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Neue Wege und Traditionen bei Bock

Seit Jahrzehnten hat das Familienunternehmen schon Bestand. Die Nachfolge scheint auch gesichert.

Ihr ganzes Berufsleben lang ist Ingeborg Bock schon als Floristin tätig. Dieses Interesse hat sie an auch an ihre Enkelin weitergegeben.
Ihr ganzes Berufsleben lang ist Ingeborg Bock schon als Floristin tätig. Dieses Interesse hat sie an auch an ihre Enkelin weitergegeben. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. „Blumen sind mein Leben“, sagt Ingeborg Bock, die trotz ihrer 70 Jahre immer noch das Blumengeschäft Bock in der Bonhoefferstraße 10 führt. Unermüdlich gestaltet die Floristmeisterin ansprechende Gestecke für Geburtstage und Hochzeiten oder windet Kränze, die als Grabschmuck dienen. Sie arbeitet gemeinsam mit Sohn Matthias Bock, Enkelin Hanna, die den Beruf der Floristin ebenfalls erlernt und weiteren Mitarbeitern.

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Doch 1968 sah die Welt anders aus, als die gelernte Gärtnerin Ingeborg Bock nach Hoyerswerda kam. Sie fand Arbeit im Blumenladen der staatlichen Handelsorganisation HO in der Friedrichsstraße, musste sich aber weiter qualifizieren. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Blumenbindemeisterin übernahm sie den Laden und hatte nun dafür zu sorgen, dass es dort überhaupt Blumen zu kaufen gab. Nicht so einfach in der DDR. Der Bereich Konsumgüterproduktion Schwarze Pumpe war ein verlässlicher Partner, erinnert sich Ingeborg Bock. Bei Gärtnereien hatte die HO leider kein Schnittblumenkontingent, so dass Tulpen oder Nelken von Kleingärtnern angekauft wurden. Anfang der 1980er Jahre entspannte sich die Situation etwas, denn in Vetschau entstand – unter Nutzung der Abwärme des dortigen Kraftwerkes – ein Volkseigenes Gut (VEG) Gewächshauswirtschaft. Die fünf Blumenläden der HO wechselten zu diesem Betrieb und wurden von dort beliefert. „Es gab sogar Anturien“, erzählt Ingeborg Bock. Das VEG ließ auch den Pavillon in der Bonhoefferstraße errichten. 1983 wurde das Geschäft im Stadtzentrum eröffnet. Die Blumenbindemeisterin leitete es bis 1990 und war Bereichsleiterin aller Hoyerswerdaer Blumenläden.

„Nach dem Ende der DDR musste ich mir den mittlerweile der Treuhand gehörenden Laden in der Bonhoefferstraße zurückerkämpfen“, erzählt Ingeborg Bock. Das sei nur gelungen, weil ihr die VEG-Vollversammlung das Gebäude einstimmig zugesprochen hat. So startete die damals 40-Jährige in die betriebliche Selbständigkeit und wusste nicht, ob sie Erfolg haben würde. Zuerst besuchte sie einen Floristmeisterkurs (BRD), um sich Wissen zur Führung einer Firma in der Marktwirtschaft anzueignen. Zeitgleich konnte sie für ihren Laden um fünf Uhr früh frische Blumen aus Lkw aus Holland einkaufen. „Die Fahrer kamen regelmäßig, denn sie hatten das Geschäft mit dem Osten entdeckt“, erzählt Ingeborg Bock. Die Angebotsvielfalt für die Kunden hatte sich entscheidend erweitert, was von allen Mitarbeitern eine Weiterbildung verlangte. Circa 20 Lehrlinge und 40 Umschüler wurden bis heute ausgebildet.

Wer in der DDR Blumen zu kaufen bekam, war glücklich. Heute verlangen die Kunden professionelle Hinweise zur Pflege der gekauften Pflanzen. Eine stimmige florale Gestaltung des Wohnraumes steht ebenfalls auf der Wunschliste, erzählt Floristmeister Matthias Bock.

Seit 2017 vertreibt die Hoyerswerdaer Firma ihre Sträuße in ganz Deutschland über den eigenen Onlineversandhandel „Die Blumenbringer“, den teilweise Auftraggeber aus dem Ausland nutzen. Dieses Standbein hat der Firma Absatz während des ersten Lockdown verschafft und wird auch weiterhin helfen, die Corona-Krise zu überstehen.

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