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Nächster Schritt zum Wasserstoff-Kraftwerk

Für das Vorhaben in Schwarze Pumpe soll jetzt eine Betreiber-GmbH gegründet werden.

Wasser soll in Schwarze Pumpe eine Rolle bei der Stromgewinnung spielen – aber natürlich nicht jenes aus Scheibe-See (vorn) und Spreetaler See.
Wasser soll in Schwarze Pumpe eine Rolle bei der Stromgewinnung spielen – aber natürlich nicht jenes aus Scheibe-See (vorn) und Spreetaler See. © Archivfoto: Gernot Menzel

Schwarze Pumpe. Zahlen, die bei Sitzungen des kommunalen Zweckverbandes von Spremberg und Spreetal für den Industriepark Schwarze Pumpe genannt werden, haben in der Regel recht viele Stellen. „Wir arbeiten intensiv an der Schaffung neuer Wertschöpfungsketten, sprechen gegenwärtig über acht Investitionen mit einer Gesamtsumme in Höhe von 1,5 Milliarden Euro“, ließ Petra Axel vom Industriepark-Management vorige Woche bei der jüngsten Zweckverbandssitzung wissen. Details nannte sie nicht. Investoren sind bekanntlich scheu wie Rehe und natürlich ist nichts sicher, solange nichts unterschrieben ist.

Dafür gab es aber Neuigkeiten zu einem Prestige-Projekt, von dem man zuletzt wenig gehört hatte. Das war allerdings auch nicht anders zu erwarten. Als nämlich Ende 2019 eine Absichtserklärung zum Bau eines Wasserstoff- und Speicherkraftwerkes am Standort unterschrieben wurde, hieß es, die nötigen Vorbereitungen würden sicher bis ins Jahr 2022 dauern. „Wir wollen nun im September, Oktober den Fördermittelantrag stellen“, sagt Spreetals Bürgermeister Manfred Heine (parteilos) in seiner Eigenschaft als Verbandsvorsteher.

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„Reallabor der Energiewende“

Die Details zum Antrag sind mit dem Bundeswirtschaftsministerium abgesprochen. Dieses war es schließlich, das Anfang 2019 den Wettbewerb „Reallabore der Energiewende“ ausgelobt hatte. Das Referenzkraftwerk Lausitz, von den Verantwortlichen kurz RefLau genannt, war dann unter den Preisträgern. In der Beschreibung auf der Internetseite des Ministeriums steht, worum es geht: „Schlüsseltechnologien der Energieversorgung mit erneuerbaren Energien und Wasserstoff als chemischem Speicher“. Etwas vereinfacht gesagt soll eine Anlage durch Wind- und Solarproduktion erzeugten Strom bei Überschuss zur Elektrolyse von Wasser nutzen. Den entstehenden Wasserstoff kann man speichern und dann bei Bedarf in einer Brennstoffzelle oder mittels Gasturbine wieder zu Strom machen. Man kann damit aber zum Beispiel auch Busse mit entsprechendem Antrieb betanken.

Referenzkraftwerk heißt das Ganze, weil in Schwarze Pumpe die Technologie im Großmaßstab in der Praxis erprobt werden soll. Besagte Gasturbine wird den Planungen zufolge gute acht Megawatt Leistung haben. Klappt alles, schwebt den Initiatoren der Bau vieler technischer Schwestern und Brüder im Hundert-Megawatt-Bereich vor. Errichtet werden sollen sie überall an jenen Standorten, an denen es heute Kohlekraftwerke gibt. So der Plan.

Beim Zweckverband hat man sich für das Muster-Kraftwerk einen symbolträchtigen Standort ausgesucht. „Genau auf der Landesgrenze soll es stehen“, sagt Manfred Heine. Gedacht ist an die Südstraße in jenem Bereich, in dem bis zum Abriss 2015/16 der Bahnhof zu finden war. Das Ganze hätte auch den Charme, dass an dieser Stelle die aus Richtung Dresdener Chaussee neu zu bauende Südumfahrung ankommen soll und dass der Zweckverband ohnehin eine Erweiterung des Industrieparks in südlicher Richtung plant. Bei seiner Versammlung vorige Woche im Gründer- und Gewerbezentrum Dock³ Lausitz ging es auch um einen weiteren Schritt zur Realisierung des RefLau-Projektes. Die Verbandsräte stimmten der Gründung einer GmbH zu „Planung, Errichtung und Betrieb“ des Kraftwerkes zu beziehungsweise billigten sie Änderungen an Details.

Konsortium aus drei Partnern

Der Zweckverband übernimmt in der Referenzkraftwerk Lausitz GmbH ein Drittel der Anteile und zahlt somit vom Stammkapital in Höhe von 30.000 Euro auch 10.000 Euro ein. Die beiden Partner in der neuen Gesellschaft sind die Energiequelle GmbH aus Zossen südlich von Berlin und die Enertrag AG aus Dauerthal in der Uckermark. Energiequelle beschreibt sich selbst als eines der zehn größten deutschen Unternehmen für Erneuerbare Energien. 300 Mitarbeiter sind in Deutschland, Frankreich und Finnland tätig. Enertrag ist seit 2011 mit sogenanntem „grünen Wasserstoff“ beschäftigt und unter den Initiatoren der 2019 ins Leben gerufenen Initiative „Wasserstoffregion Lausitz“. Ursprünglich war auch der hiesige Energiekonzern Leag als vierter Gesellschafter der neuen GmbH im Gespräch. Er steigt nun zwar nicht mit ein, bleibt aber laut Zweckverband unter den Partnern für das RefLau, zu denen unter anderem auch Forschungseinrichtungen gehören.

Am Zeitplan für den Bau hält man in Schwarze Pumpe fest. In der Finanzplanung sind die Jahre 2023 und 2024 festgelegt – inklusive der Kreditfinanzierung des erforderlichen Eigenanteils.

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