merken
PLUS Hoyerswerda

Nach Brandstiftungen wurde Anklage erhoben

Der mutmaßliche Täter befindet sich nach Monaten der U-Haft auf freiem Fuß. Das machte den Dorfbewohnern große Sorgen.

Mit einem Feuerwehr-Großaufgebot wurde am 8. Juli letzten Jahres ein Scheunenbrand an der Koschener Straße in Tätzschwitz bekämpft. Der Sachschaden war immens. In den Morgenstunden nach der Brandnacht stellte die Polizei mit Hilfe eines Fährtenhundes
Mit einem Feuerwehr-Großaufgebot wurde am 8. Juli letzten Jahres ein Scheunenbrand an der Koschener Straße in Tätzschwitz bekämpft. Der Sachschaden war immens. In den Morgenstunden nach der Brandnacht stellte die Polizei mit Hilfe eines Fährtenhundes © Foto/Archiv: LausitzNews / Georg Szél

Tätzschwitz. „Feuerwehren aus dem Großraum Hoyerswerda inklusive Brandenburg rückten in der Nacht zum Mittwoch zu einem Scheunenbrand nach Tätzschwitz aus. Es war der fünfte Brand seit dem 19. Mai. Das Feuer zog die Scheune und das Dach eines Wohnhauses in Mitleidenschaft. Verletzt wurde niemand. Der Sachschaden wird auf 60.000 Euro geschätzt. Im Zuge der ersten Ermittlungen nahm die Polizei in Tatortnähe einen 30-jährigen Deutschen fest.

Fährtenhund Tye der Inspektion Zentrale Dienste der Polizeidirektion Görlitz unterstützte maßgeblich bei der Fahndung und Ergreifung des Tatverdächtigen.“ So berichtete TAGEBLATT über die Ereignisse am 8. Juli 2020 in Tätzschwitz. Seither gab es im Dorf keine weitere Brandstiftung. Der seinerzeit festgenommene Mann saß seit dem 9. Juli in Untersuchungshaft – wegen Wiederholungsgefahr. Die besorgte Bürgerschaft in Tätzschwitz war beruhigt.

UnbezahlbarLand
Willkommen im UnbezahlbarLand
Willkommen im UnbezahlbarLand

Was ist eigentlich das Unbezahlbarland? Warum ist der Landkreis Görlitz Unbezahlbarland? Hier finden Sie alle Infos.

Das änderte sich schlagartig, nachdem der Mann zu Silvester wieder im Dorf gesehen worden war . „Die Leute hier sind sehr verunsichert“, ließ der Tätzschwitzer Ex-Bürgermeister Reiner Zschiesche am Redaktions-Telefon wissen. Dass der Mann offenbar wieder auf freiem Fuß ist, das stoße auf großes Unverständnis. Das Vertrauen in die Justiz hat Schaden genommen, sagt er.

Für Fortsetzung der Haft plädiert

Wie aus der Staatsanwaltschaft Görlitz zu erfahren war, habe diese Ende November Anklage zum Landgericht Görlitz (Außenkammern Bautzen) wegen schwerer Brandstiftung und Brandstiftung in zwei Fällen erhoben. Eine Entscheidung über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens ist allerdings noch nicht gefallen, so der Landgerichts-Pressesprecher Reinhard Schade. Nach Auskunft von Christopher Gerhardi, dem Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, habe das Landgericht aber mit Beschluss vom 9. Dezember 2020 den Haftbefehl gegen eine Meldeauflage außer Vollzug gesetzt und dementsprechend die Freilassung des Angeschuldigten angeordnet. „Die Staatsanwaltschaft hat für die Fortdauer der Untersuchungshaft plädiert, weil nach hiesiger Auffassung die Voraussetzungen für den weiteren Vollzug der Untersuchungshaft vorlagen.“ Christopher Gerhardi verwendet die Begriffe „dringender Tatverdacht“, „Wiederholungsgefahr“, „Verhältnismäßigkeit“. Das Landgericht habe eine andere Bewertung vorgenommen, die von der Staatsanwaltschaft letztlich akzeptiert wurde.

Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit spielte auch bei der Entscheidung des Gerichts eine Rolle, erklärte Reinhard Schade auf Nachfrage. Es sei wegen der sozialen Bindungen des Angeschuldigten und des Umstandes, dass dieser bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten ist, und durch die Auflagen sichergestellt, dass er sich dem Strafverfahren stellen wird.

Mehr zum Thema Hoyerswerda