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Martinsgänse landen im eigenen Ofen

Auf dem Geflügelhof Latta in Brischko herrscht derzeit Hochkonjunktur – die bis zur Weihnachtszeit andauert.

Auf dem Geflügelhof Latta in Brischko gehen die Martinsgänse gerupft und ausgenommen über die Ladentheke. Im Bild zu sehen ist Katrin Latta mit einem noch schnatternden Exemplar.
Auf dem Geflügelhof Latta in Brischko gehen die Martinsgänse gerupft und ausgenommen über die Ladentheke. Im Bild zu sehen ist Katrin Latta mit einem noch schnatternden Exemplar. © Foto: Susann Metasch

Von Susann Metasch

Brischko. Lautlos tanzen ein paar wenige weiße Federn und Daunen in der Abendsonne. Es ist ein herrlicher Herbstnachmittag auf dem Geflügelhof Latta in Brischko. Vor dem kleinen Verkaufsladen reihen sich die Kunden vorbildlich in anderthalb Meter Abstand ein. Sie alle sind dieser Tage hier, weil sie sich ihre Martinsgans abholen möchten. 

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Am 11.11., also heute, wird das traditionelle Fest zum Gedenken an den Heiligen Martin von Tours, der einst seinen Mantel einem frierenden Bettler schenkte, gefeiert. Was das mit der Martinsgans zu tun hat? Laut einer Legende habe sich der Mönch Martin in einem Gänsestall versteckt, als man ihn zum Bischof weihen wollte. Die Gänse schnatterten aber so aufgeregt, dass er entdeckt und doch noch zum Bischof von Tours geweiht wurde. Wie auch immer, jedenfalls herrscht momentan Hochkonjunktur auf dem Hof.

Das Schlachten hat begonnen

Der Startschuss zur wichtigsten Saison bei den Brischkoer Geflügelzüchtern ist gefallen, die Vorbereitungen auf die Advents- und Weihnachtszeit laufen auf Hochtouren. In der Woche vor dem Martinstag beginnt üblicherweise das Schlachten der Dithmarschen Gans, auf die sich der Geflügelhof spezialisiert hat. In der zweiten Juliwoche waren knapp tausend Ein-Tages-Gössel von der Königswarthaer Gänsezuchtanlage nach Brischko umgezogen.

Dort erlebten sie den Sommer und den Herbst auf der grünen Wiese, haben Weizen und Mais aus eigenem Anbau genossen und im wahrsten Sinne ein tierisch gutes Leben geführt. Der nächtliche Rückzug in den Stall schützte die Gänse vor Räubern. Mit ihren knapp fünf Monaten bringen sie aufgrund der guten Ernährung einiges an Gewicht mit. Der Braten wiegt zwischen vier und sechs Kilogramm.

Ein Tipp für die Zubereitung

Bei Maria Latta gehen die gerupften Gänse gefüllt mit Leber und Magen über den Ladentisch. Wer möchte, der erhält auch noch den ein oder anderen Tipp der eifrigen Mitarbeiterinnen mit auf den Weg: Beifuß, Gänsegewürzsalz oder Äpfel – weitere wichtige Zutaten erhält man zudem direkt auf dem Geflügelhof.

Neben der traditionellen Gans fällt die Wahl der Kunden auch des Öfteren auf eine Ente, ein Perlhuhn oder ein Fleischhähnchen. In der Adventszeit erfreut sich der Putenbraten besonderer Beliebtheit. Einen Unterschied in der Nachfrage zu anderen Jahren spürt man dabei nicht. „Jeder, der essen gehen wollte, zaubert nun zu Hause selbst seinen Braten zum Martinstag“, erzählt Schwiegertochter Katrin Latta.

Die zwei Gaststätten, die sonst als Großabnehmer für Geflügel aus der Zucht der Lattas agieren, haben sich in diesem Jahr zwar zurückgehalten. Diesbezüglich zeigt die Familie aufgrund der aktuellen Lage aber großes Verständnis. Dafür gibt es, wie erwähnt, umso mehr private Interessenten. Und auch die Fleischereien halten dem Geflügelhof die Treue. „Wir sind in der Lebensmittelbranche, und essen muss man schließlich immer“, fügt Maria Latta an.

Die Wirtschaftskrise 2020 mit ihren Corona-Schlagzeilen spüre man auf dem Hof nicht. Eher macht die Trockenheit im dritten Jahr in Folge dem Unternehmen zu schaffen. Denn ohne Regen gedeihen die Futterquellen für die Tiere nicht ausreichend. Erst die regenreichen und warmen Herbsttage konnten das wieder kompensieren, was in den Sommermonaten fehlte.

Und wenn man ganz genau hinhört, schallt ein leises, glückliches Gackern und Schnattern der 750 restlichen Gänse und anderen Geflügeltiere um die Ecke. Sie haben noch eine Gnadenfrist. Spätestens Weihnachten ist allerdings auch das verstummt, und die Rinder ziehen von den Weiden wieder zurück in den Stall, der momentan noch dem Geflügel vorbehalten ist. Dann lehnt sich auch Familie Latta nach der arbeitsreichsten Zeit des Jahres erholsam zurück und genießt die Feiertage.

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