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Lernzeit und digitaler Unterricht in Bernsdorf

Die Pädagogische Werkstatt steht den Grundschülern und Eltern auf Wunsch hilfreich zur Seite. Das kommt gut an.

Anika Noack ist die Leiterin der Pädagogischen Werkstatt.
Anika Noack ist die Leiterin der Pädagogischen Werkstatt. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Bernsdorf. Ein Quadratkilometer Bildung in Bernsdorf ist eine Bildungs- und Entwicklungsplattform mit dem Leitgedanken, dass kein Kind verloren gehen darf. Bei diesem Projekt arbeiten die Beteiligten eng mit den Bildungseinrichtungen, den Kitas, dem Mehrgenerationenhaus und der Stadtverwaltung zusammen. Die Stärke des Projektes liegt in der schnellen und passgenauen Reaktion auf aktuelle Situationen und Bedarfe.

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„Das zeigt sich auch in der jetztigen Corona-Situation, die unsere alltägliche Arbeit auf den Kopf gestellt und uns schnell zum Umdenken gezwungen hat“, erklärt die Leiterin der Pädagogischen Werkstatt, Anika Noack. Im TAGEBLATT-Interview spricht sie über ein neues Programm, das Lehrkräfte entlasten soll und Schüler sowie Eltern Hilfe ermöglicht.

Für die Grundschule Bernsdorf wurde ein Unterstützungsprogramm ins Leben gerufen. Warum ist das so wichtig?

Die Idee dafür resultiert aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr. Lernzeit zu Hause und digitaler Unterricht kannten die Grundschüler in Bernsdorf in dieser Form nicht. Nicht alle Familien konnten damals die Herausforderung meistern, plötzlich nebenberuflich als Lehrer zu agieren. Die Gründe waren vielfältig und reichten von fehlender Computertechnik bis hin zu Überforderung. Die Situation war damals und ist auch heute für die Kinder und die Eltern nicht leicht. Meine Kollegen und ich haben uns deshalb überlegt, wie wir die Grundschule neben all ihren eigenen Angeboten unterstützen und damit Familien und auch die Lehrkräfte entlasten können. Das Angebot ist wichtig, damit Familien wissen, dass sie nicht auf sich allein gestellt sind. Wir finden für fast alle Probleme eine Lösung und wünschen uns, dass noch mehr Eltern und Kinder unser Angebot nutzen.

Wie wird das neue Projekt für Grundschüler konkret umgesetzt und gibt es bereits Reaktionen oder Ergebnisse?

Drei Kollegen und ich stehen nun täglich für jeweils eine Klassenstufe für die Familien als Ansprechpartner zur Verfügung. Eltern können uns anrufen, wenn sie etwas ausgedruckt haben möchten oder wenn zu Hause der Computer oder das WLAN streikt. Die Pädagogische Werkstatt springt dann ein und verleiht Tablets und mobile Router. Wir unterstützen die Kinder auch bei den Lernaufgaben und bieten Nachhilfestunden an. Bei der Umsetzung arbeiten wir eng mit der Schule zusammen. Bisher haben wir nur positive Rückmeldungen erhalten, sowohl von den Familien, die auf unsere Hilfe zurückgreifen, als auch von den Lehrern der Grundschule und unseren Projektpartnern. Wir sind schon ein bisschen stolz, wenn wir Reaktionen von anderen Schulen hören, die nicht auf ein so großes Helfernetzwerk zugreifen können.

Wie nachhaltig ist das Projekt und wie kann es auch nach der Coronakrise noch genutzt werden?

In erster Linie zeigt das Unterstützungssystem, dass Bernsdorf eine sehr gut funktionierende Bildungslandschaft hat, in der alle Beteiligten an einem Strang ziehen und in kurzer Zeit hilfreiche Angebote schaffen können. Mit dem Mehrgenerationenhaus und der Pädagogischen Werkstatt gibt es zwei Anlaufstellen, die allen Interessierten für alle Belange offensteht. Sicher sind wir auch nach der Coronakrise, wenn die Kinder wieder regelmäßig in die Kita und Schule gehen, als Ansprechpartner da.

Welche weiteren Ziele sind im Projekt Ein Quadratkilometer Bildung geplant?

Die offizielle Laufzeit des Projektes in Bernsdorf endet dieses Jahr. Unser Ziel ist jedoch, die Pädagogische Werkstatt zu erhalten und diese noch enger in die Strukturen des Mehrgenerationenhauses zu integrieren. Bis zum Jahresende liegt aber noch viel Zeit vor uns, die wir vor allem für das Thema Digitalisierung nutzen möchten. Die Corona-Krise zeigt deutlich, wo es in diesem Bereich noch hakt. Die bisherigen Angebote des Projektes stützen sich vorrangig auf direkte Kontakte zwischen Menschen, was in der Arbeit mit Kindern auch unumgänglich ist. Um nicht komplett den Kontakt zu unseren Kindern und Familien zu verlieren, müssen wir nun über vermehrte digitale Angebote nachdenken.

Zum Beispiel?

Wir bieten interessierten Familien die Möglichkeit, sich zu kleinen Lerngruppen zusammenzuschließen, die sich dann regelmäßig in Videokonferenzen im digitalen Raum treffen und zu den Schulaufgaben austauschen können. Wer daran Interesse hat, kann sich gern bei uns melden. Wir schaffen dann die technischen Voraussetzungen und können diese Lerngruppen auch unterstützen.

Ansprechpartner: Klassenstufe 1 – Caroline Kauschmann (Mo-Freitag 16-18 Uhr; Tel. 0162 7166361; E-Mail [email protected]); Klassenstufe 2 – Anika Noack (Mo, Mi, Fr 10-12 Uhr; Di, Do 12-14 Uhr; Tel. 0174 2463620; E-Mail [email protected]); Klassenstufe 3 – Silvio Thieme (Mo-Fr 10-12 Uhr; Tel. 0171 3308324; E-Mail [email protected]); Klassenstufe 4 – Jens Walter (Mo-Fr 10-12 Uhr; Tel. 0176 57735662; E-Mail [email protected])

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