse in Hoyerswerda erinnern Sie sich gerne? 
Auf welche Erfahrungen hätten Sie vielleicht lieber verzichtet?

Dass ich zu meiner Begrüßung in Sachsen die Hoyerswerdaer Ausschreitungen von 1991 geboten bekam, war natürlich für einen Neubürger nicht der erwartete Dienstbeginn. Daraus folgten jedoch später auch zahlreiche positive Entwicklungen für die Stadt. Die große Aufmerksamkeit brachte u. a. nicht zu erhoffende Beachtung bei der Landes- und Bundesregierung. Daraus ergaben sich durch Besuche von Parlamentariern, Ministern und Bischöfen neue Verbindungen, die der Stadt im weiteren Verlauf nutzten, beispielsweise, wenn wir Fördermittel für den Jugend- und Sozialbereich beantragten. Erfreuliches konnte an den Jugendeinrichtungen entstehen, aber auch im Schulbereich, beispielsweise mit der Gründung des evangelischen Gymnasiums, heute Christliche Schule Johanneum. Positive Impulse gab es auch für den gewerblichen Mittelstandsbereich oder bei der Entwicklung des neuen Stadtzentrums.

Private Initiativen für Kinder und Jugendliche, die maßgeblich von meiner Frau Gabriele ausgingen, ließen landesweite Modelle entstehen, wie beispielsweise die Jugendfarm, das Spielmobil, den Kinder-Zirkus „Krabatino“, die Kinderstadt Hoywoy, das Spielhaus im WK X und auch die Spielplatzbetreuung, die in diesen Jahren über entsprechende Projektförderungen noch erfolgen konnte.

Wie oft sind Sie gedanklich, telefonisch oder im Internet „in Hoyerswerda unterwegs“? Wann war Ihr letzter Besuch?

Die mir vorstehend gestellten Fragen gaben Gelegenheit, die Situation von damals nochmals zu wecken und sich gerne zu erinnern. Meine Frau und ich waren im vorletzten Jahr aus Anlass der Jubiläumsfeiern zum 750-jährigen Stadtjubiläum zuletzt in der Stadt. Wir hoffen, dass Alter und Gesundheit gelegentlich eine Wiederholung zulassen.

Erneut stehen die Stadt Hoyerswerda und die gesamte Lausitz durch den bevorstehenden Braunkohleausstieg vor großen Herausforderungen.
Sehen Sie hier die Gefahr eines erneuten Strukturbruchs oder eher eine Chance?

Ohne Kenntnis über den Stand der Landesplanung des Freistaates oder der Stadt heute zu haben, dürfte es sinnvoll sein, die neue Situation als Chance zu prüfen. In Corona-Zeiten liegt es nahe, auch die Möglichkeiten des Tourismus zu untersuchen – allerdings im Verbund und in Zusammenarbeit mit anderen Gebietskörperschaften in der Region.

Gabriele Ahrendt hatte sich in ihrer Hoyerswerdaer Zeit – in ihrer Freizeit – um neue Ideen und Projekte in der Kinder- und Jugendarbeit verdient gemacht. Die Kinder- und Jugendfarm, die heute weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, geht besonders auf ihre Initiative zurück.

Frau Ahrendt, als Sie Hoyerswerda 1994 verließen, steckte die Jugendfarm noch in den Kinderschuhen. Vieles sah noch nach Provisorium aus, weniger Tiere waren dort zuhause, doch die Kinder aus Hoyerswerda liebten die Farm schon damals. Was fühlen Sie heute, wenn Sie die Farm besuchen?

Bei jedem Besuch in Hoyerswerda drängt es mich bald zur Jugendfarm. Wenn ich dann dort die Kinder sehe, werden schöne Erinnerungen geweckt und ich stelle fest, dass die Kinder aus den Gründungsjahren nun schon ihre eigenen Kinder zur Farm bringen.

Eine gewisse Verbindung zu Hoyerswerda besteht bis heute.
Eine gewisse Verbindung zu Hoyerswerda besteht bis heute. © Foto: Angela Donath

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