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Letztes Pumpe-Spiel im Erzgebirge

Vor 30 Jahren endete die Aktivist-Fußball-Geschichte – mit einer unverdienten Niederlage.

Im Pokalspiel im Erzgebirge fehlte das Glück. Wenig später, am 1. März 1992, war Aue mit Ex-Auswahltorwart Jörg Weißflog in Hoyerswerda zum Liga-Punktspiel Gast. Hoyerswerdas Stürmer Heiko Nowak überwindet hier Aues legendären Keeper.
Im Pokalspiel im Erzgebirge fehlte das Glück. Wenig später, am 1. März 1992, war Aue mit Ex-Auswahltorwart Jörg Weißflog in Hoyerswerda zum Liga-Punktspiel Gast. Hoyerswerdas Stürmer Heiko Nowak überwindet hier Aues legendären Keeper. © Foto: Pumpe-Buch/Moose

Von Ronny Klein

Kaum zu glauben, aber die BSG Aktivist Schwarze Pumpe ist heute auf den Tag genau 30 Jahre Geschichte. Denn am 12. Juni 1991 (nicht, wie andernwärts behauptet wird, am 16. Juni!) absolvierte die Mannschaft das allerletzte Fußballspiel unter diesem Namen. Es war ein denkwürdiger Pokalknaller – allerdings nicht im Hoyerswerdaer Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion, Heimstatt der Pump’schen und Austragungsort so mancher denkwürdigen Partie in der DDR-Liga (die zweithöchste Spielklasse der DDR, der man über 30 Jahre lang ununterbrochen angehörte und sich den Nimbus der „Unabsteigbaren“ erworben hatte); es war also kein Abschied daheim; nein, dieses Spiel fand im Erzgebirge statt.

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Die letzte Saison des DDR-Fußballs (1990/1991) neigte sich dem Ende entgegen, als die DDR schon gar nicht mehr existierte. Nach dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten war auch die Fußball-Fusion längst beschlossene Sache. Und Aktivist als Dauergast der zweithöchsten Spielklasse beendete diese Spielzeit 1990/91 trotz aller Umstände (Spielerabgänge in den Westen, ausbleibende Gelder des Sponsors Gaskombinat Schwarze Pumpe) auf einem absolut akzeptablen 7. Rang der Staffel A. Womit der Mannschaft von Trainer Frank Papritz auch die sichere Qualifikation für die neu geschaffene Amateuroberliga Nordost gelang.

Blieb noch die große Chance auf den bundesdeutschen DFB-Pokal, den man in Hoyerswerda bis dahin nur aus dem Westfernsehen kannte. 31 unterklassige Clubs sollten vier Teilnehmer der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals ermitteln. Über die Stationen Lok Stendal (2:1) und Motor Eberswalde (4:3 nach Elfmeterschießen) erreichte Schwarze Pumpe die Runde der letzten Acht. Und zog ausgerechnet das schwerste Los: Auswärtsspiel bei Wismut Aue, das im Endspurt nur knapp, um zwei Tore, den Sieg in der Liga-Staffel B (die DDR-Liga hatte zwei Staffeln à 16 Mannschaften) und damit den Sprung in die Qualifikationsrunde zur 2. Bundesliga verpasst hatte.

DFB-Serie wäre verdient gewesen

Es wurde das erwartet schwere und dennoch enge Match vor 852 Augenzeugen. Erst glich Heiko Nowak den Rückstand aus, später traf Holger Fraedrich zum 2:3-Anschlusstreffer. Als bei Wismut die Kräfte schwanden, hatte Aktivist den Ausgleich auf dem Fuß. Aber sowohl Marco Hölzel als auch Hartmut Jank trafen nur den Pfosten. Selbst Aue-Trainer Heinz Eisengrein musste später konstatieren, dass seine Mannschaft eine Verlängerung wohl nicht überstanden hätte. So aber erlöste ein Glückstreffer die Erzgebirger zum 4:2-Endstand.

Für Hoyerswerda blieb der DFB-Pokal ein Traum – bis heute. Und für Aktivist Schwarze Pumpe blieb es das letzte Spiel. Denn bereits wenige Tage zuvor, am 29. Mai 1991, hatten die Fußballer in der Gaststätte „Libelle“ (auch sie ist heute Geschichte ...) den Austritt aus dem Gesamtverein (heute Sportclub Hoyerswerda) beschlossen: Man wollte fortan als FSV Hoyerswerda firmieren. Und tat dies in den Folgejahren zunächst recht erfolgreich; klopfte sogar an die Pforte des Profi-Fußballs. Mittlerweile, so wissen wir heute, sind im jetzigen Hoyerswerdaer FC (Kreisoberliga Westlausitz, also 8. Liga) insgesamt fünf ehemalige Fußballclubs der Stadt integriert: Lok, Einheit, 1919 (früher Aufbau), der HSV 1990 und eben der FSV. Geblieben ist die Erinnerung an den einst so großen Fußball in der Stadt.

Mehr Anekdoten rund um den Fußball bei Aktivist Schwarze Pumpe (Hoyerswerda) lesen Sie in „Das große Pumpe-Buch“ (29,99 Euro), das auch im SZ-Treffpunkt im Lausitz-Center oder online erhältlich ist.

aktivist-chronik.de

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