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Hoyerswerda

Miguel Pereira Rodrigues aus Brasilien

In Neustadt/Spree ist der Fußballer noch in sehr guter Erinnerung. Jetzt spielt er in der Lessingstadt – wenn er spielt.

Derzeit ist für Miguel Pereira Rodrigues vom SV Einheit Kamenz nur individuelles Training nach Vorgaben des Trainers möglich.
Derzeit ist für Miguel Pereira Rodrigues vom SV Einheit Kamenz nur individuelles Training nach Vorgaben des Trainers möglich. © Foto: Werner Müller

Von Werner Müller

Kamenz. Fragt man Miguel Pereira Rodrigues, was er sich momentan sportlich am meisten wünscht, fällt ihm die Antwort nicht schwer: „Dass wir wieder das tun können, was uns am besten gefällt – Fußball spielen. Und dass wir den Sachsenmeistertitel holen.“ In der Sachsenliga steht er mit seinem Verein, dem SV Einheit Kamenz, seit dem Saison-Stopp am 2. November des Vorjahres auf Platz 4 – aber mit zwei Spielen weniger als der aktuelle Spitzenreiter SC Freital, der sechs Punkte mehr hat. Genau jene zwei Siege, die für Kamenz noch möglich sind.

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Rodrigues’ Weg nach Kamenz ist schon fast der eines Weltenbummlers. Geboren am 27.11.1995 als jüngstes von vier Kindern seiner Eltern in Manaus am Amazonas in Brasilien, faszinierte ihn das runde Leder schon früh. Mit 7 Jahren begann er intensiv mit dem Fußballtraining; spielte in seiner Jugend bei Tarumá EC (in Manaus) und bei Manaus FC. Miguel Pereira Rodrigues spielt(e) immer auf der Position des Stürmers – auf der Außenbahn. Dort kann er seine Schnelligkeit ausnutzen und in Treffer ummünzen. Seine Vorbilder sind der dribbelstarke Brasilianer Neymar und der charismatische Portugiese Cristiano Ronaldo – ein Ballkünstler.

2015 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag in seiner Heimat. 2017 kam er nach Polen, 2018 nach Deutschland – und fand zum LSV Neustadt/Spree. In der Saison 2018/19 schoss er für die Spreetaler in der Landesklasse Ost 30 Tore in 23 Spielen und wurde Torschützenkönig der Staffel.

Im Sommer 2019 ging er für sechs Monate nach Lübben, weil er dort einen Intensivkurs Deutsch absolvierte und währenddessen beim SV Grün-Weiß Lübben spielte. Dann kehrte er nach Neustadt/Spree zurück – aber es war nur noch ein kurzes sportliches Intermezzo, denn zu dieser Zeit hatten schon die höherklassig spielenden Kamenzer die Fühler ausgestreckt und verpflichteten ihn ab Sommer 2020.

Familiär hat er auch Wurzeln in der Region geschlagen: Im Juli 2020 heiratete er in Lauta seine Cheyenne – die Tochter seines Neustädter Trainers Karsten Haasler; sportlich ist er nun aber in Kamenz zu Hause. Er fühlt sich wohl im Team des SV Einheit Kamenz und hat auch dort ein gutes Verhältnis zu seinem Trainerstab. Seinen Wunschtraum, einmal höherklassig zu spielen, hat er nicht aus den Augen verloren. Er trainiert hart und ist offen für das, was neu auf ihn zukommt. Dabei möchte er seinen brasilianischen Fähigkeiten treu bleiben: Dribbeln, Tempo, Torinstinkt – kurz, er möchte seine ganz eigene Geschichte in Fußball-Deutschland schreiben.

Durch die Corona-Pandemie ist freilich alles viel schwieriger geworden: keine Spiele, kein gemeinsames Training. Aber Wehklagen ist nicht sein Ding: „Schließlich sind ja alle Vereine gleichermaßen von der Zwangspause betroffen. Wir müssen eben versuchen, mit der Realität zu leben. Ich trainiere täglich und denke dabei an bessere Tage. Wir wussten um die Schwierigkeit des Individual-Trainings. Als die Sperre verhängt wurde, haben wir darum eine Gruppe auf WhatsApp eingerichtet; die Trainer schickten Trainings- und Bewegungsaufgaben, damit wir alle fit bleiben. Einer unterstützt dabei den anderen.“

Im Privatleben neben dem Fußball hofft er sehnlichst, „dass all dies, also Corona, vorübergeht und wir diese Harmonie, diese Freiheit und diese Emotionalität wiederhaben können, wie wir sie lieben – und dass dieses Jahr trotz allem ein Jahr der erreichten Ziele wird.“ Die sportlichen Ziele hat Miguel Pereira Rodrigues ja schon eingangs benannt: mit dem SV Einheit Kamenz Sachsenmeister und Anwärter auf die NOFV-Oberliga Nord. Das wär’s doch!

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