merken
PLUS Hoyerswerda

Mehr Tourismus, aber kein Bevölkerungszuwachs

Der Elsterheider Bürgermeister Dietmar Koark wünscht sich größeren Spielraum für Gemeinden im Ländlichen.

Einer der wenigen Neubau-Standorte für Eigenheime in jüngerer Zeit in der Gemeinde Elsterheide befindet sich in Bluno. So sah das Wohngebiet „Am Blunoer Südsee“ im Sommer 2015 aus der Vogelperspektive aus. Längst ist es ausgebucht.
Einer der wenigen Neubau-Standorte für Eigenheime in jüngerer Zeit in der Gemeinde Elsterheide befindet sich in Bluno. So sah das Wohngebiet „Am Blunoer Südsee“ im Sommer 2015 aus der Vogelperspektive aus. Längst ist es ausgebucht. © Foto: Uwe Schulz

Elsterheide. Mehr und mehr wird die Gemeinde Elsterheide vom Tourismus geprägt. Dass sich das auch in der Bevölkerungs-Entwicklung widerspiegelt, würde sich Bürgermeister Dietmar Koark (CDU) wünschen. „Ich denke aber, dass das nicht der Fall ist“, erklärte er im TAGEBLATT-Gespräch. Ein Blick in die Statistik bestätigt das.

Zum Zeitpunkt der Gründung der Elsterheide am 1. Juli 1995 brachten es die zu einer Gemeinde zusammengeschlossenen Dörfer Sabrodt, Bluno, Klein Partwitz, Geierswalde, Tätzschwitz, Nardt, Bergen, Neuwiese und Seidewinkel auf 3.234 Einwohner. Bis zum 31. Dezember 2010 stieg die Einwohnerzahl dann zwar auf 3.769. Zum Jahreswechsel 2020/2021 zählte die Gemeinde aber nur noch 3.461 Einwohner.

Anzeige
Haben Demokraten Feindbilder?
Haben Demokraten Feindbilder?

Professor Armin Nassehi der LMU München spricht in einer kostenfreien Online Diskussion am 9. März über die offene Gesellschaft und ihre Feinde.

Dass es unproblematisch möglich wäre, diesen Trend bei der Bevölkerungsentwicklung umzukehren, stellt Dietmar Koark nicht infrage. „Wenn wir entsprechende Baumöglichkeiten ausweisen würden, hätten wir keine Mühe, die auch zu belegen.“ Aber: „Wir werden die Grundsätze der Landesplanung nicht aushebeln können. Nur weil wir eine größere Rolle im Tourismus spielen, erhalten wir nicht automatisch die Legitimation, in der Bevölkerungsentwicklung eine Schippe draufzulegen“, bedauert der Bürgermeister. Es sei nach wie vor so, dass den Gemeinden im ländlichen Raum nur eine Eigenentwicklung zugestanden wird. „Es ist längst überfällig, hier den Gemeinden mehr Spielraum einzuräumen.“

Wer genau hinschaut, dem wird allerdings nicht entgangen sein, dass in der Elsterheide sehr wohl auch Wohnungs- und Eigenheimbau stattfindet. Was jedoch wenig oder keinen Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung hat. „Was bei uns zulässig ist, wenn wir Bebauungspläne neu auflegen, dann sind das im Wesentlichen alles Ferienwohnungen“, stellt Dietmar Koark klar und betont: „Uns wird in der Regel gar kein Spielraum gegeben, auch feste Wohnsitze mit auszuweisen. Ferienwohnungen wiederum sind nicht unbedingt das, was unsere Ortschaften wollen“, weiß der Bürgermeister. „Hier wird befürchtet, dass das urbane Leben im Ort zerstört wird, wenn wir zwei Drittel Feriengäste haben, und die Leute, die das Leben im Dorf aufrechterhalten, immer weniger werden.“

Überdies, so der Hinweis des Bürgermeisters, gebe es bei Wohnraum-Entwicklungs-Plänen auch immer eine Beteiligung der Nachbarkommunen. „Ich bezweifle, wenn ich ganz ehrlich bin, dass wir da eine positive Stellungnahme bekommen würden, wenn wir – sagen wir mal – ein Wohngebiet für 40 Häuser ausweisen wollen.“

Gänzlich auf verlorenem Posten steht die Gemeinde Elsterheide allerdings nicht. „Ich bin froh, dass wir in der Fortschreibung des Regionalplanes zwei Ziele definieren konnten, nämlich die touristische Entwicklung sowie die Industrie- und Gewerbefunktion. Letzteres wurde uns nur zugestanden, weil wir in der Gemeinde Elsterheide mehr als 1.500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze haben. Das bedeutet aber, dass wir sicherstellen müssen, dass die Menschen, die hier arbeiten, hier auch ihren Wohnraum finden.“

Ob das als Stellschraube reicht, um auf lange Sicht Bevölkerungszuwachs zu generieren, das bleibt jedoch abzuwarten.

Mehr zum Thema Hoyerswerda