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Laufente und Amsel gerettet

Diana Kremp aus Bergen hat regelmäßig mit dem Tod zu tun und rettet Tierleben.

Das ist Erich. Die kleine Amsel wird derzeit von Diana Kremp (Foto) und ihrer Mutter aufgepäppelt. Seine Fütterungszeit verschläft der Jungvogel nie.
Das ist Erich. Die kleine Amsel wird derzeit von Diana Kremp (Foto) und ihrer Mutter aufgepäppelt. Seine Fütterungszeit verschläft der Jungvogel nie. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Bergen. Agathes Blick wandert interessiert durch das Fenster nach draußen in den Garten. Die Laufente ist für ein paar Tage in die Badewanne von Familie Kremp eingezogen. Das Tier wäre nämlich beinahe einem Fuchs zum Opfer gefallen. Diana Kremp hat das Dilemma gerade noch rechtzeitig entdeckt und Schlimmeres verhindert. Auch wenn Agathe durch den Fuchsangriff einige Verletzungen davongetragen hat, ist die Prognose des behandelnden Tierarztes gut. Die Chancen, gesund zu werden und bald wieder mit ihren Artgenossen Adolph und Adele zusammen sein zu können, stehen also nicht schlecht.

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Ein gewonnener „Satz Enten“

Diana Kremp hat die drei Laufenten vor vier Jahren bei einem Tischtennisturnier gewonnen. In Windeseile schusterte ihr Ehemann auf dem heimischen Hof in der Elsterheide einen Stall zurecht. Denn so ein gewonnener „Satz Enten“ will bei der Familie artgerecht untergebracht sein. Dass Agathe nun die Badewanne belegt und die Familie nur noch duschen kann, stört niemanden. In dem Mehrgenerationenhaus gibt es kein Leben ohne Tiere. Neben den Laufenten wohnen hier Zwergkaninchen, Katzen und Hündin Aimy. Vor ein paar Tagen ist zudem ein kleiner Vogel eingezogen, vorübergehend. Und auch das ist nicht neu. Diana Kremp hat schon des Öfteren kranken, ausgestoßenen und sterbenden Tieren beim Überleben geholfen.

Junges Wildschwein in Pflege

Für die Bestattungsfachkraft, Trauerrednerin und integrative Trauerbegleiterin ist es völlig normal, Lebensretterin zu sein. So zog die 51-Jährige mehrere Hofkatzen mit der Flasche auf und übernahm später ein Tier zur Pflege, weil es ein neues Zuhause suchte. Die Tierschützerin kümmerte sich unter anderem auch schon um einen Raben und um ein junges Wildschwein. Alle Pflegetiere waren auf Hilfe angewiesen. Nicht alle Tiere haben es geschafft.

Diana Kremp ist sich sehr wohl bewusst, dass das menschliche Eingreifen in die Prozesse der Natur begrenzt und auch nicht immer gut ist. Aber die 51-Jährige weiß genau, wann Hilfe vonnöten ist. Den jüngsten Findling namens Erich hat Diana Kremps Chef Enrico Pech vom gleichnamigen Bestattungshaus auf dem Weg zur Arbeit auf der Straße entdeckt. Das Jungtier taumelte orientierungslos und am Ende seiner Kräfte über den heißen Asphalt. Der Bestattermeister trug die junge Amsel behutsam von der Straße, bevor er sich wieder ins Auto setzte. Da er sich nicht sicher war, dass dem Vogel damit auch wirklich geholfen war, wandte er sich wenig später ratsuchend an seine Mitarbeiterin, wohl wissend, dass Diana Kremp mit verletzten und sterbenden Tieren Erfahrung hat. Gemeinsam fuhren beide an die Fundstelle zurück. Gerade noch rechtzeitig. In letzter Sekunde stoppte Enrico Pech das einzige Fahrzeug, das zu diesem Zeitpunkt auf der ruhigen Dorfstraße im Schritttempo unterwegs war. Nur einen Moment später und das Postauto hätte den orientierungslosen, immer noch taumelnden Jungvogel überfahren. Überglücklich hielt Diana Kremp die gerettete, völlig überhitzte, dehydrierte und ausgehungerte Amsel in den Händen.

Erich erholt sich schnell

Schon die Erstversorgung wirkte wahre Wunder. Kaum zu Hause angekommen, suchte Diana Kremp nach artgerechtem Futter und richtete dem Vogelkind ein Nest ein. Seitdem geht es Erich mit jedem Tag besser. Alle drei Stunden wird der Jungvogel gefüttert. Außer in der Nacht. Denn bei Dunkelheit gehen auch die Elterntiere nicht auf Futtersuche, weiß Diana Kremp.

Sie schaut jetzt genau, was der Vogel nach der Fütterungszeit in seinem Nest hinterlassen hat. Dessen Aussehen gibt wichtige Informationen über den Gesundheitszustand des Tieres. Bei Erich ist alles in Ordnung. Nach der Ruhepause wartet in drei Stunden schon die nächste Fütterung. Tatkräftige Unterstützung bekommt Diana Kremp bei der Versorgung der Tiere von ihrer 73-jährigen Mutter Ingrid Fischer, die sich nun um Erich kümmert.

Schichtwechsel im Mehrgenerationenhaus. Für Lebensretterin Diana Kremp geht es wieder auf die andere Seite des Lebens. Richtung Bestattungshaus und Friedhof.

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